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Allgemeinmedizin 25. September 2005

Thema Cholesterin: Das ist State-of-the Art!

An Stelle des bisher üblichen Bodymassindex sollte die Messung des Bauchumfanges als besseres Maß der Adipositas treten. "Da muss der Patient nicht rechnen und hat sofort einen konkreten Anhalt für das Ausmaß seiner kardiovaskulären Risikos", meinte Prof. Dr. Helmut Sinzinger, Universitätsklinik für Nuklearmedizin Wien, bei der "State of the Art"-Veranstaltung "Cholesterin". Der Bauchumfang sollte bei Männern unter 100, bei Frauen unter 90 cm liegen. Seine Reduktion um einen Zentimeter bedeutet eine Risikoreduktion um 3 Prozent, denn Adipositas bedeutet auch erhöhte Cholesterinwerte. Die Grundlage zur Erhöhung der Lipidwerte wird schon in der Kindheit gelegt, bei Jugendlichen sind oft bereits atherosklerotische Plaques nachweisbar. "Normale Cholesterinwerte bei Kindern und Jugendlichen hingegen schließen das Bestehen einer familiären Hypercholesterinämie nicht aus, da diese sich oft erst später manifestiert", ergänzte Prof. Dr. Heinz Weber, Kaiser-Franz-Josef-Spital Wien.

Cholesterinwert unter 200 

Bereits in der letzten Fassung des Cholesterin-Statements, dem 1. Austrian Cholesterin Consensus (ACC) aus dem Jahr 1995, wurden die Zielwerte des Fettstoffwechsels exakt definiert. "Österreich hat jedoch als einziges Land bereits die richtigen Zahlen ‚erraten’", hält Sinzinger ausdrücklich fest. 
Die Basisinhalte konnten daher auch im jetzt neuen 2. ACC 2002 unverändert bleiben: der Gesamtcholesterinwert sollte ab dem 20. Lebensjahr unter 200 mg/dl, das LDL-Cholesterin unter 130 mg/dl liegen. Daraus ergibt sich ein Normalwert des Quotienten Gesamtcholesterin : HDL-Cholesterin von unter 4, der keinesfalls den Wert 5 erreichen sollte. 
Bei Kindern und Jugendlichen ergeben sich altersabhängig physiologische Schwankungen, jedoch bleiben Risikogruppen von Jugendlichen bis ins Erwachsenenalter ident. Speziell der als Risikoparameter für Herz-Gefäß-Ereignisse angeführte Quotient wurde bestätigt und hat weiterhin die höchste Aussagekraft.

Nicht beeinflussbare Risiken

Das neue Statement gilt als Erweiterung und Ergänzung des vorangegangenen. Es soll helfen, die noch immer große Differenz zwischen Zielwert und praktischer Umsetzung zu verkleinern. "Bei schneller Senkung eines hohen Cholesterinspiegels ist es ja durchaus möglich, innerhalb von 3 bis 6 Monaten eine Rückbildung bereits entstandener atherosklerotischer Plaques zu erzielen", betonte Prof. Dr. Herbert C. Stary, Louisiana State University, USA.
Allerdings gibt es nicht beeinflussbare Risikofaktoren wie positive Familienanamnese, Geschlecht, zunehmendes Alter (jährlicher Anstieg 1 ms/dl) und erhöhte Lipoprotein-a-Konzentration (oft assoziiert mit Thromboseneigung). Bei erhöhtem Lp(a) muss eine LDL-Erhöhung besonders rigoros behandelt werden.

Prävention: primär, sekundär

Beeinflussbar hingegen sind erhöhte Cholesterinkonzentrationen beim Metabolischen Syndrom, bei Hypertonie, Diabetes mellitus und Übergewicht. Erhöhte Konzentrationen von CRP, Fibrinogen und Homozystein können medikamentös behandelt werden, auch mit dem Rauchen aufzuhören hat oberste Priorität. 
Die Primärprävention nützt jedem, sie sollte schon im Kindesalter beginnen. Sekundärprävention ist vor allem für die älteren Patienten wichtig, sie nutzt auch noch den 80-Jährigen. "Risikoabschätzung bestimmt die Therapie", formulierte Prof. Dr. Franz Weidinger, Universitätsklinik für Innere Medizin Innsbruck, abschließend.

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