zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 24. August 2005

„Hauptverband zeigte kein Verständnis“

Die European Health Insurance Card (EHIC) hat ganz erhebliche Auswirkungen auf die Versorgung in Tourismusregionen, insbesondere in den Schigebieten. Das hat die Ärztekammer auch versucht in einer Arbeitsgruppe dem Hauptverband zu erklären. Dort gab es dafür aber überhaupt kein Verständnis. Unser Problem ist, dass die Infrastruktur in den Schifahrtälern so aufgebaut ist, dass die wenigen einheimischen GKK-Patienten mit der Masse der Touristen mitlaufen. Die Gipsbeine versorgen in erster Linie die Allgemeinmediziner, die top ausgebaute Ordinationen mit allen technischen Raffinessen haben. Die privaten Krankenanstalten können der EU-Versicherungskarte hingegen gelassen entgegensehen, weil sie gar keine Kassenverträge haben und die Touristen jedenfalls Privathonorare zahlen müssen. Aber die niedergelassenen Vertragsärzte, deren GKK-Patienten von der guten Ausstattung mitprofitieren, zahlen natürlich extrem drauf. Bisher hat bei einem Unfall so gut wie niemand sein Formular E 111 bei der Gebietskrankenkasse eingetauscht, und die Privathonorare unterscheiden sich erheblich von den Kassentarifen. Jetzt kommen alle in die Situation, zu extrem niedrigen Tarifen behandeln zu müssen, bei denen sie die ganze Struktur nicht mehr vorhalten können. Noch dazu werden Verwaltungsaufgaben, wie beispielsweise die Prüfung auf eine gültige Anspruchsberechtigung, einfach auf den Vertragsarzt überwälzt. In der Kammer haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, aber da konnte man wenig machen, denn das wurde uns von der EU aufs Aug gedrückt. Der Aufruhr in der Kollegenschaft ist meiner Ansicht nach berechtigt, weil hier seitens der EU sehr diktatorisch vorgegangen wurde.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben