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Allgemeinmedizin 9. Jänner 2006

Gesundheitsökonomie einmal anders

Univ. Lect. Prof. Dipl.-Vw. Dr. Dr. h.c. Josef M. Dézsy: "Gesundheitsökonomie einmal anders. Von Irrtümern, Illusionen, Irrationalitäten im Gesundheitswesen."
Verlag Maudrich, Wien-München-Bern, 144 Seiten, EUR 19,50.

Er ist der Doyen der Gesundheitsökonomie in Österreich. Seit ihren Anfangsstunden ist Josef M. Dézsy, ehemaliger Leiter des Wiener Rudolfinerhauses und Lehrbeauftragter an Universitäten in Wien, Sopron und Budapest, mit dieser Wissenschaft vertraut. Nicht wenigen Medizinern hat er den Zugang zu dieser doch zumeist sehr trockenen und komplizierten Materie ermöglicht.
Diesen Zugang wählte er nun auch für sein neues Buch "Gesundheitsökonomie einmal anders". In prägnanter, problembezogener und humorvoller Art und Weise räumt er darin mit den verbreitetsten Irrtümern, Illusionen und Irrationalitäten im Gesundheitswesen auf und spart dabei auch nicht mit kritischen Betrachtungen rund um den Mythos der "Götter in Weiß". Er legt dar, dass das Gesundheitswesen ein Fass ohne Boden ist: Jeder Mensch hat nur ein Leben, und Gesundheit ist deshalb unbezahlbar, die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen demnach schier unendlich.
Die Abhängigkeit von den behandelnden Ärzten ist enorm. Da die Erwartungen das Machbare übertreffen, ist der Umfang der Illusionen und Enttäuschungen sehr groß. Die Probleme im Gesundheitswesen seien nicht eindeutig lösbar, meint der Autor. Von den selbsternannten "Alleswissern der Ökonomie" fordert er daher mehr Demut.
Ins Reich der Illusionen verweist der Autor auch die weit verbreitete These, mehr Geld im Gesundheitswesen brächte auch mehr Gesundheit. Ärzte, paramedizinische Berufe und die Pflege würden Gesundheitsleistungen und nicht automatisch auch mehr Gesundheit produzieren. Dézsy warnt eindringlich davor, in Teilbereichen des Gesundheitssystems "herumzudoktern", die Auswirkungen seien nicht berechenbar und es komme zu keinen dauerhaften Lösungen.
Sein Credo lautet: Solidarität, Erkennen der Notwendigkeit von Maßnahmen, Eigenverantwortung und die Stärkung des Willens zur Gesundheit und Gesunderhaltung, der auch belohnt und gefördert werden müsse.
Das Buch ist allen empfohlen, die sich über die Hintergründe brandaktueller Themen des Gesundheitswesens von einem Insider informieren und für Diskussionen mit Ökonomen wappnen wollen. In Sparzeiten wie diesen bleibt dies wohl niemandem erspart.

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 25/2003

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