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Allgemeinmedizin 26. April 2016

Akute Wunden gut versorgen

Blutung stillen, Infektion verhindern, Heilung fördern

Mit etwa zwei Quadratmetern Oberfläche ist die Haut das größte menschliche Organ. Aufgebaut ist sie aus mehreren Schichten, die fest miteinander verbunden sind. Bei einem tiefen Schnitt beispielsweise in den Finger werden – von außen nach innen – die Epidermis (Oberhaut), das Korium (Dermis, Lederhaut) und die Subkutis (Unterhaut, Unterhautfettgewebe) durchtrennt. Da dabei zahlreiche, auch größere Blutgefäße durchtrennt werden können, bluten die Verletzungen oft stark.

Drei Phasen. Die Heilung einer unkomplizierten Wunde dauert etwa 21 Tage und verläuft in drei sich zeitlich überlappenden Phasen. In der Reinigungsphase sondert die Wunde große Mengen Wundsekret ab, dadurch wird das Wundbett mechanisch gereinigt. Freigelegte Nervenendigungen und die Einwanderung von Entzündungsmediatoren sind Ursache für die typischen Entzündungszeichen Überwärmung, Rötung, Schwellung und Wundschmerz. Die Gerinnungskaskade sorgt zugleich für die Blutstillung. Auch die Immunabwehr kommt in Gang.

Binnen 24 Stunden entsteht ein Fibrinnetz, das als Basis für die proliferativen Prozesse der darauf folgenden Granulationsphase dient: Feine Blutgefäße wachsen in das Wundgebiet hinein, Fibroblasten bilden neues kollagenes Bindegewebe – der Wundverschluss wird eingeleitet. Etwa ab dem sechsten bis zehnten Tag beginnt die Epithelisierungsphase: Die kollagenen Fasern kontrahieren, das Granulationsgewebe wird zunehmend wasser- und gefäßärmer, festigt sich und bildet sich eventuell zu Narbengewebe um.

Therapiemöglichkeiten

Mit zwei Fragen lässt sich ein erstes Bild gewinnen: „Wann ist es passiert, und was haben Sie getan, außer, die Wunde zu verpflastern?“. „Nehmen Sie Dauerarzneien, z. B. Blutverdünner?“

Reinigen. Schnittwunden reinigen sich durch die starke Blutung weitgehend selbst. Unterstützend können sie mit trinkbarem Leitungswasser ausgewaschen werden; bei höherem Infektionsrisiko (z. B. bei Verletzung durch ein Gartengerät) ist eine Desinfektion sinnvoll – gängige antiseptische Wirkstoffe sind Polyhexanid, Octenidin, Povidon-Jod. Ein oder mehrere Wundnahtstreifen fixieren die Wundränder aufeinander und tragen zur Blutstillung bei, auch spezielle Fingerpflaster sorgen durch das „Einwickeln“ des Fingers mittels eines längeren Haftstreifens für Kompression. Zudem hilft es, den verletzten Finger hochzuhalten – die Blutung wird schneller gestoppt.

Schützen. Ein Heftpflaster mit antiseptisch imprägnierter oder silberbeschichteter Wundauflage schützt die Wunde vor Verschmutzung. Infiziert sie sich dennoch, verlängert sich die Reinigungsphase. Die charakteristischen Symptome – Rötung, Schwellung, Schmerzen und Überwärmung – bleiben bestehen, gegebenenfalls siedeln sich eiterbildende Erreger an. Der Wundverschluss verzögert sich. In der Selbstmedikation steht bei einer Wundinfektion nur das lokale Antibiotikum Tyrothricin zur Verfügung.

Heilen. In der Granulations- und Epithelisierungsphase unterstützt ein feuchtes Wundmilieu den Heilungsprozess – durch „Luft dran lassen“ entsteht Schorf, der die Heilung eher behindert. Feuchtigkeitsspendende Hydrogele und Hydrogel-Pflaster begünstigen daher den Wundverschluss, wirken schmerzlindernd und sorgen durch geringe Adhäsion für einen reibungslosen Verbandwechsel. Im weiteren Verlauf können Zubereitungen mit Dexpanthenol, Zink und pflanzlichen Extrakten die Wundheilung unterstützen.

Hilfe durch den Arzt

Starke Schmerzen oder ein Taubheitsgefühl sowie Bewegungseinschränkungen weisen auf die Verletzung von Nerven und Sehnen, eine pulsierende Blutung auf eine Arteriendurchtrennung hin – hier ist ein chirurgischer Eingriff nötig. Ist die Wunde stark verschmutzt bzw. infiziert, oder befinden sich Fremdkörper darin, muss sie fachmännisch gereinigt werden, eventuell wird antibiotisch behandelt. Und egal, ob große oder kleine Verletzung – zur Therapie jeder Schnittwunde gehört die Erinnerung an den Tetanusschutz!

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