zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 17. November 2005

Privatisierungsdebatte um Hanusch-Krankenhaus

Kein Ende im Politgezanke um die Wiener Kasse. Nachdem die von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat angeordnete Sonderprüfung bei der WGKK keine Leichen im Keller zu Tage befördert hat, musste nun ein neuer Schuldiger für das Finanzdesaster in Österreichs größter Krankenkasse gefunden werden: das Hanusch-Krankenhaus.

Tatsache ist, dass die Krankenkassen aller Bundesländer seit Jahren zwischen 25 und 40 Millionen Euro abliefern, um das Defizit des einzigen Schwerpunktspitals Österreichs in Sozialversicherungshand abzudecken. Das hat zwischen den Krankenversicherungen immer wieder zu heftigen Disputen geführt. Die reicheren Kassen, wie etwa jene in Vorarlberg oder Oberösterreich, hatten wenig Verständnis dafür, ihre Gelder in ein defizitäres Wiener Krankenhaus zu stecken. Auch der Rechnungshof hatte nach der Prüfung im Dezember 2003 das Spital – und dabei vor allem die zu hohen Gehälter – kritisiert.
Damit stehen die Fragen nun im Raum: Was tun mit dem Hanusch-Krankenhaus? Die Gesundheitsministerin hat den Obmann der WGKK, Franz Bittner, aufgefordert, das defizitäre Haus zu verkaufen. Die Gemeinde Wien will es aber keinesfalls. Schon jetzt übernehme die Stadt die Hälfte des Abgangs des Krankenhauses, mehr sei nicht tragbar, ließ Finanzstadtrat Dr. Sepp Rieder der Ministerin ausrichten. Gesundheits-Staatssekretär Prof. Dr. Reinhart Waneck hatte ebenfalls einen Vorschlag parat: Das Hanusch-Krankenhaus sei ein „gutes und erhaltenswertes“ Spital und gehöre auch weiter geführt. Die WGKK könne auch weiter Besitzer bleiben, der Betrieb solle aber ausgegliedert werden. Das Spital gehöre wie ein privates Krankenhaus geführt und dürfe keine „Budgetbelastung“ für die Kasse sein. Unterstützung bekam er von seiner freiheitlichen Parteikollegin, der Stadträtin Karin Landauer: „Ein privater Betreiber wird der WGKK vorzeigen, wie man das Hanusch-Krankenhaus unter Beibehaltung der medizinischen Spitzenleistung gewinnbringend leitet.“

Kein Gewinn möglich

Ein Vorschlag, der vielen gar nicht gefällt, z.B. nicht dem Präsidenten der Arbeiterkammer, Mag. Herbert Tumpel: „Das Hanusch ist ein Schwerpunktkrankenhaus und bietet daher Leistungen auf allen medizinischen Gebieten an. Niemand kann ein solches Angebot gewinnbringend führen. Das Hanusch ist keine Schönheitsklinik.“ Das Interesse privater Firmen wäre jedoch prinzipiell gegeben. Als im Jahr 2002 Sozialminister Mag. Herbert Haupt schon einmal die Privatisierung des Hanusch-Spitals forderte, hatten – so berichtete kürzlich das „WirtschaftsBlatt“ – die HCC Krankenhausbetriebsführungs AG um Hans Peter Haselsteiner und Christian Köck sowie die Vamed AG ihr Interesse angemeldet.
Tatsche ist, dass sich zum Thema „Public-Private-Partnership“ (PPP), also Kooperationen zwischen öffentlicher Hand und privaten Anbietern, bereits einiges tut in der österreichischen Spitalslandschaft. Die Palette reicht von einfachen Auslagerungen („Outsourcing“) von Dienstleistungen wie Küche, Reinigung oder Technik bis hin zu intensiven Partnerschaften vom Bau bis zum Betrieb. In den meisten Fällen bleibt aber (bisher) die versorgungspolitische Verantwortung bei der öffentlichen Hand. Der private Partner bringt Kapital und organisatorisches Know-how für die Infrastruktur und Prozesse ein. Dabei taucht oft die Angst um Arbeitsplätze auf. Diese sei aber unbegründet, meint Mag. Michael Heinrich, Unternehmenssprecher der Vamed, eines der führenden PPP-Unternehmen im Gesundheitsbereich: „Wir streben keine Einsparung von Köpfen und Arbeitsplätzen an, sondern gehen einen anderen Weg. Ich glaube auch nicht daran, Krankenhäuser schließen zu müssen. Es gibt genug Potenzial, sie neu auszurichten und attraktiver zu machen.“

 

„Das ist ein politischer Rachefeldzug“

Standpunkt von Dr. Sabine Oberhauser, Vorsitzende der ARGE ÄrztInnen im Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB).

Die Gehälter, die die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) zahlt, sind tatsächlich zum Teil höher als in anderen Krankenhäusern. Aber nicht mehr allzu viel, denn wir haben zum Beispiel im Bereich der Spitäler des Wiener Krankenanstaltenverbundes bereits ziemlich angeglichen. Der Vergleich ist auch sehr schwierig: Im Hanusch-Krankenhaus gibt es höhere Grundgehälter, dafür aber schlechtere Nebengebühren, zum Teil wird in der Nacht nur Bereitschaft bezahlt. Das Gehaltsschema richtet sich jedoch nach der Dienstordnung der Sozialversicherung, die vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger ausverhandelt wird. Konkret ist dafür die Geschäftsführerin Mag. Beate Hartinger zuständig.
Die WGKK kann nicht weniger zahlen. Natürlich kann man die Frage stellen, ob man das Hanusch-Krankenhaus braucht. Aber diese Frage kann man bei jedem Spital stellen. Die Privatisierung von Spitälern, die alle behandeln sollen, wäre aber wirklich das Letzte, was ich mir vorstellen möchte. Da hätte Kardinal König keine neue Hüfte mehr bekommen. Das Ganze ist meiner Ansicht nach nur ein politischer Rachefeldzug gegen die letzte rote Kasse, die versucht Patienteninteressen zu verteidigen.

 

„Gemeinnützigkeit ist nicht Geldvernichtung“

Interview mit Mag. Julian Hadschieff, Geschäftsführer der Humanomed, die seit Jahren für Privatversicherungen Spitäler und Ambulatorien managt.

Wo sehen Sie ungenutztes Potenzial im Hanusch-Krankenhaus?
Hadschieff: Das Hanusch hat in vielen Bereichen, zum Beispiel in der Hämatoonkologie und in der Dialyse, einen sehr guten Ruf und leistet einen ganz wesentlichen Versorgungsbeitrag für Wien. Aber man könnte sehr wohl das Management verbessern: Also eine klare Budgetierung, ein wirkungsvolles Controlling, die exakte Definition von Zielsetzungen etc. In diesen Punkten sehe ich Defizite. Sagen wir einmal so: Die Führungskultur ist nicht die, die in einem wirtschaftlich optimal geführten Unternehmen herrschen sollte. Man muss aber auch sagen, dass es ein paar Strukturschwächen gibt, zum Beispiel die Dienstordnung, die nicht einmal Obmann Bittner selber ändern kann.

Würde eine Privatisierung die Probleme lösen?
Hadschieff: Erstens hat das Hanusch schon jetzt einen privaten Träger. Auch bei einem Trägerwechsel würde es jedenfalls gemeinnützig bleiben. Das heißt: Gewinne zu machen, ist nicht das Thema. Es geht darum, das Management zu professionalisieren. Dadurch könnten schlummernde Rationalisierungspotenziale gehoben werden, ohne dass es zu Qualitätsverlusten kommt. Man kann auch gemeinnützige Krankenanstalten effektiv und effizient führen. Gemeinnützigkeit ist ja keine Aufforderung zur ungesteuerter Geldvernichtung. Das Defizit im Hanusch könnte durch ein professionelles Management sicherlich reduziert werden.

Ist das eine Aufgabe, die die Humanomed reizt?
Hadschieff: Solche Aufgaben sind klarerweise reizvoll. Wir sind eine Betreiber- und Managementgesellschaft. Konkret führe ich derzeit aber keine Kaufgespräche über das Hanusch-Krankenhaus. Wir stellen aber gerne unsere Managementexpertise zur Verfügung.

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 18/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben