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Allgemeinmedizin 15. Dezember 2005

Grundlagen der Altersprävention

Das vorliegende Werk bietet eine Zusammenfassung unterschiedlicher wissenschaftlicher Forschungsergebnisse der letzten Jahre, die noch nicht extensiv in (gynäkologische) Lehrbücher eingeflossen sind, die aber möglicherweise nicht nur für die Altersprävention, sondern auch für das Fach der Frauenheilkunde von Bedeutung sind.

Der Alterungsprozess hängt mit den Grundzügen des Stoffwechsels genauso zusammen wie mit der Elektronenübertragung und der Atmungskette. Um alterspräventive Maßnahmen zu entwickeln, beziehungsweise wirklich verstehen zu können, muss man sich mit den grundlegenden Zusammenhängen in Biologie, Biochemie, Molekularbiologie und Physiologie, die in Alterungsprozesse involviert sind, auseinandersetzen und vertraut machen. Die Grundlagendarstellung der Altersprävention ist ein Versuch, der weit darüber hinaus gehen soll, Verordnungen von Melatonin, DHWA und Wachstumshormon in unterscheidlichen Konstellationen endemisch zu empfehlen und dabei den gleichen Fehler begehend, wie er über Jahrzehnte bei der Hormonersatztherapie gemacht wurde.

Auch soll in dem Buch nicht zu hundertsten Male überlegt werden, was die Ursachen der Gestosen oder was die beste Art der Beckenbodenrekonstruktion sei - vielmehr soll der Leser mit Basiswissen vertraut gemacht werden, das nicht nur für die Alterungsprävention, sondern auch für den Frauenarzt von morgen zunehmend Bedeutung erlangen wird. Denn um den Einfluss des Östradiols - ein Beispiel von vielen - auf den Stoffwechsel, die Wirkung des Progesterons in Immunreaktionen und den Stellenwert des Testosterons für das Gehirn zu verstehen, bedarf es des Wiederauffrischens von Wissen, das im Rahmen der Ausbildung zum Facharzt nicht angesprochen wird.

Einer immer kleiner werdenden Schar berufstätiger Menschen steht eine immer größere Anzahl von Bürgern in der zweiten Lebenshälfte gegenüber. Dies muss allerdings nicht unbedingt zu einer Überstrapazierung gesundheitlicher Ausgaben führen. Kürzlich wurde in einem renommierten Journal überzeugend demonstriert, dass langlebige, gesunde Menschen mehr oder weniger "nur" die gleichen Kosten verursachen, wie kranke Menschen mit einer wesentlich kürzeren Lebenszeit. Dass die Alterspyramide nach oben hin zunehmend ist, steht außer Zweifel. Wichtig wird es - nicht nur aus ökonomischen Gründen - alles zu unternehmen, um die zweite Lebenshälfte in ähnlicher Weise gesund und fit zu gestalten wie die erste. Dies ist auch Sinn der Altersprävention, der es nicht darum geht, das Leben mit Gewalt um einige Monate zu prolongieren, sondern die Lebensqualität zu heben und zu optimieren.

Allerdings wandelt sich in den Letzten Jahren das Fach der Frauenheilkunde immer mehr in ein Fach für die Frauengesundheit. Und auch hier soll das Buch versuchen, Anregungen zu geben, die uns für eine neue Frauenheilkunde hilfreich sein können. Denn es ist nicht zu erwarten, dass unser Fach so bleibt, wie es in den letzten Dekaden tradiert wurde.

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