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© Nastia11 / Getty Images / iStock
Eine verbesserte Kommunikationsfähigkeit von Kindern könnte durch vieles Reden ihrer Mütter begründet sein.
 
Allgemeinmedizin 29. September 2017

Kinder lernen von gesprächigen Müttern

Handy. Wenn Schwangere häufig mobil telefonieren, müssen sie offenbar nicht befürchten, dadurch der Entwicklung des Kindes zu schaden. Sprachlich könnte der Nachwuchs sogar im Vorteil sein.

Die Angst, häufiger Handygebrauch in der Schwangerschaft könne mit der neurologischen Entwicklung des Ungeborenen interferieren, wird vor allem durch Tierexperimente genährt: Bei Ratten, die in utero Mobilfunkwellen ausgesetzt waren, wurden Veränderungen in den Konzentrationen von Neurotransmittern festgestellt.

Laut einer neuen Studie des norwegischen Instituts für das Gesundheitswesen scheinen entsprechende Sorgen bei Menschen aber unbegründet zu sein. Häufige Handygespräche im ersten Trimenon könnten sich danach sogar positiv auf Sprachkompetenz und motorische Fähigkeiten auswirken ( Papadopoulou E et al., BMC Public Health 2017; 17: 685 ).

Höhere Satzkomplexität Dreijähriger

Für die prospektive Untersuchung wurden mehr als 45.000 Mutter-Kind-Paare mit Geburt zwischen den Jahren 1999 und 2009 herangezogen. Die Mütter beurteilten die Häufigkeit ihres Handygebrauchs und beantworteten Fragebogen zur Entwicklung ihrer Kinder.

Bei 23 Prozent der Dreijährigen wurde die Satzkomplexität als niedriger eingestuft. Kinder von Handynutzerinnen (90 Prozent der Mütter) hatten – nach Abzug anderer bekannter Einflüsse – ein um 27 Prozent geringeres Risiko, dieser Gruppe anzugehören. Die Risikominderung war sogar dosisabhängig: Sie betrug 13 Prozent bei geringer, 22 Prozent bei mittlerer und 29 Prozent bei häufiger Handynutzung. Diese Assoziation war unabhängig von der Extravertiertheit der Mutter.

Ein ähnliches Bild ergab sich bei den motorischen Fähigkeiten der Dreijährigen: Das Risiko, dabei im untersten Terzil zu liegen, war bei Kindern von Handynutzerinnen im Schnitt um 18 Prozent und mit steigendem Mobiltelefongebrauch um 12 Prozent, 26 Prozent und 36 Prozent reduziert. Im Alter von fünf Jahren war allerdings kein Zusammenhang mehr zu erkennen.

Gesprächige Mutter als Ursache

Die Kommunikationsfähigkeit war dagegen weder im Alter von drei noch von fünf Jahren mit der Mobilfunknutzung der Mutter assoziiert. Ob häufige Gespräche am Mobiltelefon im ersten Trimenon tatsächlich die spätere Eloquenz des Nachwuchses fördern, lässt sich aufgrund der Studienanlage nicht beurteilen.

Plausibel wäre allerdings, dass häufiges Telefonieren nur ein Marker für besonders kommunikative Mütter ist, die eben auch mit ihrem Kind besonders viel sprechen. Für die Studienautoren um Dr. Eleni Papadopoulou beinhalten die Ergebnisse trotzdem eine gute Nachricht: „Sie liefern zumindest Belege, dass die Exposition gegenüber Mobilfunkwellen während der Schwangerschaft nicht mit einer ungünstigen neurologischen Entwicklung des Kindes assoziiert ist.“

Quelle: springermedizin.de

Beate Schumacher
, Ärzte Woche 40/2017

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