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Allgemeinmedizin 23. März 2016

Müde und unkonzentriert

Zu wenig Eisen, Folat und Vitamin B12 beeinträchtigen Leistung und Aufmerksamkeit

Klagen Kunden über Müdigkeit und Konzentrationsschwäche und sind zudem noch blaß, liegt es nahe, an einen Eisenmangel zu denken. Aber auch ein Defizit an Folaten oder Vitamin B12 kann eine Anämie auslösen.

Kennzeichen einer Anämie ist eine niedrige Konzentration an Hämoglobin (Hb) im Blut von unter elf Gramm pro Deziliter. Das in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) vorhandene Hb enthält Eisen, das Sauerstoff bindet und dessen Transport zu den Körperzellen sicherstellt. Niedrige Hb-Konzentrationen behindern somit die Versorgung des Körpers mit dem wichtigen Atemgas. Die Folgen sind unter anderem Leistungs- und Konzentrationsschwäche.

Ein mäßiger bis schwerer Eisenmangel während der ersten beiden Lebensjahre sowie der Pubertät verzögert das Wachstum und führt zu irreversiblen Störungen der Intelligenzentwicklung. Anämien sind auf organische Ursachen oder auf eine unzureichende Versorgung mit Nährstoffen zurückzuführen. Zu den ernährungsbedingten Formen gehören die Eisenmangelanämie und die megaloblastäre Anämie.

Eisenmangelanämie

Die Eisenmangelanämie ist die häufigste Anämieform. Neben einem Abfall der Hb-Konzentration zeigen die Laborwerte einen Anstieg des Eisentransportproteins Transferrin und einen Abfall des Eisenspeicherproteins Serumferritin. Erythrozytenzahl und -größe sind vermindert.

Eine Anämie aufgrund eines ernährungsbedingten Eisenmangels kommt in Industrieländern selten vor. Häufigste Ursachen sind hierzulande sichtbare oder versteckte Blutungen, bedingt zum Beispiel durch Ulcera oder starke Menstruationsblutungen. Aber auch Resorptionsstörungen bei Darmerkrankungen wie bei Zöliakie können das Entstehen einer Anämie begünstigen.

Mit der Behandlung der Grunderkrankung und ausreichender oraler Eisensubstitution bessern sich das Blutbild und damit auch die Beschwerden. Da andere Lebensmittelbestandteile, zum Beispiel Gerbsäuren aus schwarzem oder grünem Tee oder Phytate aus Getreide, die Eisenaufnahme behindern können, sollten Präparate nüchtern eingenommen werden. Kommt es hierdurch zu einer Reizung der Magen- und Darmschleimhaut, kann das Eisen auch zu oder nach dem Essen genommen werden. Allerdings gelangt dann nicht so viel Eisen ins Blut wie bei der Nüchternaufnahme. Vitamin C, zum Beispiel in Form von Orangensaft getrunken, fördert wiederum die Aufnahme in den Körper.

Wichtig ist der Rat zu Kontrolluntersuchungen. Von einer Eisensubstitution auf eigene Faust ohne Überprüfung des Eisenstatus wird abgeraten, da ein Zuviel an Eisen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs erhöhen und bei Patienten mit Eisenspeicherkrankheit zu Eisenüberladung führen kann. Eisenpräparate zur intravenösen Applikation sollten aufgrund der Gefahr einer schweren Überempfindlichkeitsreaktion nur eingesetzt werden, wenn die orale Gabe unzureichend ist oder schlecht vertragen wird.

Megaloblastäre Anämie

Die megaloblastäre Anämie zeigt sich bei einem Mangel an Folaten oder B12. Dabei kann ein Folatmangel von einem Vitamin-B12-Mangel hämatologisch nicht unterschieden werden. Ist vor der Therapie mit synthetischer Folsäure ein Vitamin-B12-Mangel nicht ausgeschlossen, behebt die Substitution die Anämie, nicht jedoch die durch Vitamin-B12-Mangel ausgelösten neurologischen Symptome. Es besteht die Gefahr bleibender Schäden am Nervensystem. Daher ist die Bestimmung der Serum-Konzentrationen an Vitamin B12 und Folaten vor Therapiebeginn unerlässlich.

Folatmangelanämie

Folatmangel kann als Folge von Alkoholmissbrauch, Resorptionsstörungen aufgrund von Darmerkrankungen oder einer unzureichenden Zufuhr über die Ernährung auftreten. Auch Arzneimittel können für niedrige Folatspiegel sorgen, wie orale Kontrazeptiva, Phenytoin und Sulfasalazin.

Neben der Ausschaltung ursächlicher Noxen besteht die Therapie in der oralen Substitution von fünf bis 15 Milligramm Folsäure pro Tag. Folsäure ist die synthetische Form des Vitamins, die im Körper enzymatisch in aktives Folat, überwiegend 5-Me-thyltetrahydrofolat (5-MTHF), umgewandelt wird. Bleibt der Folatspiegel trotz ausreichender Zufuhr niedrig, kann die Empfehlung von Präparaten sinnvoll sein, die neben Folsäure auch naturidentische Folate enthalten, da nicht jeder Mensch die für die Umwandlung von Folsäure in Folat notwendigen Enzyme in ausreichendem Maße bildet.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt zur Vermeidung einer Folatmangelanämie mindestens 50 Mikrogramm synthetische Folsäure pro Tag. Das entspricht 100 Mikrogramm folatwirksamer Verbindungen (Folat-Äquivalente) über die Nahrung. Um einen prälatenten oder latenten Mangel vorzubeugen, werden für Jugendliche und Erwachsene täglich 300 Mikrogramm Folat-Äquivalente über Lebensmittel (z. B. grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Eier, Leber) empfohlen. Nach den Daten der Nationalen Verzehrstudie II erreicht allerdings lediglich die Hälfte der Erwachsenen diese Mengen. Wird der Bedarf mit der Nahrung nicht gedeckt, sind Supplemente empfehlenswert.

Vitamin B12-Mangelanämie

Vitamin B12 spielt eine wesentliche Rolle im Folatstoffwechsel, sodass ein Mangel mit einer Störung des Folatumsatzes und zur Entwicklung einer megaloblastären Anämie einhergeht. Zusätzlich führt ein Vitamin-B12-Mangel zu Degenerationen am Rückenmark, die das Nervensystem dauerhaft schädigen können. Die Folgen sind Sensibilitätsstörungen, Schwindel oder Gangunsicherheit. Gute Quellen für Vitamin B12 sind Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Käse. Mit der üblichen Ernährung werden damit in der Regel Mengen zugeführt, die weit über dem Tagesbedarf liegen. Hinzu kommt die große Speicherkapazität des Vitamins in der Leber von mehreren Jahren.

Vitamin-B12-Mangelzustände treten gehäuft vor allem bei langjährigen Vegetariern, besonders Veganern, auf. Von einem Vitamin-B12-Mangel sind auch ältere Menschen, Patienten mit einer atrophischen Gastritis, nach Magenresektionen oder chronischen Magenschleimhautentzündungen betroffen. Ihnen fehlt der von der Magenschleimhaut gebildete und für die Resorption von Vitamin B12 notwendige Intrinsic-Faktor. Auch Schleimhautentzündungen im Dünndarm können zu Mangelzuständen führen, da die Resorption des Vitamins erschwert wird. Patienten mit fehlendem Intrinsic-Faktor oder gestörter Resorption müssen lebenslang Vitamin B12 substituieren. Bewährt hat sich die intramuskuläre, subkutane oder intravenöse Zufuhr. Bei einer oralen Hochdosistherapie mit bis zu 2000 Mikrogramm B12 wird circa ein Prozent per Diffusion durch die Schleimhäute aufgenommen.

Zur Vorbeugung eines Vitamin-B12-Mangels empfiehlt der Vegetarier Bund, den Vitaminstatus regelmäßig überprüfen zu lassen. Vegetarier sollten ihren Bedarf über Eier, Milch und -produkte, Veganer über angereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel decken.

Springer Medizin

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