zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 17. November 2005

"Eine völlige Freigabe wäre nicht adäquat"

Warum hat man die Werbebestimmungen für Ärzte nicht völlig liberalisiert?
Kux: Wir denken, dass eine gewisse Begrenzung des ärztlichen Auftretens in der Öffentlichkeit gegeben sein soll. Eine völlige Freigabe wäre dem ärztlichen Beruf nicht adäquat. Wo es um die Gesundheit beziehungsweise Krankheit von Menschen geht, sollte es keine leichtfertige Möglichkeit geben, sich – vielleicht sogar auf Kosten anderer – zu profilieren. Ein zweiter Grund ist, dass wir die Werbeaktivitäten auch selber beobachten und unter Kontrolle halten möchten. Durch das Disziplinarrecht können wir die Rechtssprechung als Beobachter mitverfolgen und darauf reagieren. Würde das alles nur mehr über das Wettbewerbsrecht und die ordentlichen Gerichte laufen, dann wäre das außerhalb unserer Beurteilungsmöglichkeit.

Es ist auch nach der neuen Richtlinie den Ärzten untersagt, „marktschreierisch“ zu werben. Dieser Begriff gibt sehr viel Spielraum für Interpretationen.
Kux: Das ist weitgehend ausjudiziert. Wenn man sich zum Beispiel auf Kosten eines Kollegen darstellt, dann ist das sicherlich marktschreierisch. Ein Arzt darf aber durchaus seine Methoden darstellen und kann sie auch mit anderen vergleichen. Er darf sogar sachlich feststellen, dass seine die bessere beziehungsweise erfolgsversprechendere Methode sei. Vorausgesetzt es stimmt. Unzulässig ist es aber, gegenüber anderen Ärzten persönliche Vergleiche anzustellen.

Andere Gesundheitsberufe oder Einrichtungen haben keine standesrechtlichen Einschränkungen bei der Werbung. Das ist doch ein Wettbewerbsnachteil für Ärzte?
Kux: Wir haben versucht, durch die neue Werberichtlinie mehr Chancengleichheit zu erzielen. Es gibt künftig zum Beispiel keine Einschränkung mehr beim Umfang einer Einschaltung. Es ist auch erlaubt, sachliche Angaben zur Honorarhöhe bei Privatleistungen zu machen. Der Höhepunkt war wirklich, als die soziale Krankenversicherung die Möglichkeit eingeräumt bekam, in den Zahnambulatorien der Krankenkassen Privatleistungen zu erbringen. Dann durften sie auch noch ihre Preise für die Kronen und Brücken nennen, was den Ärzten untersagt war. Das war einer der Gründe für uns, die Werberichtlinie zu ändern.

Finden Sie, dass die Liberalisierung weit genug gegangen ist?
Kux: Wir glauben es schon. Eine völlige Liberalisierung ist in absehbarer Zeit nicht geplant und wäre auch nicht gerechtfertigt.

Es dürfen künftig also auch Ärzte Plakate auf der Straße affichieren?
Kux: Also, da würde ich schon glauben, dass das marktschreierisch ist. Das verlässt in meinen Augen den zulässigen Bereich.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben