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Allgemeinmedizin 16. November 2005

Hauskrankenpflege im Schattenreich

Immer mehr alte Menschen müssen gepflegt werden. Viele wünschen sich, dass dies in ihren eigenen vier Wänden passiert. Doch die Zuständigkeiten für diese Betreuungsform sind nach wie vor verschleiert.

Die medizinische Hauskranken-pflege ist tot. Mitte der 90-er Jahre als vielversprechende neue Leistung der Krankenkassen gefeiert, fristet sie nun ein Exotendasein. Der Gesamtvertrag ist ausgelaufen und niemand – weder Krankenkasse noch Ärzte – scheinen ein großes Inter-esse an einer Neuauflage zu haben. Ganze 571 Mal wurde eine medizinische Hauskrankenpflege laut Statistik des Hauptverbandes im Jahr 2002 noch „eingeleitet“. Zu bürokratisch, meinen die Ärzte, sei die Antragstellung gewesen. Der Koordinationszuschlag habe den administrativen Aufwand in keiner Weise abgedeckt. In der Praxis läuft es nun so: Die Pflege und Betreuung wird von Familienangehörigen, Sozialeinrichtungen oder auch privaten Pflegepersonen aus den benachbarten Ostländern übernommen. Im Krank-heitsfall kommt der Hausarzt auf Hausbesuch oder die Patienten werden ins Spital eingeliefert. Der Bedarf einer Koordination ist jedoch evident, wie alle Beteiligten immer wieder betonen. „Keine der involvierten Organisationen sagt, dass sie dafür auch Geld in die Hand nehmen möchte“, informiert Dr. Rolf Jens, Vorsitzender der Sektion Allgemeinmedizin in der Ärztekammer für Wien, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema „Schnittstellenmanagement“ beschäftigt. „Wir brauchen herausen Ressourcen, um die Spitäler zu entlasten.“ Die Ärzte seien traditionellerweise die erste Anlaufstelle für Menschen in problematischen Lebenssituationen. Darum wäre es sinnvoll, wenn sie auch diese Koordination übernehmen würden. Es müsste sie nur jemand dazu beauftragen und diese Tätigkeit auch anständig bezahlen, meint Jens. Doch auch andere Berufsgruppen bewerben sich um dieses „Care Management“. In einzelnen Projekten, z.B. „medtogether“ oder die „PatientInnen-orientierte integrierte Krankenbetreuung“ in Wien, sieht man bereits sehr positive Ergebnisse bei der Überbrückung der Kluft zwischen Krankenhaus und ambulanter Versorgung.

Aus Schnittstellen Nahtstellen machen

Kommt Ihnen das bekannt vor? Eine Patientin wird aus dem Spital entlassen und niemand findet es der Mühe wert, ihren Hausarzt zu informieren. Oft herrscht eisiges Schweigen zwischen Spitälern und niedergelassenen Ärzten. Seit einigen Jahren wird aber in diversen Einzelprojekten versucht, das Kommunikationsloch zwischen stationärem und ambulantem Sektor zu schließen. Die Devise lautet: „Aus Schnittstellen Nahtstellen machen.“ Kürzlich wurde im Gesundheitsministerium das Ergebnis des österreichweiten Projektes „medtogether“ präsentiert. „Das war der größte und letzte Versuch zum Thema Schnittstellenmanagement. Er hat aber tatsächlich konkrete Ergebnisse gebracht“, betonte der zuständige Sektionschef, DI Harald Gaugg. Als zentraler Lösungsansatz wurde formuliert: Jedes Spital soll einen Schnittstellenkoordinator bekommen, und diese Leistung müsse auch entsprechend abgerechnet werden. Bund und Länder wurden aufgefordert, die Umsetzung verbindlich zu vereinbaren. In der Praxis gibt es schon einige sehr positive Beispiele, wie vor allem das Entlassungsmanagement besser funktionieren kann. In der Steiermark hat es die Gebietskrankenkasse übernommen, einen so genannten „Versorgungskoordinator“ in die Spitäler zu schicken (siehe Kasten rechts). In Wien läuft seit einiger Zeit das Modellprojekt „PatientInnen-orientierte integrierte Krankenbetreuung – pik“, deren Endergebnisse in einigen Wochen präsentiert werden sollen. Gemeinde Wien, Krankenanstaltenverbund und Gebietskrankenkasse arbeiten darin an der Überwindung der Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. „Unser Projekt ist in der Umsetzung schon sehr weit und kann demnächst in den Regelbetrieb übernommen werden“, sagt Mag. Jan Pazourek, Sprecher der Wiener GKK, und fügt mit einem kleinen Seitenhieb auf das bereits gescheiterte Agenturmodell der ÖVP hinzu: „Das Bündeln von Finanzierungsströmen reicht jedoch nicht zur Lösung der Schnittstellenproblematik aus.“

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 37/2004

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