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Allgemeinmedizin 26. April 2016

Bakterien im Harn

Keine Symptome, kein Antibiotikum

Schmerzen beim Wasserlassen und häufiger Harndrang sind typische Symptome einer Blasenentzündung. Meist verursachen Bakterien die Infektion. Bei einer schmerzhaften Blasenentzündung ist der Einsatz eines Antibiotikums oft sinnvoll – aber erst dann.

Der alleinige Nachweis von Bakterien im Harn ohne Symptome erfordert meist keine Behandlung. Dennoch verschreiben Ärzte häufig ein Antibiotikum. Im Rahmen der Initiative „Klug entscheiden“ hat die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) medizinische Leistungen benannt, die zu häufig oder aber zu selten fachgerecht erbracht werden. Mit den nun veröffentlichten, konkreten Handlungsempfehlungen zielt die Fachgesellschaft darauf ab, Über- und Unterversorgung in der Infektiologie zu reduzieren, die Entwicklung von Resistenzen einzudämmen und die Patientenversorgung zu verbessern.

Routineuntersuchungen weisen mitunter Bakterien im Urin nach. „Dies kann unterschiedliche Ursachen haben und kommt bei Frauen häufiger vor als bei Männern“, so Priv.-Doz. Dr. Norma Jung, von der Univ.-Klinik Köln: „Behandlungsbedürftig sind Bakterien im Urin nicht – erst wenn typische Beschwerden einer Harnwegsinfektion, also einer Blasenentzündung bestehen, sollte eine Therapie eingeleitet werden.“ Eine vorsorgliche Antibiotikabehandlung verhindere nicht, dass sich aus dem symptomlosen Auftreten von Bakterien eine symptomatische Harnwegsinfektion entwickle. Von dieser Regel gibt es nur wenige, definierte Ausnahmen: Wenn sich während einer Schwangerschaft oder vor einem urologischen Eingriff Bakterien im Urin nachweisen lassen, sollte auch ohne konkrete Krankheitszeichen eine Antibiotikatherapie eingeleitet werden.

Entscheidungshilfe für Therapie

Der fachgerechte Umgang mit dem asymptomatischen Auftreten von Bakterien im Harn ist ein Aspekt, mit dem sich die DGI im Rahmen der Initiative „Klug entscheiden in der Infektiologie“ befasst. Die Initiative wurde 2014 von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) ins Leben gerufen, um Über- und Unterversorgung in der Medizin zu identifizieren. Die Empfehlungen richten sich in der ersten Stufe an Ärzte, liefern aber auch Patienten hilfreiche Informationen – etwa wenn es darum geht, eine bestimmte Behandlung zu beginnen oder eben nicht.

Quelle: Presseaussendung DGIM

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