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Allgemeinmedizin 5. Juli 2016

Volkskrankheit Arthrose

Schmerz reduzieren und beweglich bleiben

Etwa 1,4 Millionen Menschen in Österreich leiden an der degenerativen Gelenkerkrankung Arthrose. Es verwundert nicht, dass die häufigste Arthroseform die Kniegelenkarthrose (Gonarthrose) ist – auf unseren Knien lastet bei jedem Schritt fast das gesamte Körpergewicht!

Als Folge langjähriger Belastung verändert sich die Knorpel- und Knochensubstanz: Der hyaline, geschmeidige Knorpel wird umgebaut zu knotigem, faserreichem Gewebe. Der Wassergehalt der Gelenkschmiere sinkt, die glatte Knorpeloberfläche wird rau und uneben. Die Zellen der Gelenkkapselschleimhaut schütten Entzündungsmediatoren wie Prostaglandine, Histamin oder TNF-alpha aus.

Typischer Anlaufschmerz. Die Folge: Gelenkschmerzen, schon morgens beim Aufstehen, die Knie sind steif, die ersten Schritte fallen schwer. In der Anfangsphase einer Arthrose lässt mit etwas Bewegung dieser Schmerz rasch wieder nach. Schreitet die Erkrankung fort, werden die Schmerzen stärker und treten auch tagsüber z. B. beim Treppensteigen und nachts in Ruhe auf. Es kann zu Flüssigkeitsansammlungen im Kniegelenk kommen. Liegt zusätzlich eine Entzündung vor (aktivierte Arthrose), kommt es zur Schwellung und Überwärmung des Gelenks, die Beweglichkeit ist stark eingeschränkt.

Hauptrisikofaktoren für eine Gonarthrose sind weibliches Geschlecht, höheres Lebensalter, Übergewicht, langjähriger Leistungssport und sitzende Berufe. Auch langjährige Grunderkrankungen wie Diabetes, Gicht oder Psoriasis schädigen die Gelenke und begünstigen eine Ar-throse. Ebenso können die langfristige Einnahme eines Kortikoids oder die Behandlung einer bakteriellen Infektion mittels Gyrasehemmstoffen dem Gelenkknorpel schaden.

Zusätzlich zu einem Nichtsteroidalen Analgetikum gegen die Schmerzen bei Bedarf und einem lokalen Analgetikum, kann ein Präparat zur Anregung des Aufbaus von Gelenkknorpel empfohlen werden. Wichtig ist der Hinweis, dass dieses nicht schnell gegen die Schmerzen hilft, sondern kurmäßig über einen längeren Zeitraum eingenommen wird. Für den nächsten Arztbesuch kann der Apotheker einen Tipp mitgeben: Häufig haben Arthrosepatienten einen Mangel an Vitamin D. Eine Überprüfung des Vitamin-D-Status kann sinnvoll sein.

Therapiemöglichkeiten

Da eine krankheitsmodifizierende Therapie der Arthrose (noch) nicht existiert, beschränken sich die aktuellen Leitlinien auf die Ziele „Schmerz- und Symptomreduktion“. Kernmaßnahmen sind dabei stetige moderate Bewegung, Gewichtsabnahme, Krafttraining und Wassergymnastik. Zur Schmerzlinderung werden Analgetika (NSAR/Opioide) eingesetzt. Kortikoide, ins Gelenk injiziert, bessern Ergüsse, „slow-acting drugs in osteoarthritis“, wie Hyaluronsäure und Glucosamin, können ergänzend Beschwerden mindern.

Was man sonst noch tun kann

Eine wichtige Frage bei der Beratung ist jene nach den Empfehlungen des Arztes nach unterstützenden Maßnahmen. Auf diese Informationen aufbauend können sinnvoll ergänzende Empfehlungen gegeben werden. Als sanfte Ergänzung können zum Beispiel pflanzliche Präparate, ätherische Öle, Enzyme sowie neben Glucosamin weitere Chondroprotektiva wie Chondroitinsulfat und Hya-luronsäure gewählt werden. Die Zufuhr von Vitamin D und langkettigen Omega-3-Fettsäuren wirkt entzündlichen Prozessen im Gelenk entgegen, die Vitamine E, C und Selen können als Antioxidanzien die Zerstörung des Knorpels verlangsamen.

Richtige Ernährung ist wichtig

Arthrosepatienten profitieren auch von mediterraner Ernährung, reich an Omega-3-Fettsäuren, Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten. Tierische Fette sind reich an entzündungsfördernder Arachidonsäure und sollten nur selten konsumiert werden. Physikalische Maßnahmen wie Wärme, bei aktivierten entzündlichen Arthrosen auch Kälte, tun oft gut. Das Gelenk zu schonen und Bewegung zu meiden, ist zwar bequem, aber falsch, ein Spaziergang am Tag sorgt dagegen dafür, dass die Gelenkschmiere gut in den Knorpel eindringen kann.

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