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Allgemeinmedizin 10. November 2005

Punktgenaue Behandlung

Die maßgeschneiderte Dosierung von Medikamenten reduziert Nebenwirkungen und verringert Arzneimittelkosten: Das Krankenhaus der Elisabethinen in Linz setzt als erstes Spital Österreichs eine DNA-Analyse mittels Genchip zur Bestimmung der Wirkungsweise von Arzneimitteln ein.

Die genetischen Anlagen eines Patienten sind wichtige Faktoren zur Bestimmung der Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Medikaments. Eine individuell auf den Patienten abgestimmte Dosierung kann maximale Wirkung und minimale Nebenwirkungen erzielen.

Für die DNA-Analyse mittels des von Roche Diagnostics entwickelten AmpliChip® CYP450 genügt eine Blut- oder Speichelprobe des Patienten. Untersucht wird der genetische Typ, der für eine Enzymgruppe kodiert, die als Cytochrom P 450 bezeichnet wird. Diese Enzyme steuern in der Leber den oxidativen Metabolismus von Toxinen, Nährstoffen und bestimmten Medikamenten. Sie haben damit Einfluss auf die Wirkdauer und -intensität von rund einem Viertel aller Arzneimittel – hauptsächlich von Psychopharmaka und Kardiaka.

„Die Bestimmung des Genotyps erlaubt uns jetzt, den Patienten einer phänotypischen Gruppe zuzuordnen und eine für ihn individuelle Dosierung zu empfehlen“, erläutert Prim. Dr. Elisabeth Haschke-Becher, Leiterin des Instituts für medizinische und chemische Labordiagnostik im Linzer Krankenhaus der Elisabethinen. Je nach Genotyp werden langsame, eingeschränkte, extensive (normale) und ultraschnelle Metabolisierer unterschieden.

Der Stoffwechsel entscheidet

Ziel einer medikamentösen Therapie ist es, den Medikamentenspiegel im Blut zu erreichen, der sich möglichst lange im therapeutischen Fenster befindet, das heißt, jene Konzentration im Blut zu erzielen, die einerseits die bestmögliche Wirkung und andererseits das geringste Risiko an Nebenwirkungen hat. „Bei den langsamen Metabolisierern ist das Medikament ständig in zu hohen Konzentrationen im Blut vorhanden. Das macht das Auftreten von Nebenwirkungen sehr wahrscheinlich“, so Haschke-Becher. Bei eingeschränkten oder ultraschnellen Metabolisierern hingegen wird das Mittel zu rasch abgebaut und ausgeschieden – die Wirkung ist zu gering oder bleibt überhaupt aus.

Vor allem bei Patienten mit Bluthochdruck oder Depressionen erwartet man sich durch den Einsatz des Genchips gute Erfolge: Bis zur fachgerechten Behandlung einer diagnostizierten Depression vergehen durchschnittlich sieben Jahre. „Hier könnte durch das einfache und unkomplizierte Austesten des Patienten sowohl ein langer Leidensweg als auch sinnlose und hohe Kosten gespart werden“, meint Haschke-Becher. „Auch im Bereich von Bluthochdruck-Erkrankungen mit allen Folgekrankheiten ist es notwendig, noch schneller im Sinne der Patienten zu reagieren.“

Ökonomischer Aspekt

Das Ergebnis der DNA-Analyse liegt innerhalb eines Arbeitstages vor. Der Test kostet 700 Euro, die Kosten werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Im Rahmen einer engen Zusammenarbeit zwischen der Christian-Doppler-Klinik in Salzburg und dem Krankenhaus der Elisabethinen soll der ökonomische Aspekt der neuen Genchip-Technologie belegt werden. „Die Kosten für einen stationären Aufenthalt im Krankenhaus sind enorm und könnten zum Teil drastisch reduziert werden“, merkt Prim. Prof. Dr. Gunther Ladurner, Ärztlicher Leiter der Christian-Doppler-Klinik, an. „Der Patient profitiert bei der richtigen Medikamentendosierung von Anfang an von einem raschen Behandlungserfolg und einem kürzeren Spitalsaufenthalt.“

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