zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 23. November 2005

Baisse am Medikamentenmarkt

Die Gesundheitsministerin und der Hauptverband reiben sich die Hände: Ihr Arzneimittelsparpaket trägt erste Früchte. Pharmafirmen, Apotheken und Haus-apotheken führende Ärzte haben hingegen keinen Grund zur Freude: Sie kommen zunehmend in wirtschaftliche Turbulenzen.

Gut ein Jahr ist es her, dass die Gesundheitsministerin ihr Arzneimittelsparpaket präsentierte. 120 Millionen Euro sollten damit im Jahr 2004 eingespart werden, kündigte sie im November 2003 an. Der Zuwachs der Aufwendungen der Krankenkassen für Heilmittel sollte von zuletzt 6,6 Prozent auf einen „Korridor“ von drei bis vier Prozent reduziert werden. „Dieses Ziel haben wir erreicht“, freut sich Dr. Josef Probst vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Rund 100 Millionen Euro haben sich die Krankenkassen durch Preis- bzw. Spannenkürzungen der Pharmaindustrie, Apotheken und Hausapotheken im vergangenen Jahr erspart. Weitere 12 Millionen Euro sollen noch auf ihr Konto eintrudeln. So viel ist noch von den insgesamt 24 Millionen Euro ausständig, zu denen die Pharmafirmen unter dem Titel „Finanzierungssicherungsbeiträge und Be-arbeitungsgebühren“ verdonnert worden waren. Daneben mussten sie auch noch Preissenkungen durch die geänderte Verfahrensordnung hinnehmen. Die merkbaren Zuwächse bei den Generikaverschreibungen führten bei einigen Anbietern zu weiteren Umsatzeinbußen. Dazu kamen noch Veränderungen im Heilmittelverzeichnis und eine große Verunsicherung der Ärzte durch das Chefarztchaos zu Jahresbeginn. Kein Wunder, dass die Branche stöhnt. „Es sieht so aus, als ob die Rechnung der Regierung voll aufgeht“, sagt Dr. Jan Oliver Huber, Generalsekretär des Branchenverbandes Pharmig. Laut seinen Berechnungen mussten die Mitgliedsfirmen im Jänner ein Umsatzminus von sechs Prozent hinnehmen.

Pharmaindustrie erwartet nur geringes Plus

Der Hauptverband hat etwas andere Zahlen. Die pharmazeutische Gehaltskasse meldet für diesen Monat einen Rückgang der Heilmittelkosten von 2,01 Prozent. Im Februar wurde bereits wieder ein Plus von 3,56 Prozent registriert. Huber bleibt aber trotzdem pessimistisch: „Die fetten Jahre sind vorbei. Insgesamt rechnen wir 2005 mit nur geringen Umsatzzuwächsen von 0,3 Prozent.“ Vor allem kleine heimische Unternehmen seien durch die Sparpolitik existenziell bedroht, sagt er. Ein Rausschmiss von umsatzstarken Produkten aus dem Erstattungskodex bedeute für sie den Todesstoß, bekräftigt Dr. Martin Peithner, Pharmig-Vorstand und Geschäftsführer der Firmen Peithner und Austroplant. Unter den Generikaherstellern ist die Stimmung etwas besser, aber auch alles andere als euphorisch. Die anhaltende Spardiskussion habe zwar zu einem deutlich höheren Wachstum ihrer Umsätze geführt, aber „von den vielen Versprechungen der Gesundheitsministerin ist nicht viel übrig geblieben“, sagt Dr. Wolfgang Andiel, Obmann des Österreichischen Generikaverbandes. Was aus seiner Sicht vor allem fehlt, seien konkrete Anreize für Patienten, auf Nachfolgeprodukte umzusteigen, wie zum Beispiel eine geringere Rezeptgebühr. „Dieser Vorschlag war ursprünglich auch ein Bestandteil des Arzneimittelsparpakets, der aber nicht umgesetzt wurde“, erinnert Andiel.

Apothekerkammer in Sorge

Auch der Verkauf von Arzneimitteln war im Jahr 2004 weit weniger lukrativ als in der Vergangenheit. Die Apotheken beklagen, dass ihre Betriebsergebnisse um durchschnittlich 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken seien. Das habe etliche Pharma-zien in große Schwierigkeiten gebracht, resümiert die Apothekerkammer. Mit merkbaren Gewinnrückgängen müssten auch die Hausapo-theker rechnen, warnt der Wiener Unternehmensberater Harald Kuttner. Erste Steuererklärungen von Hausapotheken führenden Ärzten zeigten, dass diese 2004 im Schnitt eine Reduktion des Rohaufschlages von fast sechs Prozent hin-nehmen mussten. „Das ergibt Einbußen von bis zu 15.000 Euro pro Jahr“, sagt Kuttner.

Gewinnrückgang bei ­Hausapotheken

Dr. Otto Pjeta, Oberösterreichischer Ärztekammerpräsident und in der ÖÄK für Medikamentenangelegenheiten zuständig, hält diese ersten Schätzungen zwar für zu hoch gegriffen, räumt aber ein, dass Spannenkürzungen und ein erhöhter Generikaanteil die Hausapotheker wirtschaftlich getroffen hätten. Er rechnet mit Umsatzrückgängen von insgesamt etwa vier Millionen Euro. Das ist auch exakt jene Summe, die die Gesundheitsministerin in ihrem Sparpaket angepeilt hat. Wenig Hoffnung gibt es, dass der Druck wieder nachlassen könnte. Auch für die kommenden Jahre hat die Gesundheitsministerin ein klares Ziel formuliert: „Die Medikamentenkosten der Krankenkassen dürfen nicht mehr als 3 bis 4 Prozent wachsen.“

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 13/2005

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben