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Allgemeinmedizin 1. Juni 2016

Antibiotika-assoziierte Diarrhoe

Das gestörte Gleichgewicht des Darmmikrobioms und seine Auswirkungen

Bakterien, Pilze, Parasiten und Viren bilden in ihrer Gesamtheit das Mikrobiom, das im Organismus an immunologischen Prozessen wie der Abwehr von pathogenen Keimen oder dem Aufschließen und Verstoffwechseln von Nahrungsbestandteilen beteiligt ist. Am besten untersucht ist das Mikrobiom im Darm.

Das Mikrobiom im Darm setzt sich individuell aus über 400 Bakterienarten zusammen. Im Dünndarm herrschen dabei aerobe Bakterien wie Laktobazillen vor, die zum Leben auf die Versorgung mit Sauerstoff angewiesen sind. Den Dickdarm dominieren dagegen ballaststoffverdauende Anaerobier, die Bifidobakterien. Die Bakterienflora im Darm variiert aber nicht nur von Mensch zu Mensch, sie verändert sich in ihrer Zusammensetzung auch im Lauf eines Lebens aufgrund unterschiedlichster Veränderungen. Wissenschaftler vermuten, dass darauf beispielsweise die erhöhte Anfälligkeit älterer Menschen gegenüber Problemkeimen wie Clostridium difficile (C. difficile) zurückzuführen ist. Die Immunabwehr wird mir dem Alter schwächer. Ferner können Medikamente das Darmmikrobiom durcheinanderbringen.

Darmflora aus dem Lot

Bekannt dafür, die physiologische Darmflora zu schädigen, sind Antibiotika. Da sie nicht nur pathogene, sondern auch für den Körper nützliche Bakterien zerstören, kann es in den ersten Tagen nach Therapiebeginn – aber auch noch später – zu Durchfall kommen. Meist handelt es sich dabei um eine osmotisch bedingte Diarrhoe, der eine gestörte Aufnahme beziehungsweise Verdauung osmotisch wirkender, komplexer Kohlenhydrate zugrunde liegt. Diese ziehen Wasser aus dem umliegenden Gewebe in den Darm und verflüssigen den Darminhalt. In der Regel ist dieser Prozess ungefährlich und dauert nur kurz an. Anders verhält es sich bei älteren und/oder chronisch kranken Menschen. Bei ihnen kann es durch die gestörte Darmflora zur Ausbreitung von Bakterien wie C. difficile kommen.

C. difficile zählt zu den anaerob wachsenden, grampositiven Bakterien. Die von ihm ausgeschiedenen Toxine lösen eine heftige Darmwandentzündung (Kolitis) mit Krämpfen, Fieber und Durchfall aus, die in schweren Fällen lebensbedrohlich verlaufen kann. Was C. difficile so problematisch macht, ist seine Fähigkeit, Sporen zu bilden. Diese sind nicht nur gegen viele Desinfektionsmittel und Antibiotika resistent. Sie können auch im Menschen beziehungsweise in seiner Umgebung lange Zeit überleben und so an Dritte weitergegeben werden. Zur Behandlung von Infektionen werden je nach Schweregrad Metronidazol, Vancomycin oder Kombinationen von beiden Wirkstoffen eingesetzt. Die Rückfallraten sind allerdings hoch, da trotz Therapie im Darm der Patienten Sporen zurückbleiben können.

Entscheidungshilfen für die Selbstmedikation

Durchfall, der in Zusammenhang mit der Einnahme von Antibiotika auftritt, verläuft in den meisten Fällen harmlos und kann deshalb auch selbst behandelt werden. Klagen Kunden in der Apotheke über entsprechende Beschwerden, sollten sie gefragt werden, seit wann und wie oft am Tag es zu dünnflüssigen Stuhlentleerungen kommt und ob noch weitere Symptome vorliegen. Dies können etwa Kreislaufbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen oder Fieber sein.

An einen Arzt verwiesen sollten Personen werden, wenn der Durchfall mit Fieber und/oder starken Schmerzen einhergeht und ohne Besserung schon seit drei bis vier Tagen unvermindert anhält. Das Gleiche gilt, wenn wiederholt erbrochen wird. Kein Fall für eine Behandlung in Eigenregie sind zudem Säuglinge, Senioren oder immungeschwächte Menschen. Sie sollten immer einen Arzt aufsuchen. Unterstützend und/oder vorbeugend gegen eine antibiotikaassoziierte Diarrhoe können jedenfalls Probiotika empfohlen werden.

SpringerMedizin

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