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Allgemeinmedizin 23. März 2016

Hand in Hand mit dem Apotheker

Bessere Lebensqualität für Krebspatienten durch Zusammenarbeit der Betreuungsakteure.

Der stationäre Aufenthalt von Patienten wird immer kürzer, die weitere Behandlung kann in vielen Fällen auch zuhause durchgeführt werden, die Medikamente können in der Apotheke abgeholt werde. Das verlangt ein umfangreiches Wissen des pharmazeutischen Personals in der Apotheke, ganz besonders aber auch eine persönliche Beratung des Patienten.

Er hat schon längere Zeit die Apotheke nicht besucht, jetzt kommt er mit seiner Frau: Herr Gärtner – müde, mürrisch, depressiv. So stellt Mag. pharm. Christine Labut, Apothekerin aus Wien, einen Patienten vor, der nach der Diagnose „fortgeschrittener Lungenkrebs“ im Krankenhaus eine Chemotherapie erhalten hat. Nun kommt er mit der bei der Entlassung erhaltenen Verschreibung in die Apotheke.

„Ich muss wissen, wo mein Patient steht, hat er die Erkrankung angenommen, weiß er darüber Bescheid oder ignoriert er die Diagnose, wie kommt er mit den Nebenwirkungen zurecht?“ zählt Labut die Eckpunkte auf, die für die persönliche Beratung des Krebspatienten mit seiner oft komplexen Therapie, wichtig sind. Vorrangiges Ziel müsse es sein, den Patienten bei seiner Therapie zu unterstützen und ihm die Sinnhaftigkeit zu erklären. So wird es ihm auch leichter gelingen, die Nebenwirkungen zu akzeptieren.

Freizeitbetätigung: Sport hilft

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Fatigue, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Depression, Antrieblosigkeit, bei Strahlentherapie kann es auch zu Durchfall kommen. Vorerst sind es ganz einfache Möglichkeiten, die dem Patienten helfen können: Kräfte einteilen, Energie sparen, körperliche Aktivität, Verhaltenstherapie. Zu den medikamentösen Maßnahmen zählen Phytopharmaka wie Ginseng, Guarana, Kortikosteroide, Off-label Stimulantien, z.B. Modafinil, oder auch hochdosierte physiologische Bakterienpräparate, um die Darmflora zu normalisieren.

Um die fast obligatorische Übelkeit zu verhindern, wird Ondansetron als Antiemetikum oder Metoclopramid empfohlen. Allerdings kann bei geriatrischen Patienten Obstipation auftreten. Durch die Chemotherapie kann es in manchen Fällen zu einer Geschmacksveränderung und dadurch zu Appetitlosigkeit, Mundtrockenheit, Entzündung der Schleimhäute bzw. des Zahnfleisches kommen. Dazu einige Tipps der Pharmazeutin: Bittere Teesorten wie Salbei, Wermut oder Schafgarbe wählen, kleine Portionen mehrmals am Tag zu sich nehmen, zwischen den Mahlzeiten trinken, kohlensäurehaltige Getränke meiden. Gerade krebskranke Patienten brauchen eine solide Ernährung, reichlich Eiweiß und gesundes Fett, wenig Kohlenhydrate. Wichtig ist auch eine regelmäßige Mundpflege.

Bewegung gegen Stimmungstiefs

Bei Krebspatienten sind depressive Symptome zwei- bis dreimal so häufig als im Durchschnitt der Bevölkerung, beinahe 25 Prozent der Patienten leiden darunter. Dagegen empfehlen die Pharmazeuten stimmungsaufhellende Medikamente. Aber auch körperliche Aktivität kann über ein Stimmungstief hinweghelfen. Sehr häufig stellen Patienten die Frage, ob sie Sport betreiben können. „Nach den neuesten Daten ist körperliche Bewegung unter kontrollierten Bedingungen so wichtig wie ein Krebsmedikament“, betont Labut. Das Training soll dem Patienten angepasst und die Intensität maßgeschneidert sein. Regelmäßige Bewegung senkt die Komorbidität, steigert die Verträglichkeit der Medikamente und erhöht die Lebensqualität. Durch Bewegung wird überdies auch die Immunfunktion verbessert.

„Viele Patienten wollen mehr tun, als nur die Chemo und das Schlucken von Medikamenten befolgen. Hier ist besonders die Beratungskompetenz des Apothekers gefragt“, betont Mag. Dr. Alexander Hartl, Apotheker aus Wien. Da hilft sehr oft Training. „Wichtig ist aber, dass die Art und die Intensivität des Trainings mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.“ Als weiterer Vorteil von Sport in der Krebstherapie wird eine mögliche Verminderung von Rezidiven diskutiert. Schon eine Stunde schnelles Gehen könne bei Frauen mit Hormonrezeptor positivem Tumor die Rate senken.

Interaktion mit Medikamenten und Nahrungsmitteln

Bei Tumorpatienten kommen viele Faktoren zusammen, die das Risiko einer Interaktion von Medikamenten erhöhen. Sie müssen vielfach verschiedene Medikamente gegen Grundkrankheiten wie Kreislaufbeschwerden, Diabetes oder Rheuma einnehmen. „Dadurch sind 25 bis sogar 100 Prozent aller Tumorpatienten durch potentielle Interaktionen gefährdet“, erklärt Mag. pharm. Wilfried Büchler, Apotheker aus Wien. Eine Frage, die der Patient meist nicht mit seinem Arzt bespricht und die daher besonders der Apotheker stellen soll: Welche Nahrungsergänzungsmittel, welche Phytopharmaka nimmt er ein? Schon Johanniskraut, Grapefruit oder Knoblauch können mit Medikamenten interagieren oder die Bioverfügbarkeit stören. Auch das Rauchen zählt zu diesen Störenfrieden!

Die optimale Betreuung von Tumorpatienten, so war man sich jedenfalls einig, kann nur ganzheitlich, Hand in Hand mit Patient, Arzt und Apotheker erreicht werden.

Quelle: Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer unter dem Titel „Onokologie und Apotheke: Nebenwirkungen lindern“, 14. – 15. November 2015, Wien

Gerta Niebauer, Apotheker Plus 3/2016

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