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Allgemeinmedizin 17. November 2005

Mehr Frauen in die Kassenpraxis!

Die Frauen- und Gesundheitsministerin will Ärztinnen bei der Besetzung von Kassenstellen fördern. In manchen Bundesländern und Fachgruppen gibt es tatsächlich Nachholbedarf.

Kaum haben die (meisten) Länderkammern die Kassenstellenvergabe in neue Richtlinien gegossen, sollen diese auch schon wieder geändert werden. Frauen- und Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat will den Frauenanteil in der Vertrags-ärzteschaft erhöhen. Ihrer Ansicht nach sind Ärztinnen im Auswahlverfahren benachteiligt, weil sie durch Geburten und Kindererziehung auf kürzere Wartezeiten als ihre männlichen Kollegen kämen. Dazu will sie die von ihrem Vorgänger Mag. Herbert Haupt im Dezember 2002 erlassene Reihungskriterien-Verordnung noch dieses Jahr ändern. Denn, so argumentiert die Ministerin, bei Beibehaltung des bisherigen Prozedere sei eine Verbesserung der Frauenquote kurz- und mittelfristig nicht absehbar.

Damit stößt sie auf ein auch in der Ärzteschaft heiß diskutiertes Thema. In Kärnten gibt es tatsächlich bis heute keine einzige Gynäkologenstelle mit §2-Vertrag, die mit einer Frau besetzt ist. Übrigens auch keine Urologenstellen: Die gibt es weiblich besetzt überhaupt nur im Burgenland (2), in NÖ (1), in Salzburg (1) und in Wien (3). Besonders in der Frauenheilkunde wünschen jedoch immer mehr Patientinnen eine Behandlung durch Ärztinnen. „Die Wahlfreiheit ist gerade bei jenen Fächern besonders wichtig, bei denen es auch um sensible und intime Bereiche geht“, sagt die Psychiaterin und Gleichbehandlungsbeauftragte des AKH, Prof. Dr. Gabriele Fischer.

Erfahrung in Kärnten

Doch die Gynäkologie ist – wie die meisten prestigeträchtigen medizinischen Fachgruppen – nach wie vor fest in männlicher Hand. Wenn jedoch eine Frau eine Kassenstelle bekommt, ist sie – das zeigen auch Beispiele aus anderen Ländern – bald hoffnungslos überrannt. Eine Erfahrung, die man auch in Kärnten gemacht hat. „Wir haben in Klagenfurt vor ein paar Jahren eine solche Extra-Stelle geschaffen, die die Kollegin dann wieder zurückgelegt hat, weil sie überlastet war“, sagt Dr. Gert Wiegele, Kurienobmann in der Kärntner Ärztekammer. Den Schluss, den man in der Kammer daraus zog: „Frauen wollen lieber keine Kassenstellen.“ Eine Aussage, die Gabriele Fischer empört: „Das ist ein völliger Blödsinn. Diese Entscheidung sollte man schon den Frauen selbst überlassen.“

In der Ärztekammer für OÖ findet man den Vorstoß der Gesundheitsministerin prinzipiell begrüßenswert. Kurios mutet dort jedoch an, dass erst die von Minister Haupt erlassene Verordnung diese in Oberösterreich gängige Praxis unterbunden hat.

Frauen zum Hearing laden

Noch unklar ist derzeit, wie nun der Vorschlag von Maria Rauch-Kallat rechtlich umzusetzen ist. Ihr Konzept: Die Reihungslisten sollten wie bisher beibehalten werden. Es sollte aber nicht nur der Erstgereihte zu einem Hearing eingeladen werden, sondern auch „schlechter platzierte Frauen, die allerdings eine ebenso gute Qualifikation vorweisen müssen“, präzisierte die Ministerin gegenüber der APA.
Faktum ist, dass in der derzeit gültigen Verordnung nur bei Punktegleichstand ein Hearing verpflichtend vorgesehen ist. Dabei soll – so explizit, aber schwammig formuliert – „die Frauenquote im jeweiligen Versorgungsgebiet berücksichtigt werden“. Den einzelnen Krankenversicherungsträgern und Ärztekammern steht es zusätzlich frei, in ihren Reihungsrichtlinien „ein Hearing jener BewerberInnen, deren Punktezahl innerhalb einer Bandbreite von 5 Prozent der Punktezahl der/des Erstgereihten liegt“, vorzusehen. Die Verordnung stellt es den Vertragspartnern auch frei, Präsenz- bzw. Zivildienst sowie Mutterschutz- und Karenzzeiten als Kriterien für die Reihung zu berücksichtigen. Ob das auch umgesetzt wird, ist eine Entscheidung der Kammern und Kassen des jeweiligen Bundeslandes.

Standpunkt von Dr. Gert Wiegele,
Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Ärztekammer für Kärnten

Auch bei den neuen Reihungskriterien gilt bei uns die Reihungsliste. Aufgrund der Anwartschaft kann man sich in etwa ausrechnen, wann man an die Reihe kommt. Eine Sonderreihung gibt es nicht. Wenn ich also jetzt einen erstgereihten Kollegen aufgrund einer solchen Verordnung benachteilige, gibt es riesige Probleme. Sollte er klagen, bekäme er hundertprozentig Recht. Wenn es jedoch dem Ministerium am Herzen liegt, dass Gynäkologinnenstellen in Österreich eröffnet werden, dann soll es außerhalb des Reihungsplanes zusätzliche Stellen dezidiert für Ärztinnen schaffen. Da sagen wir „Halleluja“.

Wir haben in Klagenfurt vor ein paar Jahren eine Extra-Stelle geschaffen, die die Kollegin dann wieder zurückgelegt hat, weil sie überlastet war. Es gibt genügend Gynäkologinnen im Wahlärztebereich. Eine Umfrage hat gezeigt: Die haben gar kein aufregendes Interesse an einer Kassenstelle. Gerade in der Gynäkologie sind es die Patientinnen schon gewohnt, privat zu bezahlen und Teile rückersetzt zu bekommen. Und eigentlich sind alle damit zufrieden. Die Ärztinnen haben grosso modo kein Interesse daran, eine Kassenpraxis zu bekommen.

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 15/2004

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