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© Özgür Donmaz/iStock/Thikstock
Zweck und Sinn der vielen Medikamente werden für ältere Patienten häufig unübersichtlich und reduzieren die Compliance.
 
Allgemeinmedizin 29. August 2016

Multimedikation kann für Senioren verwirrend sein

Unübersichtlich. Ältere Patienten, die dauerhaft fünf oder mehr Medikamente nehmen müssen, verlieren leicht den Überblick, wozu die Mittel gut sind.

Bei älteren Patienten treffen Polypharmazie und Unkenntnis oft zusammen. Ärzte der Uni Maastricht fanden in einer Studie heraus, dass nur 15 Prozent der Hausarztpatienten ab 60 mit Multimedikation von jedem verordneten Mittel wissen, wozu sie es anwenden.

Die 754 Probanden im mittleren Alter von 73 Jahren waren der niederländischen Sprache mächtig und konnten sich selbst versorgen. Maximal fünf Arzneien erhielten 8,4 Prozent von ihnen, bei 42 Prozent waren es zehn und mehr, im Mittel waren es 9,2 verschreibungspflichtige Präparate. Die Frage nach der Indikation einer Arznei galt als korrekt beantwortet, wenn die Patienten Zweck oder Organsystem zutreffend benennen konnten.

Durchschnittlich konnten die Patienten für 65 Prozent ihrer Medikamente die Indikation korrekt bezeichnen. Bei 32 Prozent gaben sie an, den Zweck nicht zu kennen, bei vier Prozent nannten sie eine falsche Indikation. Das Verständnis für die Therapie sank mit steigender Zahl der Medikamente und mit zunehmendem Alter.

Patienten mit Partnern im Vorteil

Männer waren seltener in der Lage, sich den Zweck aller Medikamente zu merken (adjustierte Odds Ratio, aOR 0,53). Patienten, die mit einem Partner zusammenlebten, waren im Vergleich zu Alleinlebenden im Vorteil (aOR 2,11). Das Bildungsniveau hatte keinen Einfluss auf den Kenntnisstand.

Das fehlende Wissen kann nach Einschätzung der Autoren zu mangelnder Therapietreue und Anwendungsfehlern führen und damit das Risiko für die Betroffenen deutlich erhöhen Um dies zu verhindern, sei es wahrscheinlich hilfreich, den Patienten einfache Erklärungen zu geben oder auch die Medikamentenbehältnisse mit gut erkennbaren Informationen oder Markierungen zu versehen.

Quelle: Age and Ageing 2016; 45: 402-408.

SpringerMedizin, Apotheker Plus 7/2016

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