zur Navigation zum Inhalt
© Bayerisches Landesamt für Gesundheitund Lebensmittelsicherheit
Prof. Dr. Caroline Herr, Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin, Praktische Ärztin, Reisemedizin und Professorin für Hygiene und Umweltmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Hygie
 
Textanzeige 20. September 2016

Fortbildung: Ärzten das nötige Rüstzeug mitgeben

Mobilfunk. Große Teile der Bevölkerung sind nach wie vor in Sorge, dass Mobilfunk Gesundheitsschäden hervorrufen könnte. Um diese Vorbehalte besser verstehen und abbauen zu können, bietet ein Fortbildungsprogramm speziell für Ärzte ein vertieftes Wissen auf diesem Gebiet.

Ist es gefährlich, dauernd mit dem Smartphone zu telefonieren? Kann man von elektromagnetischen Strahlen krank werden? Bei schlecht informierten Patienten können derartige Ängste schlimmstenfalls zur Ausbildung realer Symptome wie Schlafstörungen führen, was vom Patienten dann prompt auf „Elektrosmog“ zurückgeführt wird. Verursacher dieser sogenannten Elektrohypersensibilität (EHS) ist allerdings nicht der Mobilfunk, sondern die Angst davor, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihrem Fact Sheet 296 betont.

Erster Ansprechpartner bei derartigen Befürchtungen gesundheitlicher Beschwerden sind häufig Allgemeinmediziner. Doch war hier in den letzten Jahren zu erkennen, dass auch Ärzte bei der Beurteilung der gesundheitlichen Relevanz elektromagnetischer Felder verunsichert sein können, wie eine Studie der Universität Bielefeld zeigte: Demnach überschätzte fast ein Drittel der 435 befragten Hausärzte das Risikopotenzial elektromagnetischer Felder1. Zurückgeführt wird dies auf die häufig sehr spekulative Berichterstattung in den Medien, die in den allermeisten Fällen den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand nur mangelhaft wiedergeben, wie eine weitere Analyse ergab2. Viele Ärzte wollen sich daher selbst aktiv zum Thema Mobilfunk und Gesundheit weiterbilden.

Zertifizierte Fortbildung

Um entsprechende Patientensorgen besser zu verstehen und abzubauen, steht österreichischen Ärzten nun das Ärztefortbildungsprogramm „Mobilfunk aus Sicht von Arzt und Patient“ zu Verfügung. Dieses Modul wurde ursprünglich von der Ärztekammer Berlin zertifiziert, nun vom Forum Mobilkommunikation (FMK) übernommen und in dessen Auftrag von der Deutschen Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) aktualisiert. „Ziel der Fortbildungsmaßnahme ist es, die als EHS interpretierten Beschwerden in einen Gesamtkontext der jeweiligen Umweltfaktoren einzuordnen und dem Patienten geeignete diagnostische und therapeutische Maßnahmen zukommen zu lassen“, so die Umweltmedizinerin und GHUP-Präsidentin Prof. Dr. Caroline Herr. „Die Teilnehmer sollen nach Ablegen der Fortbildung in der Lage sein, eine Risikobewertung für ihre Patienten durchzuführen.“

Die Lerninhalte vermitteln den aktuellen, international anerkannten Wissensstand der WHO bezüglich der biologischen Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder (HF) und geben eine Einführung in die umweltmedizinische Thematik. Zusätzlich werden Fallbeispiele aus der umweltmedizinischen Praxis sowie konkrete Behandlungsstrategien vorgestellt.

Patienten ernst nehmen

Denn eines ist natürlich klar: Auch wenn die Beschwerden eines Patienten nicht durch elektromagnetische Felder verursacht werden, müssen die Symptome der (subjektiv elektrosensiblen) Patienten natürlich immer ernst genommen und mögliche somatische Ursachen durch die sorgfältige medizinische Untersuchung ausgeschlossen werden – für den behandelnden Arzt eine große Herausforderung. Bei einer Vielzahl unklarer Beschwerden empfehlen die Autoren des Fortbildungsmoduls daher, in Zusammenarbeit mit Kollegen, eine interdisziplinäre klinische Diagnose anzustreben, um dem beunruhigten Patienten größtmögliche Sicherheit zu bieten.

Referenzen:

1. Huss, A. / Röösli, M. (2006): Consultations in primary care for symptoms attributed to electromagnetic fields – a survey among general practitioners. In: BMC Public Health 2006; 30 (6): 267

2. Informationszentrum Mobilfunk (2007): Medienberichte zum Thema Mobilfunk und Gesundheit sind oftmals unsachlich. Studienergebnisse des Max-Delbrück-Centrums (MDC) Berlin


Lydia Unger-Hunt

, Ärzte Woche 38/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben