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Allgemeinmedizin 17. November 2005

Scheinindikationen und mündige Patienten

Zwei Seiten hat jede Medaille. In der Medizin kollidieren mitunter die Interessen der Industrie mit jenen der Wissenschaft. Dr. Barbara Valenta, Medical Director von Pfizer Austria, und Prof. Dr. Hans Winkler, Vorstand des Institutes für Pharmakologie an der Uni versität Innsbruck, beantworten im Pro und Contra zwei „heikle“ Fragen.

Wie beurteilen Sie das Thema „Scheinindikationen“?

Valenta: Scheinindikationen gibt es nicht. Sie sind in Österreich durch das Zulassungsverfahren nicht möglich. Ich möchte allerdings nicht ausschließen, dass bestehende Indikationen ausgedehnt werden, um neue Anwendungsgebiete für zugelassene Medikamente zu schaffen. Winkler: Für mich beginnt die Schein-innovation dort, wo versucht wird, eine bestimmte, möglicherweise sehr seltene Indikation auf eine große Gruppe auszudehnen, siehe mein Beispiel Colon irritabile.

Welchen Stellenwert hat der mündige Patient im Gesundheitswesen?

Valenta: Es ist wichtig, dass der Patient sich seiner Eigenverantwortung bewusst wird. Das geht aber nur, wenn er informiert ist. Hier sollte die Möglichkeit geschaffen werden, dass sich der Patient auch über Erkrankungen und Therapien informieren kann, etwas, das den Pharmaunternehmen derzeit nur eingeschränkt möglich ist. Man muss dem Patienten auch sagen, was ein Medikament kostet, und dass er selber – auch materiell - etwas zum Gesundheitssystem beitragen muss. Winkler: Wenn der Patient einen guten Arzt hat, dann braucht er die Mündigkeit nicht, viele wären damit auch überfordert. Es ist für den Patienten auch schwierig, an objektive Informationen heranzukommen. Die Ärzte und Apotheker müssen mittels objektiver Publikationen auch besser informiert werden, damit sie diese Informationen dann an die Patienten weitergeben können.

Stefanie Melicharek, Ärzte Woche 2/2004

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