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Nicht gesund: Sein Arbeitsleben permanent gegen den eigenen Chronorhythmus zu führen.
 
Allgemeinmedizin 26. April 2016

„Eule“ oder „Lerche“

Die Auswirkungen des gestörten chronobiologischen Rhythmus

Der Eine ist schon morgens tatendurstig, der andere steht lieber erst zu Mittag aus seinem Bett auf. Egal ob „Lerche“ oder „Eule“ – wer wegen seiner Arbeit oder anderer Verpflichtungen seinen inneren Rhythmus verändern muss, lebt ungesund.

Der Chronotyp bestimmt, ob jemand zu den Frühaufstehern gehört oder zu den Langschläfern. Je nachdem, welcher Gruppe man angehört, ist es leichter oder schwerer, sich gewissen sozialen Zwängen, insbesondere einem Arbeitsalltag, der frühes Aufstehen erfordert, zu beugen.

Wissenschaftler von der Universität Pittsburgh untersuchten, ob es der Gesundheit schadet, sein Arbeitsleben im permanenten Jetlag, also entgegen der inneren Uhr zu führen, oder ob es in erster Linie Begleitmechanismen wie schlechter Schlaf oder eine ungesunde Lebensweise sind, die metabolische Entgleisungen verursachen.

Länger wach vor arbeitsfreien Tagen

447 gesunde Erwachsene nahmen an der Phase II-Studie des Adult Health and Behavior Projects (AHAB-II) teil. Die zwischen 30 und 54 Jahre alten Personen arbeiteten mindestens 25 Wochenstunden – regelmäßig und nicht im Schichtdienst. Ein interessantes Ergebnis war auch, dass 84,8 Prozent der Studienteilnehmer vor arbeitsfreien Tagen im Mittel später zu Bett gingen und dafür länger schliefen als während der Arbeitswoche. Das heißt, ihr zirkadianer Rhythmus verschob sich jeweils zu Beginn der Arbeitswoche notgedrungen nach vorne. Nur bei 15,2 Prozent war es umgekehrt: Hier rückten die Zu-Bett-Geh- und Aufstehzeiten am Wochenende auf einen früheren Zeitpunkt und verzögerten sich dann wieder zum Wochenbeginn.

Der Kategorie „Eule“ wurden vor allem jüngere Teilnehmer zugerechnet. Diese gingen nicht nur später zu Bett und wachten später auf, sondern hatten im Mittel auch eine schlechtere Schlafqualität und ein größeres Schlafdefizit; außerdem bewegten sie sich weniger und litten häufiger unter depressiven Symptomen.

Schlechtere Fettwerte. Der zirkadiane Rhythmus war eindeutig mit bestimmten Stoffwechselcharakteristika verknüpft. So maß man bei Teilnehmern vom abendlichen Chronotyp „Eulen“ im Mittel deutlich höhere Triglyzerid- und niedrigere HDL-Cholesterin-Werte. Dies galt auch dann, wenn man demographische Faktoren und Schlafcharakteristika berücksichtigte.

Weitere Parameter. Ein sozialer Jetlag korrelierte nicht nur mit Triglyzeriden, sondern mit einer ganzen Reihe anderer Stoffwechselparameter wie Nüchterninsulin, Insulinresistenz, Taillenumfang und Body Mass Index. Dabei wurde das Entgleisungsrisiko immer größer, je mehr der soziale Jetlag zunahm.

Diese Zusammenhänge, so die Forscher, blieben auch dann bestehen, wenn man ungesundes Verhalten, also hohen Alkoholkonsum, Rauchen und wenig Bewegung, sowie depressive Symptomatik als Einflussfaktoren herausrechnete.

In jungen Jahren „Eule“ – später „Lerche“

Generell findet sich der „Eulen“typ vor allem in der Altersgruppe der jungen Erwachsenen. Mit fortschreitendem Lebensalter verlagert sich der Chronotyp mehr in Richtung „Lerche“. In dem untersuchten Studienkollektiv mittleren Alters entsprachen daher nur 4,9 Prozent den Kriterien für den abendlichen Chronotyp, mit einem Wert von höchstens 26 auf der Composite Morningness Scale (CSM). Der Großteil waren „Lerchen“. Auf diesen Umstand führen die Wissenschaftler zurück, dass die Abweichung vom Biorhythmus während der Arbeitswoche im Mittel nur 44 Minuten betrug. In der Gesamtbevölkerung könnte sich dieser systemisch erzwungene „Jetlag“ deutlich stärker auf das metabolische Risiko auswirken, vermuten die Autoren.

Langzeitfolgen: Diabetes und KHK

Viele Stoffwechselabläufe unterliegen einer zirkadianen Rhythmik, so die Fettakkumulation in adipösem Gewebe, die Insulinsekretion in Pankreas und Leber sowie die Resorption von Nahrungsbestandteilen im Verdauungstrakt. Der Dauer-Jetlag bringt möglicherweise diese sensiblen zeitgesteuerten Mechanismen durcheinander, so die Folgerung der Forscher aus ihren Ergebnissen. Adipositas, Typ-2-Diabetes und arteriosklerotische Herz-Kreislauf-Schäden sind mögliche Langzeitfolgen.

Die Forscher hoffen, dass die Erkenntnisse der Studie sich präventiv nutzen lassen: durch Maßnahmen, die dazu beitragen, den Tagesablauf dem eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus besser anzupassen.

SpringerMedizin

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