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Allgemeinmedizin 1. Juni 2016

Antibiotika weitgehend verzichtbar

Die antibiotische Therapie akuter Harnwegsinfektionen (HWI) kann erhebliche Auswirkungen auf das menschliche Mikrobiom haben. Alternative Behandlungsoptionen wurden beim Europäischen Urologen-Kongress (EAU) in München diskutiert.

Die asymptomatische Bakteriurie ist der Normalzustand. Wirt und Mikroorganismen führen eine Art friedliche Ko-Existenz, so Prof. Dr. Florian Wagenlehner, Universitätsklinikum Gießen. Ein besseres Verständnis der Interaktion zwischen Wirt und Pathogen eröffnet daher neue Therapiemöglichkeiten. „In der Vergangenheit haben wir nur Bakterien abgetötet“, so Wagenlehner. Möglich sei es aber auch, die adaptive Entzündungsreaktion des Wirts herunterzuregulieren.

Eine wirksame Alternative bei akuten unkomplizierten HWI stelle die Phytotherapie dar, so Prof. André Gessner, Mikrobiologe an der Universität Regensburg. So konnte mit einer spasmolytisch und antientzündlich wirksamen Dreierkombination aus Rosmarinblättern, Tausendgüldenkraut und Liebstöckelwurzel eine starke Symptomreduktion erzielt werden.

Welche Auswirkungen Antibiotika auf das Mikrobiom haben können, zeigt ein experimentelles Modell, in welchem 40 Labormäuse über sieben Tage entweder Nitrofurantoin, Fosfomycin (bisher Mittel der ersten Wahl bei HWI) oder zwei unterschiedlich hohe Dosierungen der Phyto-Kombination erhalten hatten, berichtete Gessner. Während die tägliche Einnahme von Nitrofurantoin und bereits eine einzige Dosis von Fosfomycin zu massiven intestinalen Mikrobiomverschiebungen führten, blieb die Darmflora von der Phytotherapie weitgehend unberührt.

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