zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 16. November 2005

Frau Erika wirbt für Generika

Mit einer Informationskampagne wollen Generikaverband und Hauptverband für mehr Akzeptanz der Nachfolgepräparate bei den Patienten werben. Damit soll den Ärzten das Verschreiben leichter gemacht werden.

Manchmal helfen banale Vergleiche. „In Deutschland macht man aus Mehl, Milch und Eiern einen leckeren Pfannkuchen. Bei uns macht man mit denselben Zutaten g’schmackige Palatschinken. Schmeckt doch beides gleich gut“, sagt der Doktor, um seiner Patientin den Unterschied zwischen einem Originalmedikament und einem Generikum zu erklären. Frau Erika ist zufrieden. Sie mag ohnedies lieber Palatschinken. Diese und andere Geschichten aus dem Leben der Frau Erika werden derzeit gerade in Form von 600.000 Infoblättern und Postern an die Arztpraxen verteilt. DerÖsterreichische Generikaverband (OEGV) und der Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HV) hoffen, mit dieser Werbekampagne Unklarheiten über Nachfolgepräparate abbauen und Ängste beseitigen zu können.
„Die Aufklärung muss bei den Patienten ansetzen“, sagt Dr. Wolfgang Andiel, Obmann des OEGV. Comicgeschichten sollen helfen, dieses eher trockene und nicht ganz unkomplizierte Thema verständlich und humorvoll zu vermitteln. „Wir wollen damit die Patienten anregen“, so Andiel, „mit dem Arzt oder Apotheker über Generika zu sprechen.“„Generika sind wichtig, weil sie dem System sparen helfen und es damit auch leistungsfähiger machen“, betont Dr. Erich Laminger, Vorsitzender des HV. Sie seien ein wichtiger Baustein, um auch in Zukunft Innovationen finanzieren zu können. Das jährliche Einsparpotenzial durch Generika schätzt er auf etwa 100 Millionen Euro.

Generika auf Überholspur

Seit ein paar Jahren sind Nachfolgepräparate zweifelsohne auf der Überholspur. So stieg zwischen 2000 und 2004 der Generikaumsatz von 55 Millionen auf 126 Millionen. Der Marktanteil kletterte damit von 4,5 auf 7,8 Prozent. Nimmt man nur jene Medikamentengruppen als Maßstab, in denen es auch tatsächlich Nachfolgepräparate gibt, beträgt der Umsatzanteil bereits 30,9 Prozent. Das jüngste Arzneimittelsparpaket und die Umstellung auf den Erstattungskodex werden diesen Anteil im laufenden Jahr noch weiter vergrößern. Die Frage ist nur: Was passiert mit dem eingesparten Geld? Die Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen (Pharmig), die vor allem Originalhersteller vertritt, kritisiert, dass das „Sparschwein“ nicht für Innovationen verwendet wird. Seit Jahresbeginn seien nur sieben innovative Produkte in die „grüne Box“ des Erstattungskodex übernommen worden. 24 neue Präparate sind in der „Gelben Box“ gelandet. Für weitere 164 Originalmedikamente ist die Entscheidung über die Kassenfreiheit noch offen.
„Ich würde mich freuen, wenn das Geld wirklich in den medizinisch therapeutischen Fortschritt fließen würde. Derzeit wird es sicher in erster Linie für die Finanzierung der Kassendefizite herangezogen. Das ist nicht im Sinne des Erfinders“, sagt auch OEGV-Obmann Andiel. Originalpräparate und Generika seien Teile eines Kreislaufes. Während des Patentschutzes könnten in der Regel die Forschungs- und Entwicklungskosten eines Medikamentes mehrfach hereingespielt werden, sagt Andiel. Erst durch den Markteintritt von Generika und den damit verbundenen Preisverfall seien Firmen ausreichend motiviert, sich an die Erforschung neuer Medikamente zu machen.

Kritik an Verschreibregeln der Krankenkassen

Der Generalsekretär der Pharmig, Dr. Jan Oliver Huber, kritisiert hingegen, dass die Krankenkassen ihre Verschreibregeln oft erst lockern würden, wenn ein Nachfolgeprä-parat auf den Markt käme. Als Beispiel nannte er die Lipidsenker. Seit vor drei Jahren der Wirkstoff Simvastatin auch generisch verfügbar wurde, habe sich die Zahl der Verordnungen verdoppelt. „Das bedeutet ja wohl, dass hier die Hälfte der Patienten vor dem Markteintritt der Generika überhaupt nicht behandelt wurde. Haben die Krankenkassen also tausenden Patienten die Versorgung mit Blutfett senkenden Medikamenten verweigert, nur weil noch kein Generikum am Markt war?“ fragt Huber.
Dieser Schluss stimme so nicht, argumentiert Andiel. Die Anstiege bei den Lipidsenker-Verordnungen seien vor allem darauf zurückzuführen, dass um das Jahr 2000 große Studien abgeschlossen wurden, die erstmals eine lebensverlängernde Wirkung dieser Wirkstoffgruppen nachweisen konnten. Ziemlich zeitgleich seien auch Generika auf den Markt gekommen. Das habe dazu geführt, dass trotz der doppelt so hohen Menge die Kosten um ein Fünftel zurückgegangen seien.

Erstattungskodex ändern

Die Gesundheitsministerin wünscht sich jedenfalls weitere Steigerungen des Generikaanteils. Dazu, meint Andiel, sei es wichtig, dass die Patienten durch niedri-gere Zuzahlungen direkt davon profitierten. „Aber auch die Bedingungen des Erstattungskodex gehören geändert. Dass Generika derzeit in die rote Box müssen, die eigentlich für Innovationen gedacht ist, können wir nicht verstehen. Dadurch ergibt sich de facto eine Patentverlängerung für die Erstanbieter von rund einem halben Jahr. Und die neuen Preisregeln führen auch nicht gerade dazu, dass viele Indikationen für Generika interessant werden“, betonte Andiel.

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 43/2005

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben