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Allgemeinmedizin 17. November 2005

Werberichtlinien: Eine Frage der Standesehre

Die Werberichtlinie der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) wurde gelockert. Während manche Ärzte darin schon einen zu großen Schritt in Richtung Liberalisierung sehen, geht er anderen Kollegen noch nicht weit genug. Eine „marktschreierische Darstellung“ ist nach wie vor verboten. Ein Begriff, der viel Spielraum für Interpretationen lässt.

Die Konkurrenz macht vor dem Gesundheitswesen nicht Halt. Immer mehr Ärzte müssen ohne Kassenverträge überleben. Für sie gelten die harten Bedingungen des freien Marktes. Daneben drängen auch immer mehr andere Anbieter von Gesundheitsleistungen auf den Markt.
Während für alle Mitglieder der Ärztekammer die ÖÄK-Werberichtlinien gelten, haben andere Berufsgruppen, wie zum Beispiel Kosmetikerinnen oder Betreiber von Instituten und Privatkrankenanstalten, keine derartigen Einschränkungen. Angesichts dieser Problematik wurden die Werberichtlinien der Ärztekammer nun „entschlackt“. Gefallen sind beispielsweise die Beschränkung des Umfanges einer Einschaltung auf eine Viertelseite sowie das Verbot, Werbemittel an andere Personen als die eigenen Patienten zu versenden. Künftig dürfen Ärzte auch Preise für Privatleistungen in der Öffentlichkeit nennen und ihre Methoden mit anderen vergleichen.

Verbotene Selbstanpreisung der eigenen Person oder Leistung

Nach wie vor untersagt sind „unsachliche, unwahre oder das Ansehen der Ärzteschaft beeinträchtigende Informationen“. Dazu zählen herabsetzende Äußerungen über Kollegen sowie die „Selbstanpreisung der eigenen Person oder Leistung durch aufdringliche bzw. marktschreierische Darstellung.“ Der unbestimmte Gesetzbegriff „marktschreierisch“ ist es jedoch, der die Kritiker auf den Plan holt. Ihr Argument: Dieser sei Auslegungssache und unterliege der Willkür einzelner Disziplinaranwälte. Ebenfalls kritisiert wird die weiter bestehende Möglichkeit anonymer Anzeigen sowie die Ungleichbehandlung von Ärzten und anderen Gesundheitseinrichtungen. Lesen Sie dazu verschiedene Standpunkte.

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 5/2004

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