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Die Assoziation von Stickoxiden und anderen verkehrsbedingten Luftschadstoffen mit Brustkrebs bleibt.
 
Allgemeinmedizin 20. Juli 2016

Krebsrisiko durch Feinstaub noch nicht geklärt

Der Großteil der Studien zeigt immer noch, dass die Wohnortnähe zu verkehrsreichen Straßen das Risiko für Brusttumore erhöht.

Eine neue Analyse entlastet Feinstaub vom Verdacht, die Entstehung von Brustkrebs zu fördern. Die Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr bleibt trotzdem im Dunstkreis der Verdächtigen.

Die Liste der Erkrankungen, die mit Feinstaub in Verbindung gebracht werden, ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Als gefährlich gelten vor allem die ultrafeinen Teilchen mit einem Durchmesser von maximal 2,5 µm (Particulate Matter: PM2,5). Bei starker Exposition scheint es unter anderem häufiger zu Asthma, Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebstodesfällen zu kommen. Widersprüchliche Beobachtungen gibt es zu den Auswirkungen von Feinstaub auf das Brustkrebsrisiko. Ärzte um Jaime E. Hart vom Brigham and Women’s Hospital and Harvard Medical School, Boston, haben deswegen die prospektiv erhobenen Daten der Nurses’ Health Study II auf einen möglichen Zusammenhang hin überprüft. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse liefern allerdings keinerlei Hinweise auf ein erhöhtes Risiko.

An der Studie waren fast 116.000 zunächst gesunde Frauen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren beteiligt; Dabei entwickelten 3.416 während der Beobachtungszeit (1993–2011) ein invasives Mammakarzinom. Anhand der zweijährlich aktualisierten Adressen der Teilnehmerinnen wurden die Wohnortnähe zu verkehrsreichen Straßen und die durchschnittliche monatliche Feinstaubbelastung ermittelt. Bei keiner der erfassten Partikelgrößen (PM2,5, PM2,5–10, PM10) war ein signifikanter Zusammenhang zwischen Feinstaubbelastung und dem Auftreten von Brustkrebs zu erkennen. Das galt für Hormonrezeptor-positive wie -negative Karzinome und unabhängig vom menopausalen Status der Frauen.

Risiko bei starker Exposition

Trotz dieser negativen Ergebnisse halten die Studienautoren es für möglich, dass bei starker Exposition gegenüber Schadstoffen aus dem Straßenverkehr das Risiko für Brustkrebs leicht zunehmen könnte. In der Studie hatten Frauen, die weniger als 50 Meter von den größten Straßenarten entfernt wohnten, eine um 60 Prozent höhere Brustkrebsrate als Frauen, die in mindestens 200 Metern Entfernung lebten. Der Unterschied war zwar nicht signifikant und beruhte auf nur acht Krebspatientinnen in direkter Nähe großer Straßen. Hart und Kollegen weisen jedoch darauf hin, dass der Befund mit zahlreichen anderen Studien in Einklang stehe, in denen sich eine positive Assoziation von Stickoxiden und anderen verkehrsbedingten Luftschadstoffen mit Brustkrebs gezeigt habe.

Originalpublikation: Hart JE et al. Long-Term Particulate Matter Exposures During Adulthood and Risk of Breast Cancer Incidence in the Nurses' Health Study II Prospective Cohort. CEBP 2016; online 2. Juni. DOI: 10.1158/1055-9965.EPI-16-0246

springermedizin.de, Ärzte Woche 28/2016

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