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Allgemeinmedizin 5. Juli 2016

Gesund im Alter…

Aber altersbedingte Knochenbrüche und Gelenkverschleiß nehmen zu

Jeder fünfte Österreicher ist heute älter als 65 Jahre. In wenigen Jahren wird es jeder Dritte sein. Mehr ältere Menschen bedeuten auch Veränderungen in der Erkrankungsstruktur. Abnützungserscheinungen nehmen zu.

„Heute behandeln wir immer mehr Verschleißerkrankungen, die früher durch die geringere Lebenserwartung gar nicht auftraten“, sagt Prof. Dr. Joachim Grifka, Direktor der orthopädischen Universitätsklinik Bad Abbach. Auch die Zahl altersbedingter Knochenbrüche steigt kontinuierlich an. „In Deutschland entfallen von einer halben Million häuslicher Unfälle jährlich ca. 300.000 auf Osteoporose bedingte Knochenbrüche bei älteren Menschen“, so Prof. Dr. Ulrich Stöckle, Ärztlicher Direktor der Berufsgenossenschaftlichen (BG) Unfallklinik Tübingen.

Ab 65: Viele Stürze – schwere Folgen

Ein Drittel der Menschen über 65 Jahre stürzt laut Statistik mindestens einmal pro Jahr. Etwa fünf Prozent dieser Unfälle führen zu Brüchen oder anderen gravierenden Blessuren. Neben dem Oberschenkelhals sind bei älteren Menschen oft die Wirbelsäule, das Becken, der Oberarm, der Unterarm oder das Handgelenk von Frakturen betroffen. Bei einer ausgeprägten Osteoporose kann es sogar zu ‚Spontanfrakturen‘ bei banalen Bewegungen ohne Sturz kommen. Für schnellstmögliche medizinische Behandlungen nach solchen Verletzungen gibt es in den Deutschen Leitlinien klare Vorgaben: Verschraubungen an gebrochenen Knochen sollen innerhalb von 24 Stunden, künstlicher Gelenkersatz spätestens 48 Stunden nach dem Bruch eingesetzt werden. Im höheren Alter spielt der Aspekt der frühzeitigen Mobilisierung eine kritische Rolle.

„Ein Oberschenkelhalsbruch an sich ist gut behandelbar. Das Risiko auch bei anderen altersbedingten Gelenkerkrankungen liegt in der Immobilität der Patienten“, so Stöckle. „Mit jedem Liegetag steigt das Risiko von Gesundheitsschäden. Mobilisation ist deshalb das A und O bei Frakturen im Bewegungsapparat oder auch bei verschleißbedingtem Einsatz eines neuen Gelenks bei älteren Patienten“, betont Grifka.

Heute operiert, morgen wieder auf den Beinen, sei etwa nach dem Einsatz eines neuen Hüftgelenks auch bei älteren Patienten realistisch, stellt Grifka fest. Die in der Orthopädie und der Unfallchirurgie heute eingesetzten neuen Operationsmethoden reduzieren das postoperative Risiko für Thrombosen und Lungenembolien oder Herz-Kreislaufprobleme, weil sie die postoperativen Liegezeiten stark verkürzen.

70-Jährige möchten fit sein wie früher die 40-Jährigen

„Die Menschen mit 70 möchten heute so fit sein wie früher 40-Jährige“, so Grifka. „Wir können keine Wunder vollbringen. Aber die Fortschritte in der orthopädischen Chirurgie sind enorm.“ So sind Patienten nach einem Gelenkaustausch mit minimalinvasiver Operationstechnik in der Regel bereits direkt nach der Operation schmerzfrei. Sie könnten bereits am ersten Tag nach dem Eingriff aufstehen und nach acht Tagen gestützt durch Gehhilfen wieder Treppen steigen.

Möglich ist dies unter anderem durch neue Methoden der Computernavigation bei der Operation, die den Gelenkaustausch mit minimalinvasiven Operationstechniken möglich machen. Die neuen Techniken garantierten auch präzise und optimale Funktion der künstlichen Gelenke bei deutlich verlängerter Haltbarkeit, so Stöckle.

Quelle: Presseaussendung Vereinigung Süddeutscher Orthopäden und Unfallchirurgen (VSOU)

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