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Allgemeinmedizin 26. April 2016

100 Jahre jung und gesund

Der Beitrag von Nahrungsergänzungsmitteln, um das Ziel zu erreichen

In Österreich leben schon heute mehr als 1500 Frauen und Männer, die das Alter von 100 Jahren erreicht haben. Bis zum Jahr 2050 rechnet man mit einer Lebenserwartung bei Frauen von 90 Jahren und bei Männern von 88 Jahren. Ob das Ende der Fahnenstange wirklich erreicht wird, hängt nicht zuletzt von einer altersgerechten Ernährung ab.

Alter allein ist allerdings nicht das Ziel. „Ein hohes Alter bei physischer und geistiger Gesundheit sowie hoher Leistungsfähigkeit und Lebensqualität ist das Wunschziel der meisten Menschen“, erklärte Mag. pharm. Angelika Kogard, die eine Apotheke in Hagenbrunn, NÖ, betreut, aus ihrer Erfahrung an der Tara. „Medikationsmanagement und richtige Ernährung in der Geriatrie“ standen bei der Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Schladming Anfang März zur Diskussion.

Vieles ändert sich

„Beim Alterungsvorgang handelt es sich in erster Linie um eine regressive Veränderung verschiedener Organstrukturen und deren Funktionen. Um diese Prozesse zu beschreiben, liegen unterschiedliche Theorien vor. Davon sind aus der Sicht der Nahrungsergänzung Gentheorien, wie die Telomerase-theorie, sowie zelluläre Theorien besonders interessant, da durch sie möglicherweise über Nahrungsergänzungsmittel Einfluss genommen werden kann,“ sagt Kogard.

Auch physiologische Veränderungen treten auf, vor allem was den Verdauungsapparat betrifft. Die Bakterienflora des Darmes, des größten Immunorgans des Menschen, ändert sich. Im Dünndarm kommt es häufig zu einer bakteriellen Überbesiedelung, die zu chronischem Durchfall und damit zu einem schlechten Ernährungszustand führen kann. Im Dickdarm tritt eine Abnahme der Bifidobakterien ein, die vor allem Kohlenhydrate spalten und eine Abwehrfunktion haben. Die Kämpfer gegen fremde Keime werden also immer weniger. Das wirkt sich auf die allgemeine Immunabwehr aus. Dadurch befinden sich ältere Menschen ständig in einem leichten Entzündungszustand, der u.a. zu einem Abbau von Muskelmasse, von kognitiven Leistungen und einer Veränderung des Appetitverhaltens führt. Geruchs- und Geschmackssinn gehen verloren, ältere Menschen ernähren sich deshalb oft zu wenig oder falsch. Auch wird zu wenig darauf geachtet, dass gerade ältere Menschen eine proteinreiche Kost brauchen.

Der Beitrag von Nahrungsergänzungsmitteln

„Nahrungsergänzungsmittel können hinsichtlich eines gesunden Alterungsprozesses einen wertvollen Beitrag leisten“, betonte Kogard. „Nahrungsergänzungsmittel sind klar als Ergänzung einer normalen Ernährung definiert und umfassen eine Vielzahl von Inhaltsstoffen.“ Dabei handelt es sich um Mikronährstoffe, sekundäre Pflanzeninhaltstoffe und pflanzliche Extrakte. Bei chronischen Erkrankungen und erhöhtem Bedarf, wie dies im Alter zu beobachten ist, können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein, um Nährstoffdefizite auszugleichen und das Risiko eines Nährstoffmangels zu verringern. „Auffallend ist“, so Kogard, „dass jeder zweite Kunde in der Apotheke, der nach derartigen Ergänzungsmitteln fragt, 60 Jahre und älter ist. Als häufigste Anwendungsbereiche werden körperliche Gesunderhaltung, Erkältung, Knochenstärkung, Ausgleich von Defiziten und Mängeln in der Ernährung, Gesundheitsbewusstsein, Schutz vor Krankheiten angegeben.“

Bequemlichkeit siegt auch in der Ernährung

Schon jeder zweite Österreicher greift heute regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln, jeder zehnte konsumiert sie sogar täglich. Bei der Alternative Nahrungsergänzungsmittel oder frisches Obst und Gemüse, fällt die Wahl zugunsten des Ergänzungsmittels oft aus Bequemlichkeit. Die Pille/Kapsel/Trinklösung ist schnell geschluckt und damit auch das schlechte Gewissen beruhigt, zu wenig für die Gesundheit zu tun.

Doch so einfach ist das nicht. Die Bioverfügbarkeit der einzelnen Nährstoffe sei in der natürlichen Zusammensetzung und im Zusammenwirken von Naturfrüchten nämlich bedeutend besser als in Nahrungsergänzungsmitteln, sagen Ernährungswissenschafter, wie Prof. Dr. Kurt Widhalm. Er empfiehlt daher eine ausgewogene Mischkost. Denn: Vitamine, Mineralien und Spurenelemente seien keine Einzelkämpfer, sondern Hand in Hand-Werker und erzielen so eine komplexere Wirkung, die einzelne Tabletten kaum erreichen können.

Wovon alte Menschen profitieren

Sinnvoll ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln freilich in unterschiedlichen Fällen. Sie helfen vor allem Menschen, die sich im Alter nicht mehr richtig ernähren. Dies lässt sich mittels Blut- und Harnanalysen feststellen. So ergab beispielsweise die Auswertung von 1000 Vitamin D Blutspiegelmessungen bei 85 Prozent der Probanden einen Vitamin D Mangel. Dieser Mangel führt nicht nur zu Knochenerkrankungen bis zu Osteoporose, sondern begünstigt auch das Auftreten von Immunkrankheiten. Vor allem bei Krebspatienten besteht ein hoher Mangel an Vitamin D, die Chemotherapie ist, ebenso wie das Rauchen, ein Vitaminschlucker.

Vitamin C wird für einen Alleskönner gehalten. Der Siegeszug der Zitrone beginnt bereits im 18. Jahrhundert, als eine Gruppe von Seeleuten, die unter Skorbut litten, Zitrusfrüchte erhielten und geheilt wurden. Heute weiß man, dass Vitamin C auch die Abwehr von freien Radikalen unterstützt und vor allem Patienten mit einer Chemotherapie hilft, weil sie besser ansprechen und die Nebenwirkungen gesenkt werden. Auch bei Herz-Kreislauferkrankungen erzielt Vitamin C positive Effekte.

„Mikronährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die für die Geriatrie besondere Bedeutung haben, sind u.a. auch Vitamine der B-Gruppe, Antioxidantien, Vitamin D, Mineralstoffe wie Magnesium, Spurenelemente wie Zink und Selen sowie die Fettsäuren Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure sowie einige Aminosäuren. Zu den sekundären Pflanzeninhaltstoffen zählen die Flavonoide Quercetin, Curcurmin, Carotinoide, Lutein und Zeaxanthin. Auch den Nährstoffen Calcium, β-Carotin, Zink und Vitamin D kommt besondere Bedeutung zu,“ berichtet Kogard. Laut dem österreichischen Ernährungsbericht sind alte Menschen vor allem mit den Vitaminen B12, B6, Folsäure und Eisen nur unzureichend versorgt.

Bei der Auswahl den Apotheker fragen

Es ist für einen alten Menschen aufgrund der übergroßen Auswahl schon nicht einfach, frische Orangen oder grünen Salat zu kaufen, obwohl er ja die Ware im Geschäft sieht. Sich bei der Vielzahl der angepriesenen Nahrungsergänzungsmittel zurechtzufinden, ist eine Herausforderung. Hier ist die Beratung seitens des Apothekers von ganz besonderer Bedeutung: Er kennt den Kunden vielleicht schon, weiß, welche Medikamente er einnimmt und kann bei der richtigen individuellen Auswahl helfen, oder auch von einem Produkt abraten. Das setzt natürlich voraus, dass der Apotheker über profunde Informationen verfügt und das Vertrauen seines Kunden gewinnt – eine zusätzliche Aufgabe an der Tara. „In Anbetracht dessen, dass der Ernährungsstatus auch den Schweregrad und die Prognose einer Krankheit, vor allem aber die Lebensqualität wesentlich beeinflusst, ist diese Kommunikation mit dem Kunden und seine Beratung besonders wichtig“, fasste Kogard zusammen.

Quelle: Wissenschaftliche Fortbildung der Österreichischen Apothekerkammer, Schladming, 6. bis 10. März 2016

Gerta Niebauer, Apotheker Plus 4/2016

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