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Allgemeinmedizin 31. August 2005

Praktische Problembewältigung im Finalstadium

Zum Beschwerdebild im Finalstadium zählen oft Atemnot in Ruhe, Schmerzen durch Decubitalulzera und Juckreiz durch trockene Haut. Auch Schwan-kungen im Flüssigkeitshaushalt des schwerstkranken Patienten können zu Missempfindungen führen.

Atemnot entsteht oft aufgrund einer respiratorischen oder kardialen Insuffizienz bzw. durch Atembehinderungen im Rahmen onkologischer oder infektiöser Erkrankungen. Auch allgemeine Erschöpfung und Schwäche der Atemmuskulatur tragen zur Entwicklung einer Hypoxämie bei. Druckulzera bilden sich bei der Auflage der Prädilektionsstellen auf der normalen Matratze, wenn die Gewebedurchblutung aufgrund herabgesetzter Hämodynamik stark beeinträchtigt ist. Die Läsionen können starke Schmerzen verursachen, bilden einen idealen Nährboden für Infektionen und reichen oft mit Nekrose- und Fis­telbildung bis zum darunter liegenden Knochen. Ursachen für Juckreiz sind trockene Haut, Infektionen und Irritationen der Haut, Arzneimittel-Nebenwirkungen, toxikologische, metabolische und endokrinologische Einflüsse. Erleichterung bietet eine lokale oder systemische antipruriginöse Therapie.

Maßnahmen bei Atemnot:

• Sauerstoff-Insufflation
• Antientzündliche Therapie
• Antiobstruktive Therapie
• Morphin-Gabe zur Linderung der subjektiven Atemnot
• Lokale Interventionen (Stent, Laser) bei morphologischer Atembehinderung, z.B. Tumorstenose
Linderung von Druckulzera:
• Druckentlastung (Spezialmatratze, regelmäßig Lagerungswechsel)
• Nekroseentfernung
• Therapie von Lokalinfektionen
• Wundverband entsprechend Ulkustiefe
• Minimierung von Risikofaktoren (Hydrierung, Transfusion, Sauerstoffzufuhr, Ernährung)
Erleichterung von Juckreiz:
• Vermeiden von Hautreizungen
• Medizinalöle (Balneum hermal)
• Rehydrierung
• Kontrolle der verordneten Medikamente
• Milde kühlende Kompressen
• Topische Lotionen (Calamin-Lotion, Crotamiton (Eurax))
• Antihistaminika (Atarax, Sinequan, Phenergan, Zyrtec, Aerius)
• Glukokortikoide

Hydratation

Größere Schwankungen im Flüssigkeitsgleichgewicht des Körpers sorgen für sehr unangenehme Missempfindungen, wie Durst bei ausgeprägter Exsikkose oder Atemnot bei Lungenödem. Bevor massive Eingriffe in den Flüssigkeitshaushalt erfolgen, sollten fünf Punkte geklärt werden:

1. Ursachen für die Änderungen des Wasserhaushaltes
2. Beurteilung des Hydratationszustandes (Flüssigkeitsbilanz, Harnvolumen, klinische Zeichen, Symptome wie Durst, Mundtrockenheit, erhöhte Müdigkeit, kognitive Störungen, Myoklonien, Nausea, Fieberzustand, vermehrtes Auftreten von Dekubitus und Ob­stipation), Labor (Plasmaproteine, Hämatokrit, Natrium, Harnstoff und Kreatinin)
3. Verabreichungsarten von Flüssigkeit (p.o., s.c., i.v.)
4. Verwendete Lösungen
5. Volumen und Überwachung (Bilanzierung)
Bei Patienten, die nicht trinken können, subkutane Hydratation ablehnen und mit Opioiden behandelt werden, sollte die Opioid-Dosierung und -frequenz allmählich reduziert werden. Bei Anzeichen von Toxizität ist das Opiat zu wechseln. Dr. Wolfgang Steflitschn

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