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Allgemeinmedizin 23. März 2016

Sodbrennen - Druck aus dem Magen

Sauer statt lustig schlägt sich auch auf‘s Gemüt

Jeder dritte Erwachsene in Österreich leidet regelmäßig oder gelegentlich an Sodbrennen oder saurem Aufstoßen, den beiden Leitsymptomen säurebedingter Beschwerden.

Begleiterscheinungen von säurebedingten Beschwerden können Völlegefühl, Übelkeit oder Schmerzen im Oberbauch sein, manchmal – wenn saurer Magensaft im Liegen bis in den Kehlkopf gelangt – äußert sich die Erkrankung aber auch „nur“ durch hartnäckigen Reizhusten oder Heiserkeit. Ein häufiger als zweimal wöchentliches Auftreten der Leitsymptome wird als gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD = Gastro Esophageal Reflux Disease) bezeichnet – zehn bis 20 Prozent der Österreicher sind davon betroffen und leiden darunter.

Ursachensuche. Für das unangenehme Brennen hinter dem Brustbein gibt es eine Vielzahl möglicher Ursachen. Selten stecken organische Veränderungen wie ein Zwerchfellbruch, eine Verkrampfung des Speiseröhrenschließmuskels oder Tumoren des Magens oder der Speiseröhre dahinter. In den meisten Fällen liegen funktionelle Beschwerden vor, ausgelöst durch äußere Faktoren. So belastet ein erhöhter Druck auf den Magen durch voluminöse Mahlzeiten, Übergewicht, Schwangerschaft oder einen zu eng geschnallten Gürtel, auch den Ösophagussphinkter – der Rückfluss des Mageninhalts, vor allem im Liegen, ist nur noch schwer aufzuhalten.

Alle Verdauungsvorgänge und somit auch der Tonus des Sphinktermuskels werden zudem vegetativ gesteuert. Genussmittel wie beispielsweise Nikotin, Alkohol und Coffein stimulieren den Parasympathikus und können dadurch die Magensäureproduktion anregen, ebenso wie übermäßiger unangenehmer Stress. Darüber hinaus lassen anticholinerg wirkende Arzneimittel, etwa Theophyllin oder Oxybutynin sowie Calciumantagonisten auch den Sphinktermuskel erschlaffen und begünstigen somit den Rückfluss der Säure aus dem Magen in die Speiseröhre.

Therapiemöglichkeiten

Gibt der Kunde an, dass es außer Sodbrennen und saurem Aufstoßen keine weiteren Beschwerden gibt, so stehen für die Selbstmedikation gut wirksame Arzneimittel zu Verfügung. Je nach Art, Häufigkeit und Dauer der Symptome kann ein Antazidum, ein H2-Blocker oder ein Protonenpumpeninhibitor (PPI) gewählt werden.

Das richtige Mittel für sporadisch auftretende, leichte Beschwerden sind Antazida. Sie werden nicht resorbiert, sondern neu-tralisieren gleich vor Ort die überschüssige Magensäure – sie wirken schnell (nach 15 bis 20 Minuten) und nur kurz (30 Minuten bis zwei Stunden). Im Handel sind Magnesiumverbindungen, Aluminium-Magnesiumsalz-Kombinationen (z. B. Magaldrat, Hydrotalcid) und Carbonate (Calcium, Magnesiumcarbonat) verfügbar.

Wichtiger Hinweis, den der Apotheker dem Kunden bei der Abgabe mitgeben sollte: „Nehmen Sie das Mittel eine Stunde nach dem Essen, bei nächtlichen Beschwerden eine Stunde vor dem Schlafengehen ein. Ihr Dauermedikament kann durch das Antazidum in der Wirkung abgeschwächt werden, deshalb nehmen Sie es entweder zwei bis drei Stunden vor oder vier bis fünf Stunden nach dem Antazidum ein“.

H2-Blocker wirken systemisch: Sie besetzen Histamin-Rezeptoren der Magenschleimhaut und drosseln so die Säureproduktion. Eingesetzt werden sie maximal 14 Tage lang vor allem bei nächtlichem Sodbrennen, denn ihre Wirkung beginnt erst nach etwa 60 Minuten, hält dafür aber bis zu zwölf Stunden an. Seit 2009 stehen zudem die PPI Omeprazol und Pantoprazol, seit 2014 der Wirkstoff Esomeprazol für die Anwendung in der Selbstmedikation zur Verfügung.

PPI hemmen irreversibel das Enzym H+/K+ATPase, das in den Belegzellen der Magenschleimhaut Protonen (H+Ionen) ins Mageninnere pumpt. PPI, die einmal täglich 30 bis 60 Minuten vor einer Mahlzeit genommen werden, sind die derzeit effektivsten Langzeit-Säureblocker – erst wenn nach 24 bis 48 Stunden neue Protonenpumpen gebildet werden, läuft die Magensäuresekretion wieder an.

Was sich sonst noch tun lässt

Zur Vorbeugung säurebedingter Beschwerden gibt es jede Menge guter Tipps: Dazu zählen etwa Zeit fürs Essen nehmen, Verzicht auf Säurelocker wie Kaffee, Tabak, Alkohol und darüberhinaus auf sehr zucker- oder fettreiche Nahrungsmittel. Auch Pausen und Entspannungsrituale zum „Entstressen“ sind wichtige Bestandteile einer Lebensstilumstellung, um die übermäßige Säureproduktion zu normalisieren. Unterstützend helfen pflanzliche Präparate. Bei vorwiegend nächtlichem Sodbrennen empfehlen sich zudem leichte Mahlzeiten am Abend, ein um zehn bis 15 Zentimeter erhöhtes Kopfteil am Bett sowie Schlafen auf der linken Seite – der Magenpförtner sitzt nämlich rechts oben und bekommt so weniger Druck.

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