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Allgemeinmedizin 26. April 2016

Eine vielschichtige Angelegenheit

Nagelpilz und Nährstoffmangel können Nägeln ordentlich zusetzen

Schöne, feste Fingernägel sind für viele Frauen wichtig – sie stehen für Attraktivität und Gesundheit. Erst eine Beeinträchtigung der Nägel macht vielen bewusst, dass sie auch praktische Funktionen haben.

Der sichtbare Teil der Nägel, die Nagelplatte, ist aufgebaut aus ca. 150 übereinanderliegenden Keratinschichten. Darunter liegt das Nagelbett, das über die Nagelwurzel oder -matrix (Lunula), den weißen Halbmond am unteren Ende des Nagels, mit der Haut verbunden ist. Hier finden die Versorgung des Nagels mit Nährstoffen und das Wachstum statt: Die oberen Zellen der Lunula verhornen nach dem Absterben und schieben die Nagelplatte nach vorne. Da sie an drei Seiten in den Nagelwall (Perionychium) eingebettet ist, ist das die einzig mögliche Wuchsrichtung. Die Nagelhaut, die das Eindringen von Bakterien und Pilzen verhindert, deckt das untere Ende des Perionychiums ab.

Nur wenige Pilzspezies können Nagelpilzerkrankungen (Onychomykosen) auslösen: Zu mehr als 20 Prozent sind dies Dermatophyten, und unter diesen die Fadenpilze Trichophyton rubrum, T. mentagrophytes, Epidermophyton floccosum. In etwa 20 Prozent der Fälle können Hefen wie Candida albicans und C. parapsilosis nachgewiesen werden. Sie ernähren sich von Keratin und bauen es aus der Nagelsubstanz ab – Strukturveränderungen mit brüchiger, krümeliger, verdickter Oberfläche sind ebenso die Folge wie Farbveränderungen die weißliche, gelbe und/oder braune Varianten annehmen können. Die Nagelplatte lockert sich und kann sich sogar ganz vom Nagelbett abheben.

Eine Infektion wird begünstigt durch eine vorgeschädigte Haut, ein feuchtwarmes Hautklima, eine geschwächte Immunabwehr und/oder eine Stoffwechselerkrankung wie Diabetes mellitus. 90 Prozent der Nagelpilzinfektionen betreffen Fußnägel. Ursache für den wesentlich selteneren Fingernagelpilz ist oft eine unsachgemäße Maniküre, etwa durch Wegschneiden der Nagelhaut, den Einsatz acetonhaltiger Lösemittel oder zu häufiges Feilen. Das Aufbringen künstlicher Fingernägel kann dazu führen, dass sich Pilze in Luftbläschen im Klebstoff ansiedeln. Erscheint der Nagel nach dem Ablösen der „Tips“ dunkelgrün, liegt wahrscheinlich eine bakterielle Infektion durch Pseudomonas aeruginosa vor. Hier behandelt der Dermatologe lokal antiseptisch und ggf. oral mit Ciprofloxacin.

Ist nur der obere Teil des Nagels betroffen, ist eine Behandlung mit einer Creme oder einem Lack erfolgversprechend. Wichtig ist dabei, dem Betroffenen zu verdeutlichen, dass er mindestens drei, besser sechs Monate durchhalten muss, damit sich der Nagel einmal vollständig erneuern kann. Zur Sicherheit sollte der Pilzbefall zudem beim Hautarzt bestätigt werden.

Therapiemöglichkeiten

Zehn bis 30 Prozent aller Menschen sind davon betroffen, und doch wird über Nagelpilz ungern gesprochen. Bleibt eine Onychomykose allerdings unbehandelt, kann der Pilz den Nagel vollkommen zerstören und auf andere Nägel übergreifen. Bei Onychomykosen kommt grundsätzlich eine topische oder systemische Therapie in Betracht. In der Selbstmedikation haben Topika ihren Platz, überwiegend in Form von Nagellack. Wirkstoff in den Nagellacken ist entweder Amorolfin (5%), das in die Ergosterol-Synthese der Pilze eingreift, oder Ciclopirox (8%), ein Hydroxypyridon-Antimykotikum, das u. a. Komplexe mit trivalenten Metallionen (Fe3+,Al3+) bildet und so enzymatische Reaktionen in der Pilzzelle stört.

Zur atraumatischen Nagelentfernung werden wiederum hoch konzentrierte Harnstoffzubereitungen (40%) als Salbe täglich auf den betroffenen Nagel aufgetragen und mit einem Pflaster luftdicht abgedeckt. Nach ein bis drei Wochen lässt sich so die erweichte Nagelsubstanz entfernen, es folgt dann eine topische antimykotische Behandlung mit Bifonazol (1%).

Alternativ kann der Arzt orale Präparate mit Terbinafin, Itraconazol, Griseofulvin oder Fluconazol verordnen.

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