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Allgemeinmedizin 17. November 2005

BRCA-Testung ist Routine

Das Mammakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in vielen industrialisierten Ländern. Die meisten basieren auf einer zufälligen Häufung von Risikofaktoren, etwa 5 bis 10 Prozent sind auf Vererbung zurückzuführen.

Seit der Entdeckung der ersten beiden Brustkrebsgene BRCA 1 und BRCA 2 Mitte der 90-er Jahre gibt es eine rege Forschungstätigkeit. Österreich war unter den Ersten: 1994 startete ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Ernst Kubista und Prof. Dr. Theresa Wagner im Wiener AKH. Bis heute haben sie ein österreichweites Netz mit 27 Beratungsstellen (siehe www.brust.cc/serviceindex.html) aufgebaut. Bis Ende 2003 sind hier 1.730 Personen und 1.043 Familien untersucht worden. Bei 315 Personen (282 Frauen und 33 Männer) wurde eine Mutation festgestellt.
Insgesamt haben bisher 2.512 Familien eine der Beratungsstellen aufgesucht. Viele von ihnen müssen aber auf die Untersuchung noch lange warten. Denn es fehlt das Geld. „Bisher stammte die Finanzierung zum größten Teil aus dem Forschungsbudget der Abteilung für Spezielle Gynäkologie“, sagt Kubista. Doch nun sei die Zahl der Untersuchungswilligen so gestiegen, dass die Mittel nicht mehr ausreichen. „Außerdem sollen wir mit demForschungsbudget etwas anderes machen.

„Die BRCA-Testung ist keine Forschung mehr, sondern eine Routineuntersuchung“, so der Gynäkologe. Seinen Finanzierungsbedarf beziffert er mit rund 550.000 Euro pro Jahr. Diese sollten seiner Meinung nach von der Sozialversicherung getragen werden, denn die genetische Beratung und Untersuchung von Hochrisikopatienten sei ihre Aufgabe, betont Kubista.
Das stellt man im Hauptverband der Sozialversicherungsträger auch gar nicht in Abrede und streut dem Projekt zudem auch noch Rosen. Man ist jedoch der Auffassung, dass die Kosten für die BRCA-Testung und Beratung über die Pauschalbeiträge der Sozialversicherung an die Spitäler (LKF-Finanzierung) abgedeckt seien. Die Krankenkassen träfe daher keine weitere Zahlungsverpflichtung. Abgesehen davon, gibt es noch einige extramurale Institute, die einen Kassenvertrag haben. Hier werden jedoch in erster Linie Leistungen der Pränataldiagnostik und Zytogenetik erbracht und abgerechnet, betont man in der Sozialversicherung. Gegen neue Verträge mit niedergelassenen Instituten wehrt sich der Hauptverband jedoch seit Jahren.

Wie so oft, droht auch hier ein Projekt an den irrwitzigen Zahlungsstreitereien zwischen intramuralem und extramuralem Bereich zu scheitern. Aus dem Ministerium gibt es jedoch positive Signale, dass die Sache bald geregelt sein könnte. „Hinter den Kulissen wird das Thema bereits seit längerem besprochen. Es gibt ein Einvernehmen darüber, dass man eine Lösung braucht“, sagte Sektionsschef Dr. Hubert Hrabcik auf Anfrage der ÄRZTE WOCHE.

Tests in Kompetenzzentren

Das kommende Jahr sei günstig, weil eine Gesundheitsreform bevorstehe und auch eine neue Vereinbarung (Art. 15a) zur Krankenanstaltenfinanzierung abgeschlossen werden müsse, so der Sektionsleiter. Für ihn sei es auch denkbar, die Gentestung in ein österreichweites Mammascreening-Programm einzubetten. Fest steht laut Hrabcik jedoch, dass die molekulargenetische Analyse auserwählten Kompetenzzentren vorbehalten sein soll.
Im Hintergrund spielt sich allerdings schon seit längerem eine heftige Diskussion zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen darüber ab, wem denn die molekulargenetischen Analysen „gehören“: Gynäkologen, Humanbiologen oder Onkologen? „Es geht ja nicht nur um den Brustkrebs, sondern auch um andere Tumore“, argumentiert Prof. Dr. Michael Krainer von der Abteilung für Klinische Onkologie im Wiener AKH.

Methode der Sequenzierung

Hier wurden in den vergangenen Jahren ebenfalls Strukturen zur Gentestung aufgebaut. Verwendet wird hier eine andere Methode: Die Sequenzierung, die nach wie vor als der „Gold-Standard“ gilt und auch für die Untersuchung der Dickdarmkrebsgene eingesetzt wird. An der Abteilung für Spezielle Gynäkologie wird das DHPLC(Denaturing High Performance Liquid Chromatography)-Verfahren angewendet.
„Wir sind dabei, die Sequenzierung zu perfektionieren und damit preisgünstiger zu machen“, sagt Krainer. An seinem Institut wolle man die Testung aber erst in großem Umfang durchführen, wenn die Finanzierung geklärt sei. Nach Ansicht Krainers sei es keinesfalls wünschenswert, die Krebs-Gentestung nur an einer einzigen zentralen Stelle zu konzentrieren. „Konkurrenz ist notwendig, um Qualität zu erreichen“, betont er. Seine Vorstellung: Ein paar Zentren sollten nebeneinander bestehen und in der Qualitätskontrolle zusammen arbeiten. „Es ist doch einfach unvorstellbar, dass es in Österreich ein Monopol für eine medizinische Untersuchung gibt.“

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 3/2004

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