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Quälend und stark beeinträchtigend: Migräneattacken.
 
Allgemeinmedizin 29. August 2016

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz

Migräne. Viele Menschen mit Kopfschmerzen suchen Rat in der Apotheke. Durch genaues Fragen nach den individuellen Beschwerden können die Unterschiede zwischen den einzelnen Kopfschmerzformen erkannt werden.

Spannungskopfschmerz, Clusterkopfschmerz, Kopfschmerz aufgrund von Problemen in der Wirbelsäule oder Migräne zählen zu den häufigsten Kopfschmerztypen. Etwa jeder zehnte Österreicher leidet unter Migräne, die nicht nur durch die Beschwerden im Kopfbereich, sondern auch durch Begleitsymptome besonders belastend ist. Typisch wird Migräne vor allem von Übelkeit, Erbrechen und häufig extremer Lichtempfindlichkeit begleitet. Schon bei leichter körperlicher Belastung können sich die Schmerzen verschlimmern. Dies stellt ein gutes Abgrenzungsmerkmal zum Spannungskopfschmerz dar, der sich bei körperlicher Belastung nicht verstärkt. Viele der Betroffenen können ihren Tagesaktivitäten nicht nachgehen.

Ein Migräneanfall dauert meist zwischen vier und 72 Stunden. Viele Betroffene spüren einige Stunden bis zwei oder drei Tage vorher Vorboten, wie Heißhungerattacken, Übellaunigkeit bis hin zu Seh- oder Gefühlsstörungen. Mit Hilfe von Schmerztagebüchern, in denen sie ihre Symptomatik notieren, können Migränepatienten erkennen, ob sich ein Anfall anbahnt und frühzeitig handeln.

Gravierende Auswirkungen auf die Lebensqualität

Die WHO listet Migräne weltweit unter die zehn Erkrankungen mit den gravierendsten Auswirkungen auf die Lebensqualität und Funktionalität der Betroffenen, stellen Kries et al. fest und ergänzen: „Krank ist man nicht, krank fühlt man sich. Diese Aussage gilt in besonderem Maße für chronische Schmerzerkrankungen, die per Definition kaum objektiv messbar sind und auch immer vor dem Hintergrund einer biopsychosozialen Wechselwirkung zu sehen sind. Deshalb ist im Kontext von Schmerzerkrankungen ihr Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen von entscheidender Bedeutung.“ Dabei haben viele Migräne-Patienten noch Beschwerden durch Begleitsymptome, auch wenn die akuten Kopfschmerzen abgeklungen sind. Selbst Betroffenen ist das oftmals nicht bewusst. Dabei litten sie vor allem unter Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Nackensteife, wie eine Studie am britischen Royal United Hospital, Bath (UK), zeigt.

Typische Prodromalsymptome wie Übelkeit (15 %) sowie Licht- (36 %) und Lärmempfindlichkeit (32 %) traten in der Erholungsphase hingegen seltener auf. Von einer exakteren Charakterisierung der Begleitsymptome erhoffen sich die Neurologen jedenfalls auch, neue Einblicke in die pathophysiologischen Prozesse der Migräne zu gewinnen und somit neue Therapieansätze zu generieren.

Serotonin als Auslöser der Migräne ziemlich sicher

Welche einzelnen Faktoren für die Entstehung der Migräne verantwortlich sind, ist bislang nicht völlig geklärt. Übereinstimmung besteht darüber, dass die Serotoninfreisetzung in der Blutbahn mit einer Migräneattacke im engen Zusammenhang steht und einen auslösenden Faktor darstellt. Hohe Spiegel im Zentralnervensystem (Serotoninspitzen) wirken vermutlich auslösend. Somit wirken alle Arzneisubstanzen oder Phytopharmaka, die die Serotoninausscheidung vermindern, als Mittel gegen Migräne.

Grundsätzlich steht für die Selbstmedikation leichter bis mittelschwerer akuter Kopfschmerzen eine Reihe von Wirkstoffen zur Verfügung; bei häufigen oder schweren Kopfschmerzen sowie bei bestimmten Begleiterscheinungen rät man in der Apotheke ohnehin zum Arztbesuch. Das Beratungsgespräch erfordert hohe Kommunikations- und Vermittlungskompetenz: Bei der Abgrenzung, wann Selbstmedikation möglich ist und welche Wirkstoffe hier eingesetzt werden können sowie bei den Informationen zur richtigen Anwendung der Schmerzmittel – einschließlich der Hinweise auf die Einnahmedauer und die Gefahr schmerzmittelinduzierter Kopfschmerzen.

Literatur:

von Kries R. et al.: Bundesgesundheitsbl 2014, 57:911–912

Giffin N. J. et al.: Neurology 2016; 87(3):309-313 (http://www.neurology.org/content/87/3/309.full.pdf+html)

SpringerMedizin, Apotheker Plus 7/2016

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