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Allgemeinmedizin 3. November 2005

So berechnen Sie Ihre persönliche Lebenserwartung

Rund 120 Jahre könnte der Mensch leben, sagen ExpertInnen. Darauf sei unser genetisches Programm determiniert. Die heutige mittlere Lebens-erwartung liegt dagegen für Frauen in Österreich bei 81,7 Jahren und für Männer bei 75,8 Jahren.

„Könnten wir Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Schlaganfall und Diabetes beherrschen, würden wir unsere heutige durchschnitt-liche Lebenserwartung um bis zu 45 Jahre überschreiten können“, erläuterte Prof. Dr. Georg Wick, experimenteller Pathophysiologe und Immunologe sowie Präsident des Wissenschaftsfonds (FWF) kürzlich im Rahmen eines Vortrages im Wiener Billrothhaus. Trotzdem erreicht heute, auch wenn die Zahl der 100-Jährigen ansteigt, niemand sein „genetisch vorprogrammiertes“ Alter von 125 Jahren. Auch das Altern des Menschen konnte bis dato noch nicht aufgehalten oder gar rückgängig gemacht werden. „Die Fragen, die sich die Gerontologie stellt, sind: Warum altern wir? Warum leben wir so lange, wie wir leben? Wa-rum sterben wir?“ umriss Wick das Thema.

Insgesamt macht die genetische Disposition 30 Prozent der Lebenserwartung aus, medizinisch gute Betreuung ist für zehn Prozent verantwortlich, Lifestyle zu 37 Prozent und sonstige Umweltfaktoren zu 24 Prozent. „Dies bedeutet, dass wir doch einen ziemlich großen Prozentsatz unseres Alterungsprozesses, nämlich rund 70 Prozent, beeinflussen können“, überzeugt. Und stellte seine Überzeugung anhand von 20 Fragen unter Beweis, die es jeder und jedem selbst ermöglichen sollen, seine bzw. ihre Lebenserwartung quasi „zu berechnen“ (Kasten).

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Besseres Immunsystem

Für fast alle Fragen fand Wick Antworten aus dem immunologischen Bereich. So gibt es für den Faktor „Frau sein“ gleich vier Pluspunkte, was damit zu erklären ist, dass Frauen ein besseres Immunsystem haben. Auf mehr Stress führt Wick eine verkürzte Lebenserwartung von Menschen zurück, die in großen Städten leben. „Leute, die viel Stress haben, weisen erhöhte Glukokortikoidhormonspiegel auf. Diese wirken supprimierend auf das Immunsystem und machen den Menschen krankheitsanfälliger“, so Wick. Langlebigkeit in der Familie spricht für eine entsprechende genetische Disposition, was die Frage nach dem Alter der Großeltern erklärt.„Beschäftigung hält jung“, erklärte Wick ein Phänomen nicht immunologisch, sondern einfach mit der Tatsache, dass geistige Unterforderung Menschen schneller altern lässt.

Use it or loose it

Auch die Partnerschaft spielt im Alter eine Rolle. Wer mit einem Partner lebt, wer im Alter Sex hat, ist weniger krankheitsanfällig. „Bei Männern tragen etwa regelmäßige Ejakulationen dazu bei, dass jene Wachstumsfaktoren, die für die benigne Prostatahyperplasie und in weiterer Folge für die Entwicklung von Prostatakrebs zuständig sind, abtransportiert werden“, erläuterte Wick. Bewegung und Sport sorgen schließlich für eine Senkung des pro-inflammatorischen Zytokins Gamma-Interferon. Dieses Zytokin spielt bei der Ausbildung der Alzheimerschen Erkrankung eine wesentliche Rolle. Auch glücklich oder unglücklich, gestresst oder entspannt sein, wirken sich auf die Produktion von pro- bzw. antiinflammatorischen Zytokinen aus, die dann wieder einen Einfluss auf die Ausbildung von Erkrankungen aufweisen.

Optimistisch nach vorne sehen

Natürlich haben auch Übergewicht und Zigarettenrauchen massive Einflüsse auf die Ausbildung von Erkrankungen und die Lebenserwartung. Nicht zuletzt ist aber auch der Faktor „Risikobereitschaft“ wesentlich für die Erreichung eines „biblischen Alters“ – was die Frage nach dem Strafmandat (siehe Frage 16) erklärt. Insgesamt entwarf Wick ein optimistisches Bild des Alterns: Dazu gehört, sich um seinen Körper zu kümmern, aber auch um seinen Geist. „Dazu gehört aber auch, dass man im Alter mehr übt, sich mehr anstrengt, weiter Wissen erwirbt und sich erreichbare Ziele setzt.“

Sabine Fisch, Ärzte Woche 24/2005

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