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Allgemeinmedizin 13. Dezember 2005

Eine halbe Stunde Sport pro Tag senkt KHK-Risiko

Nur 1.000 Kilokalorien motorischer Mehrverbrauch pro Woche können bei Übergewichtigen die Mortalität um 20 bis 30 Prozent senken.

„Wie könnten wir besser vorbeugen als mit Gewichtsreduktion und Sport?“ fragte Dr. Kurt Leitner, niedergelassener Arzt für Allgemein- und Sportmedizin in Judenburg, am 36. Kongress für Allgemeinmedizin Ende November in Graz. Dieses Ziel kann mit Trainingstherapie erreicht werden. Und zwar durch positive Beeinflussung von körperlichen Funktionssystemen, um leistungsfähiger und widerstandsfähiger zu sein. Das betrifft das Herz-Kreislaufsystem, den Stoffwechsel und den Bewegungsapparat.
Wir leben in einer Zeit, in der eine große Fitnesslücke besteht, nämlich ein Missverhältnis zwischen biologischem Alterungsprozess und beschleunigtem Funktionsverlust. „Das Sterben findet dadurch wesentlich später statt als die Pflegebedürftigkeit“, erklärte Leitner den Zusammenhang.

Training steigert Kapillardichte

In der Sportmedizin wird das metabolische Syndrom als „Syndrom der fehlenden Muskulatur“ bezeichnet. Bei diesen Patienten wird der Körperfettanteil zur Beurteilung herangezogen. Die Kapillardichte in der Muskulatur korreliert 1:1 mit der Insulinresistenz. Körperliches Training steigert die Kapillardichte, die Insulinresistenz sinkt. Ein wichtiger, eigenständiger Risikofaktor, der mit dem metabolischen Syndrom zusammen vorkommt, ist der hohe Sympathikotonus. Hohe Herzfrequenzen gehen auf Kosten der Diastole. Ein Beispiel: Bei 70 Schlägen pro Minute dauert die Systole 0,26 Sekunden, die Diastole 0,28 Sekunden. Bei einer HF von 150 pro min dauert die Systole 0,20 Sekunden, die Diastole nur 0,15 Sekunden. „Beim vorgeschädigten Herzen kann dies zum akuten Problem werden, da die Füllung der Koronarien ausschließlich in der Diastole erfolgt“, erklärte der Sportmediziner.
Bereits 30 Minuten Ausdauertraining täglich reduzieren die Anzahl der Herzschläge pro Tag um 12.500. Eine halbe Stunde Sport pro Tag senkt das Risiko für einen Myokardinfarkt um 50, für eine Hypertonie um 30 Prozent. Ausdauertraining wirkt nachweislich protektiv hinsichtlich degenerativer kardiovaskulärer Erkrankungen, es senkt erhöhten Blutdruck und Blutfette, reduziert das Insultrisiko, verbessert die Stimmung und wirkt anxiolytisch, erhöht die Insulinsensitivität, hilft beim Stressabbau, verbessert die Endothelfunktion und steigert die Gedächtnisleistung. „Gäbe es ein Medikament, das all das kann, was Bewegung kann, dann wäre es ‚der’ Kassenschlager“, so Leitner. Durch Training bleibt nämlich „die metabolische, strukturelle und neuromuskuläre Anpassung des Skelettmuskels für den alternden oder inaktiven Menschen erhalten“. Ausdauertraining zahlt sich also in jedem Lebensalter aus.
Krafttraining im Alter dient vor allem dazu, die Wirbelsäule und die großen Gelenke zu stabilisieren. Es wirkt auch der Osteoporose entgegen. Der Kraftzuwachs kann bereits durch einfache Übungen erreicht werden, z.B. mit Hilfe einer instabilen Unterlage.
Ziel des medizinischen Ausdauertrainings sind: Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit, Senkung von Herzfrequenz und Blutdruck, Optimierung des Fett- und Kohlehydratstoffwechsels. Die Sportmedizin spricht dabei von der metabolischen Fitness. Entscheidend: Der aerobe Stoffwechsel funktioniert gut.

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