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Allgemeinmedizin 23. März 2016

Überlastete Verdauung

Blähungen, Sodbrennen oder Magenkrämpfe sind typische dyspeptische Beschwerden.

Etwa zehn bis 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung leidet gelegentlich oder chronisch unter dyspeptischen Beschwerden. Viel und oft fettreiches Essen, wie es in breiten Bevölkerungsgruppen immer noch gerne genossen wird, verlangt dem Verdauungssystem Höchstleistungen ab, denen es nicht immer gewachsen ist.

Die funktionelle Dyspepsie, der Reizmagen, äußert sich in lange andauernden oder wiederkehrenden Oberbauchbeschwerden, die oft mit weiteren Symptomen wie Völlegefühl, Appetitlosigkeit, saurem oder nicht saurem Aufstoßen, Sodbrennen, Übelkeit, Blähungen, Magenkrämpfen, Durchfall oder Verstopfung einhergehen. Nach aktuellen Diagnosekriterien müssen die Beschwerden bei einer funktionellen Dyspepsie mindestens drei Monate im vergangenen halben Jahr bestehen. Zudem darf keine andere Krankheit wie ein Magengeschwür oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung vorliegen.

Langfristig lässt sich der funktionellen Dyspepsie am besten mit einer Umstellung der Essgewohnheiten und einer Reduktion von Stress entgegen wirken. Ein Magentagebuch hilft, persönliche Auslöser aufzuspüren und zu vermeiden. Kurzfristig lindern Medikamente die Symptome.

Selbstmedikation

Für das Beratungsgespräch ist es zunächst wichtig, das genaue Beschwerdebild abzuklären. Denn die funktionelle Dyspepsie geht mit vielen unterschiedlichen Symptomen einher, auf die die Therapie individuell abgestimmt werden sollte. Treten dyspeptische Beschwerden regelmäßig oder auch auf nüchternen Magen und nachts auf, ist ein Arztbesuch anzuraten.

Antazida

Bei gelegentlich auftretendem Sodbrennen und saurem Aufstoßen sind Antazida Mittel der Wahl. Sie neutralisieren überschüssige Magensäure. Die Einnahme erfolgt nach Bedarf, am besten eine Stunde nach den Mahlzeiten sowie gegebenenfalls vor dem Schlafengehen. Damit die Resorption anderer Arzneistoffe wie Bisphosphonate, Gyrasehemmer und Tetrazykline nicht beeinträchtigt wird, muss ein Einnahmeabstand von zwei Stunden eingehalten werden.

Protonenpumpenhemmer

Bei länger anhaltenden Symptomen können in der Selbstmedikation Protonenpumpenhemmer empfohlen werden. Sie drosseln die Magensäureproduktion, indem sie die Freisetzung von positiv geladenen Wasserstoff-Ionen aus den Belegzellen der Magenschleimhaut hemmen. Eine erste Wirkung tritt nach etwa 30 bis 90 Minuten ein. Der volle Effekt ist jedoch erst nach zwei bis drei Tagen erreicht. Eine Einnahme nach Bedarf ist daher nicht sinnvoll. Am besten werden Protonenpumpenhemmer auf nüchternen Magen, direkt nach dem Aufstehen eingenommen. Für die Selbstmedikation stehen Esomeprazol, Omeprazol, Pantoprazol in einer Einzeldosis von 20 Milligramm zur Verfügung. Ohne Rücksprache mit einem Arzt ist deren Anwendungsdauer beschränkt.

Spasmolytika

Der Wirkstoff Butylscopolamin lindert kolikartige Beschwerden: Er bindet an den muscarinischen Acetylcholinrezeptor. Dadurch werden die Wirkungen des Botenstoffs Acetylcholin unterdrückt, wodurch sich die glatte Muskulatur des Verdauungstraktes entspannt. Glaukompatienten, Kinder unter zwölf Jahre und Schwangere dürfen Butylscopolamin nicht einnehmen. Auch gemeinsam mit Antidepressiva, Neuroleptika und Prokinetika darf der Wirkstoff jedoch nicht verabreicht werden.

Entschäumer

Der Entschäumer Dimeticon, mit feindispersem Siliciumdioxid vermischt auch als Simeticon im Handel, wirkt ausschließlich physikalisch.

Phytopharmaka

Mit Extrakten aus Heilpflanzen lassen sich gute Erfolge bei dyspeptischen Beschwerden erzielen. Besonders wenn mehrere Symptome vorliegen, sind Phytopharmaka eine gute Therapieoption, weil die Inhaltsstoffe in aller Regel verschiedene pharmakologische Angriffspunkte haben.

Die Bittere Schleifenblume (Iberis amara) ist zum Beispiel ein bewährtes Prokinetikum, das die Magen-Darm-Bewegung fördert und bei Blähungen und Völlegefühl hilft. Blähungen und Magenkrämpfe lassen sich mit Kümmel (Carum carvi) lindern. Auch Fenchel (Foeniculum vulgare), Anis (Pimpinella anisum) und Pfefferminze (Mentha piperita) wirken entspannend auf das Verdauungssystem. Die Artischocke (Cynara scolymus) hilft bei Blähungen und Völlegefühl. Ebenfalls Linderung verschaffen Magen-Darm-Tees, zum Beispiel mit Kümmel-, Anis- oder Fenchelfrüchten.

Springer Medizin

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