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Allgemeinmedizin 16. November 2005

Transparenz mit großen Lücken

Die ersten Aussendungen der Gebietskrankenkassen verärgerten Ärzte und auch Versicherte. Die Kritikpunke: keine vollständige Leistungsübersicht und mitunter schlicht falsche Zahlen.

Laut einer aktuellen Studie der Universität Graz wünschen sich 77 Prozent der Personen, die Leistungen des Gesundheitswesens in Anspruch nehmen, regelmäßige Aufstellungen darüber. Im Jahr 2000 wurde in einer Novelle des Sozialrechts festgelegt, dass die Sozialversicherungen ihre Versicherten mindestens einmal im Kalenderjahr über die Kosten der von ihnen in Anspruch genommenen Leistungen informieren müssen. Unter der Federführung der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse wurde dann mit der Umsetzung dieses Auftrags gestartet. Anfang August 2004 war es soweit: Die Gebietskrankenkassen begannen mit den entsprechenden Aussendungen. Aufgelistet werden in den Schreiben die Kosten ärztlicher Leistungen, von Medikamenten und – regional unterschiedlich – auch von Krankentransporten, Heilbehelfen, Hilfsmitteln und Kuraufenthalten. So sind beispielsweise auch die Kosten enthalten, die ein Labortest verursacht hat oder wie viel die Leistung des Bandagisten wert war. Der Versand erfolgt in mehreren Wellen bis November. Allein in Oberösterreich werden 900.000 Informationsblätter versandt, ohne Personalaufwand kostet das Projekt dort rund 525.000 Euro. In Kärnten werden ca. 350.000 Euro in die Leistungsinformationen investiert. Beim Projekt sind schon zu Beginn Schwierigkeiten aufgetreten: So wurden in Niederösterreich durch einen Rechenfehler viel zu hohe Zahlen im Bereich der Zahnmedizin angegeben. Die GKK des Landes versucht derzeit, diesen Fehler wieder auszubügeln. Aber unmittelbar nach dem Versand der ersten Informationen gab es auch an den anderen Zahlen Kritik. „Besonderheiten der Beziehungen zu den Vertragspartnern und der Leistungsabrechnung bringen es mit sich, dass die Leistungsinformationen nicht immer vollständig sein können“, heißt es dazu etwas kryptisch in einer Aussendung in Oberösterreich.

Worüber die Patienten nicht informiert werden

Das beginnt damit, dass keine Angaben über jene Kosten enthalten sind, die beim Besuch von Wahlärzten oder im Spital verursacht wurden. Dies gilt auch generell für Vorsorgeuntersuchungen und den Mutter-Kind-Pass. Gerade auch bei den Kostenangaben in Bezug auf limitierte Leistungen wurde – so betonen Kritiker – nicht immer sauber gerechnet. „Die Patienten werden über Kosten informiert, die die Kasse gar nicht bezahlt hat“, kritisiert Dr. Roland Merich, Vizepräsident der Ärztekammer für Niederösterreich. Das Limit für EKGs liegt dort bei 120, für weitere gibt es weniger oder gar kein Geld von der Kasse. „In vielen Abrechnungen scheint trotzdem der volle Betrag auf, auch wenn der Arzt nichts bekommen hat“, ergänzt Merich. „Es sieht so aus, als wolle die Kasse mit diesen Leistungsinformationen nur pro forma einen Gesetzesauftrag erfüllen, nicht aber dem Zweck des Gesetzes nachkommen, nämlich Kostenbewusstsein bei der Bevölkerung zu schaffen“, kommentiert Dr. Walter Arnberger, Vizepräsident der Ärztekammer für Salzburg. Dies sei auf jeden Fall verbesserungswürdig.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher

„Auch auf Ausgaben der Ärzte hinweisen“

Standpunkt von Dr. Otto Pjeta, Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich

Transparenz im Gesundheitswesen ist selbstverständlich wünschenswert. Informationen über verursachte Ausgaben dürfen durchaus auch etwas kosten. Sie erleichtern die Diskussionen im Gesundheitswesen, was wie viel wert ist und wo Schwer-punkte gesetzt werden sollen. Aber es sollen dabei korrekte Zahlen geliefert werden: Solange Angaben über Spitals- und Ambulanzkosten gänzlich fehlen, macht die Aktion der Gebietskrankenkassen nicht wirklich Sinn. In Oberösterreich wurde bei den Kosten in Bezug auf limitierte Leistungen nach unserem derzeitigen Informationsstand relativ genau gerechnet; aufgrund der sehr genauen leistungsorientierten Abrechnungen aus den Spitälern wäre das sicher auch für diesen zentralen Bereich leicht machbar. Echte Transparenz würde für mich auch bedeuten, auf jene Ausgaben hinzuweisen, die auf einen Arzt regelmäßig zukommen, also etwa für Ausstattung, Personal, Weiterbildung, Qualitätssicherung usw. So entsteht der falsche Eindruck, als würde der gesamte Betrag netto in der Geldbörse des Arztes landen.

„Leistungsinformationen vermitteln falsches Bild“

Standpunkt von Dr. Othmar Hass, Präsident der Ärztekammer für Kärnten

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn Versicherte über die Kosten, die sie im Gesundheitswesen verursachen, informiert werden. Doch die Ausführung ist so mangelhaft, dass die Aktion als misslungen bezeichnet werden muss. Da Angaben über den Spitalsbereich fehlen, können die Versicherten nicht vergleichen, was ähnliche Leistungen im niedergelassenen Bereich kosten. Aber gerade dieser Vergleich wäre gesundheitspolitisch sehr wichtig. Noch dazu gibt die GKK für einige ärztliche Leistungen viel höhere Summen an, als bezahlt wurden. Zum Beispiel wird Internisten nur ein Fünftel der Ultraschalluntersuchungen des Oberbauchs vergütet. Aus Sicht der Ärzteschaft entsteht jedenfalls der Eindruck, als gehe es der Kasse eher darum, billige Neidgefühle gegenüber der Ärzteschaft zu schüren und nicht um korrekte Informationen.

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