zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 31. August 2005

Wie lange habe ich noch zu leben?

Um die Überlebenszeit ihrer Patienten besser einschätzen zu können, untersuchten Onkologen die Treffsicherheit des palliativen Prognosescores.

In den 90er-Jahren wurde der palliative Prognosescore PaP entwickelt. Der Score kombiniert den Allgemeinzustand, die Symptome und den hämatologischen Status onkologischer Patienten mit der vom Arzt geschätzten Überlebenszeit, um so die kurzzeitige Überlebenswahrscheinlichkeit als hoch (mehr als 70-prozentige Chance, einen Monat zu überleben), mittel (30- bis 70-prozentige Chance, einen Monat zu überleben) oder gering (weniger als 30-prozentige Chance, einen Monat zu überleben) einzustufen. Die Genauigkeit der Vorhersage soll dabei unabhängig vom Primärtumor sein.

Studie mit 100 Patienten im Terminalstadium

Eingeschlossen in die Studie von Glare PA et al. wurden 100 Patienten mit einem fortgeschrittenen oder nicht mehr kurativ zu behandelnden Karzinom. Die Patienten waren „austherapiert“ oder erhielten noch palliative Therapien. Alle Teilnehmer wurden zu Beginn der Studie hinsichtlich ihres Ernährungsverhaltens, ihrer körperlichen Aktivität und aktueller hämatologischer Daten befragt. Anschließend wagten die Onkologen aufgrund ihrer Erfahrungen mit vorherigen Patienten eine Vorhersage die Überlebenszeit betreffend. Zunächst sollten sie schätzen, ob die Überlebenszeit über oder unter drei Monaten liegen würde. Bei den Fällen, bei denen sie von weniger als drei Monaten ausgingen, sollte die Prognose in 2-Wochen-Intervallen bis zu maximal zwölf Wochen festgelegt werden. Außerdem wurden die Patienten in die drei PaP-Gruppen eingeteilt: hohe (A, n = 64), mittlere (B, n = 32) und geringe (C, n = 4) Wahrscheinlichkeit, mehr als einen Monat zu überleben. Der Onkologe wurde über diese Werte nicht in Kenntnis gesetzt.

en mit hoch signifikanten Unterschieden

Das mediane Überleben aller Teilnehmer lag bei zwölf Wochen, 83 Prozent der Patienten lebten noch nach einem Monat, 26 Prozent noch nach sechs Monaten. Das mediane Überleben in den drei PaP-Gruppen lag bei 17, bei sieben beziehungsweise weniger als einer Woche. Diese Unterschiede waren hochsignifikant (p kleiner 0,0001). 97 Prozent der Patienten in Gruppe A, 59 Prozent in Gruppe B und 25 Prozent in Gruppe C lebten noch nach einem Monat. Im Bereich der Überlebenswahrscheinlichkeit von einem Monat war die Fehlerquote am geringsten: Bei sieben von zehn Patienten lag der PaP-Score hier richtig. Fazit: Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass Onkologen bisher ungefähre Angaben in der Größenordnung von einem bis drei Monaten machen konnten, die sich mit Hilfe des PaP-Scores nun präzisieren lassen. Diese exaktere Prognose erleichtert es den Patienten, für die verbleibende Zeit zu planen. Den Onkologen wiederum mag es helfen bei der Wahl einer dem Zustand des Patienten angemessenen Therapie. Vielleicht erleichtert es ihnen auch bei einer erwarteten sehr kurzen Überlebenszeit auf weitere Therapien zu verzichten.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben