zur Navigation zum Inhalt
© Spectral-Design / fotolia.com
Frische Spermien haben die wenigsten DNA-Schäden.
 
Allgemeinmedizin 20. Juli 2016

Qualität vor Quantität

Für die Erfüllung eines Kinderwunschs fährt man auch mit täglichem Sex gut.

Oft wird Paaren mit Kinderwunsch in der fruchtbaren Phase Sex höchstens alle zwei Tage empfohlen. Möglicherweise ist der tägliche Koitus aber erfolgreicher. Die Spermienzahl ist dann zwar geringer, dafür haben die Spermien weniger DNA-Schäden.

Wann ist die Samenqualität für eine erfolgreiche Befruchtung am besten? Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Nach längeren Pausen bei der Ejakulation ist zwar die Spermienzahl und -dichte deutlich erhöht, was die Chancen für eine Befruchtung steigert, auf der anderen Seite machen radikale Sauerstoffspezies den einmal produzierten Spermien zu schaffen. Sind sie nicht mehr ganz frisch, akkumulieren DNA-Schäden, die wiederum die Chancen für eine erfolgreiche Schwangerschaft senken könnten.

Zur Messung der Spermienqualität empfiehlt die WHO einen Abstand von zwei bis sieben Tagen nach einer Ejakulation, Untersuchungen deuten jedoch auf einen Vorteil kürzerer Intervalle bei der künstlichen Befruchtung. Möglicherweise macht die intakte DNA den Nachteil bei der Spermienzahl mehr als wett.

Eine Studie von Urologen um Dr. Ashok Agarwal von der Cleveland Clinic lässt zumindest keinen Nachteil von kürzeren Intervallen erkennen. Danach wäre beim täglichen Koitus mit ähnlichen Erfolgsraten für den einzelnen Geschlechtsverkehr zu rechnen wie beim Koitus nur alle zwei Tage. Die höhere Koitusfrequenz müsste dann jedoch die Chance auf eine Schwangerschaft insgesamt erhöhen. Dies haben die Ärzte um Agarwal aber nicht untersucht. Sie analysierten lediglich Samenproben von sieben normozoospermischen Männern mit einem Ejakulationsintervall von ein, zwei, fünf, sieben, neun und elf Tagen. Jeder Mann lieferte also sechs Proben zu den jeweiligen Zeitpunkten. Die Proben erzeugten die Männer per Masturbation im andrologischen Labor der Klinik.

Neben einigen Standardparametern (Spermienzahl und -dichte, Viskosität, Vitalität und Morphologie) bestimmten die Forscher auch die Konzentration reaktiver Sauerstoffspezies im Samen sowie mit einem Spezial-Assay die DNA-Fragmentierung in den Spermien.

Vermehrt DNA-Schäden nach fünf Tagen Abstinenz

Warteten die Männer zwei Tage bis zur nächsten Ejakulation, dann war das Samenvolumen um 27 Prozent höher als nach einem Tag, elf Tage später betrug der Unterschied 87 Prozent. Noch deutlicher waren die Differenzen bei der Spermienzahl. Sie lag nach elf Tagen rund dreifach höher als nach einem Tag.

An der Motilität und Morphologie änderte sich mit dem Ejakulationsabstand nur wenig, auch die Konzentration von reaktiven Sauerstoffspezies blieb relativ konstant, die Vitalität nahm jedoch nach neun Tagen deutlich ab, der pH nach elf Tagen, was die Viskosität ansteigen ließ.

Die DNA-Fragmentierung stieg mit der Zeit kontinuierlich an und war nach einem Tag deutlich geringer als im WHO-Intervall von zwei bis sieben Tagen, allerdings zeigt sich ein klarer Unterschied erst nach fünf Tagen: Mit ein bis zwei Tagen Abstinenz ließen sich größere DNA-Schäden bei rund zehn Prozent der Spermien nachweisen, nach fünf Tagen lag der Anteil bei zwölf Prozent und nach elf Tagen bei zwanzig Prozent.

Nach diesen Ergebnissen, so die Wissenschafter, hat täglicher Sex keinen negativen Einfluss auf die Qualität des Spermas, wohingegen lange Intervalle wichtige Qualitätsparameter beeinflussten. Generell sei Paaren mit Kinderwunsch daher eher eine kurze Abstinenzperiode beim Sex zu empfehlen.

Literatur:

Agarwal A et al., Abstinence time and its impact on basic and advanced semen parameters.

Urology 2016, online 16. Mai,

DOI 10.1016/j.urology.2016.03.059

springermedizin.de, Ärzte Woche 28/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben