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Allgemeinmedizin 16. November 2005

Vorsorgeuntersuchung Neu: Start wieder verschoben

Die VU neu lässt weiter auf sich warten: Nachdem der 1. Jänner und der 1. April bereits nicht gehalten werden konnten, wurde nun auch der 1. Juli fallen gelassen. Als neuer Starttermin gilt der 1. Oktober 2005. Einzig in Tirol dürfen die Ärzte bereits in den kommenden Tagen ihren Patienten das neue Programm anbieten.

Mal ganz ehrlich: Die meisten Ärzte sind nicht unfroh über die weiteren Verzögerungen bei der Einführung des neuen Gesundenuntersuchungs-Programms, und sie haben genug Gründe dafür. Die e-card-Anbindung, die damit verbundenen Software-Umstellungen und die neuerlichen Änderungen des Erstattungskodex reichen bereits aus, um sie bis spät in die Nacht in ihren Ordinationen festzuhalten. Da braucht man weitere Neuerungen so dringend wie den sprichwörtlichen Kropf. „Wir werden derzeit von kurzfristigen administrativen Errun-genschaften richtiggehend erschlagen“, sagt Dr. Artur Wechselberger, Präsident der Ärztekammer für Tirol. In seiner Kammer hat man sich allerdings entschlossen, die Flucht nach vorne anzutreten und als einziges Bundesland bereits mit 1. Juli das neue VU-Programm anzubieten. Obwohl die Zeit knapp ist und die Vorbereitungen noch lange nicht abgeschlossen sind, habe man „beschlossen, es jetzt einfach anzugehen und uns nicht im Herbst damit abzustrampeln“. Im September und Oktober sollen sich die Tiroler Ärzte ganz und gar dem e-card-Roll-Out widmen können. Bis zum 30. September ist es ihnen allerdings freigestellt, entweder die Vorsorgeuntersuchung nach den Bedingungen und Kriterien des neuen Programms oder nach dem bisherigen Schema durchzuführen.
Die Formulare wurden bereits an die Ärzte versandt, Schulungen werde es im Sommer allerdings noch keine geben, sagt Wechselberger. Diese seien nur für Ärzte verpflichtend, die einen neuen VU-Vertrag bekommen – und von denen werde es in den nächsten Monaten vermutlich nicht so viele geben. Für die etablierten VU-Ärzte sei der Schulungsbedarf gering. „Das machen wir doch ohnedies schon jeden Tag. Nur ein absoluter Ignorant des ärztlichen Handelns glaubt, das ist was Neues“, so der ÄK-Präsident.

Honorarstreit in Vorarlberg

Während Tirol ins kalte Wasser springt, ist gleich um die Ecke in Vorarlberg die VU-Neu noch völlig offen. Die Gebietskrankenkasse hat sich hier geweigert, den Gesamtvertrag zwischen Hauptverband der Sozialversicherungsträger und Österreichischer Ärztekammer zu unterschreiben. Man streitet noch ums liebe Geld: Im Ländle liegt der Tarif für die Gesundenuntersuchung derzeit um einiges unter den im neuen Vertrag vereinbarten 75 Euro. Die Kasse will nicht mehr zahlen, die Ärztekammer drängt auf einen Abschluss zu den bundesweiten Konditionen.„Es kann nicht sein, dass die VGKK auf Kosten der Ärzte spart“, sagt der Vorarlberger Kammer-Präsident, MR Dr. Peter Wöß. Die Ärzte stehen jedenfalls Gewehr bei Fuß: Sobald es zu einer Einigung kommt, soll mit der VU-Neu begonnen werden. „Organisatorisch ist das bei uns kein Problem, da nahezu alle Ärzte eine EDV-Ausstattung haben“, sagt Wöß. Bis Ende Juni sollen auch noch zwei Informationsveranstaltungen stattfinden.

Schulung ist Kammersache

Die Durchführung von Schulungen ist Aufgabe der Ärztekammer. Für Ärzte, die erstmals einen VU-Vertrag bekommen, sind sie verpflichtend. „Ältere“ VU-Ärzte sollen diese als freiwillige Fortbildung mit Punkten machen können. Den Kick-Off gab es bei den Ärztetagen in Grado im Mai: In einer „Train the Trainer Veranstaltung“ wurden Vertreter der Landesärztekammern in die Grundlagen der VU-Neu eingeführt. Sie sollen das Know-How nun im Schneeballsystem weitergeben. Geht es nach den Wünschen des Hauptverbandes, dann sollte noch vor dem 1. Juli in jedem Bundesland mindestens eine Schulungsveranstaltung abgehalten werden. Ende August findet bei den Ärztetagen in Velden ein Workshop zu den Neuerungen aus „medizinischer, juristischer und organisatorischer Sicht“ statt. Zusätzlich ist derzeit auch eine VU-Online-Schulung im DFP-System in Konzeption.

Auch Oktobertermin wackelt

Doch nicht nur die Schulung ist noch in Arbeit. Auch sonst sind in den meisten Bundesländern nach wie vor viele Fragen offen, die erst von den Gebietskrankenkassen und den Landesärztekammern ausverhandelt werden müssen: So zum Beispiel die Aufsplittung des Gesamthonorars in die einzelnen Blöcke (Labor, Gynprogramm etc.) sowie die Modalitäten der Abrechnung und der Dokumentation. Letztere ist vor allem in Wien zu einem Casus belli geworden. Offiziell wurden hier die Verhandlungen deshalb auf Eis gelegt, weil der Hauptverband ab 2006 die gesamte VU elektronisch dokumentiert wissen will. Dazu heißt es in einem Rundbrief der Ärztekammer für Wien: „Wir haben dazu festgehalten, dass wir gerne bereit sind, dies zu tun, um so die epidemiologische Auswertung zu unterstützen, aber sicher nur dann, wenn dies über das e-card-System (welches ja dann ausnahmslos allen zur Verfügung stehen wird, egal ob mit oder ohne Ordinations-EDV) kostenlos von der Sozialversicherung angeboten wird. Dies ist leider derzeit nicht möglich bzw. fehlen die Umsetzungsstrategien.“ Die Sorge gilt dabei den Wahlärzten, bei denen die e-card-Anbindung erst später erfolgen wird.

VU-Formulare „alt“ sind aus

Insider meinen, dass auch der Starttermin im Oktober mehr als unsicher ist. In der Zwischenzeit berichten allerdings immer mehr Ärzte, dass ihnen die alten VU-Formulare ausgehen. Auch in den Gebietskrankenkassen sind die Vorräte bereits zur Neige gegangen, sie haben beim Hauptverband Nachlieferungen geordert. Dort steht man allerdings auf dem Standpunkt, dass die VU-Neu so rasch wie möglich umgesetzt werden sollte und man eigentlich keine neuen Druckaufträge für bald veraltete Formulare ausschreiben möchte. Bis zur Klärung dieses sozialversicherungsinternen Disputes heißt es für die Ärzte draußen in der Praxis: Formulare bitte kopieren!

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 26/2005

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