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Die Kniegelenksarthrose gilt heute auch als metabolische Krankheit.
 
Allgemeinmedizin 26. April 2016

Schutz für das Kniegelenk

Komplexe Nährstoffkombination als Beitrag zur modernen Arthrosetherapie

Die Arthrose des Kniegelenks ist die häufigste Erkrankung des Bewegungsapparats. Mit einer komplex zusammengesetzten, ergänzenden, bilanzierten Diät (EBD) können die Symptome bei sehr guter Verträglichkeit mit sehr guter Wirksamkeit und statistisch signifikanter Überlegenheit gegenüber Placebo behandelt werden, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Beinahe 100 Prozent der über 70-Jährigen weisen eine radiologisch nachweisbare Arthrose auf, mit der Kniegelenksarthrose (Gonarthrose) als häufigster Form. Zehn bis 15 Prozent der Betroffenen leiden unter Schmerzen und Bewegungseinschränkung. Die individuellen wie volkswirtschaftlichen Auswirkungen dieser Abnützungserscheinung sind beträchtlich. Als Risikofaktoren für die degenerative Veränderung gelten neben dem Alter, dem Geschlecht und genetischen Faktoren auch mangelnde Bewegung, erhöhtes Körpergewicht, größere und kleinere Verletzungen sowie resezierende Gelenkeingriffe. Vor allem die Adipositas wird heute als wesentlicher Faktor angesehen, der das Fortschreiten der Arthrose beschleunigt – nicht nur durch die Überlastung der Gelenke, sondern auch durch die Entzündungsmediatoren aus dem Fettgewebe.

Gelenksabnützung als metabolische Erkrankung

Diese Erkenntnisse haben dazu geführt, dass die Arthrose auch als Entzündungs- bzw. Metabolische Erkrankung angesehen wird. Folgerichtig stützen sich Behandlungskonzepte für die Arthrose aktuell auf einen ernährungsmedizinischen Ansatz. Beispielsweise konnte mit einer vegetarischen Vollwertkost, verglichen mit einer herkömmlichen, fleischreichen „westlichen“ Kost, eine signifikant stärkere Verbesserung der Gelenkbeschwerden und des allgemeinen körperlichen Wohlbefindens der Probanden erreicht werden. Dabei zeichnete sich die Vollwertkost durch einen hohen Anteil an Beta- und Alpha-Carotin, Lycopin, Lutein sowie Vitamin C und E aus.

In der Behandlung der Gonarthrose sind einerseits die Gewichtsreduktion und physikalische Methoden etabliert, andererseits flankierende medikamentöse Maßnahmen inklusive einer Reihe ernährungsmedizinischer Substanzen. Sie sollen durch die Versorgung mit Nährstoffen den Knorpel schützen. Dazu zählen z.B. Chondroitinsulfat, Glucosaminsulfat und (orale) Hyaluronsäure. Unter anderem hemmen sie die Entzündung, blockieren Schmerzrezeptoren und können möglicherweise die viskoelastischen Eigenschaften der Synovia beeinflussen. Auch eine Unterstützung des Gewebeunterhalts und eine Verlangsamung des Knorpelabbaus werden diskutiert. Als Nährstoffe mit „chondroprotektiven“, antioxidativen und antiinflammatorischen Effekten gelten auch Kollagenhydrolysat, Omega-3-Fettsäuren und die Vitamine E und C.

Mit EBD zu häufigerer Besserung der Beschwerden

Die symptomatische Wirksamkeit und der ernährungsmedizinische Nutzen einer EBD, die sowohl aus den Substanzen Glucosaminsulfat, Chondroitinsulfat, Hyaluronsäure und Kollagenhydrolysat sowie aus Omega-3-Fettsäuren und Mikronährstoffen wie Mineralstoffen und Vitaminen zusammengesetzt ist, wurde von Heisel, Förster & Schlieper untersucht. Verglichen wurde die EBD, die als diätetisches Lebensmittel zur diätetischen Behandlung von arthrotischen Gelenkveränderungen entwickelt wurde, mit Placebo bei 366 Gonarthrose-Patienten zwischen 18 und 80 Jahren beiderlei Geschlechts. Die prospektiv angelegte, randomisierte und placebokon-trollierte Doppelblindstudie wurde über einen Zeitraum von drei Monaten durchgeführt.

Am Ende der Behandlungsphase beurteilten 66,3 Prozent der Patienten in der Verumgruppe ihre Situation mit „gebessert“ oder „sehr gebessert“ verglichen mit 57,1 Prozent in der Placebogruppe. Bei der Beurteilung der Besserung durch die Ärzte fiel der Unterschied noch größer aus: Sie bewerteten bei 71,9 Prozent der Patienten in der Verumgruppe eine „gebesserte“ oder „sehr gebesserte Situation verglichen mit 53,6 Prozent in der Placebogruppe. Unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit der jeweiligen Behandlung traten bei insgesamt 6,6 Prozent der Patienten auf. Diese waren zumeist im Gastrointestinaltrakt lokalisiert, durchwegs leicht und ohne signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Klinisch relevanter Unterschied

„Über einen Behandlungszeitraum von drei Monaten konnte gezeigt werden, dass die EBD einen gegenüber Placebo statistisch signifikanten und klinisch relevanten symptomatischen Unterschied aufwies, dies bei vergleichbar sehr guter Verträglichkeit in beiden Behandlungsgruppen“, so die Autoren. Damit leistet die diätetische Therapie mit „Chondroprotektiva“ und Mikronährstoffen einen Beitrag zur modernen Arthrosetherapie. „Es steht“, so Heisel, Förster & Schlieper, „mit der hier eingesetzten EBD eine ernährungsmedizinische Option zur Verfügung, aus deren Aufnahme Arthrosepatienten einen klinischen Nutzen ziehen können.“

Quelle: Heisel J, Förster KK, Schlieper P. Diätetische Behandlung der symptomatischen Kniegelenkarthrose – Ergebnisse einer placebokontrollierten Doppelblindstudie. OUP 2015; 07: 388–394; DOI 10.3238/oup.2015.0388–0394

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