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© Yuri_Arcurs / iStock
 
Allgemeinmedizin 23. März 2016

Alter und Apotheke

Demografische Entwicklung als Chance bei Kunden und Mitarbeitern

Dass sich die Gesellschaft durch den demografischen Wandel auf erhebliche Veränderungen einstellen muss, spricht sich langsam herum. Bisher lag der Fokus allerdings vor allem auf der damit verbundenen Pensionsproblematik und der Zunahme altersbedingter Erkrankungen und ihrer Folgekosten. Inzwischen rückt aber auch der Effekt auf die Arbeitswelten in den Blick. Altersstruktur der Erwerbstätigen und Fachkräftemangel erfordern passende Maßnahmen. So auch in Apotheken. Der alternde Kunde wie auch die alternden Mitarbeiter sollten gut betreut werden.

Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt für Männer knapp 78, für Frauen 83 Jahre. Der dadurch zunehmenden Zahl an Senioren steht zugleich zumindest in Europa eine abnehmende Geburtenrate entgegen. Die fernere Lebenserwartung wird sich weiter erhöhen. Der Anteil der über 80-Jährigen wird sich laut Prognosen von Altersforschern im Jahr 2050 im Vergleich zu 1950 voraussichtlich verzehnfacht haben: von 0,1 auf über 13 Prozent. Eine gute Option, die heiß diskutierte Pensionsproblematik mit frühem Eintrittsalter in den Ruhestand und vielen Pensionsbezugsjahren zu bewältigen, sieht die Altersforscherin - und von 1988 bis 1991 Deutsche Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit - Prof. Ursula Lehr, in flexibel zu gestaltenden längeren Arbeitszeiten bis zum Pensionseintritt. Empirische Untersuchungen belegen, dass ältere Arbeitnehmer u. a. ein hohes berufliches Engagement zeigen, Expertenwissen besitzen und über einen besseren Umgang mit komplexen Sachverhalten verfügen sowie über bessere Kenntnisse im Hinblick auf soziale Verknüpfungen. Kompetenzen, die der Arbeitsmarkt und auch die Apotheke nützen könnte.

Versorgungslücken auffangen

Dass im Zuge der Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur auch das Risiko von Versorgungsengpässen wächst, ist bereits in einigen ländlichen Regionen Realität. Denn auch die niedergelassene Ärzteschaft altert, Praxen in unattraktiven, bevölkerungsarmen Gebieten finden keine Nachfolger. Der Deutsche Gesundheitsforscher Fritz Beske etwa rechnet bis 2030 mit 165 000 fehlenden Ärzten und 400 000 fehlenden Pflegekräften in Deutschland. Die Attraktivität von Landarztpraxen soll also erhöht werden, telemedizinische Lösungen könnten zudem hilfreiche Ergänzung in der gesundheitlichen Versorgung sein, so Lehr. „Aber ganz ohne direkten Arztkontakt geht es nicht. Das gilt auch für Apotheker“.

Der ältere Mensch als Kunde

Gerade öffentliche Apotheken können viel dazu beitragen, den demografischen Wandel positiv mitzugestalten, etwa indem sie Maßnahmen für den Einzelnen anbieten und fördern, möglichst lange aktiv und fit zu bleiben. Aktionen, die speziell auf Senioren ausgerichtet sind, Vorträge, passende Pflege, Kosmetik, Ernährungs- und Bewegungsangebote gehören dazu. Hilfe sei auch wichtig zur richtigen Arzneimitteleinnahme, so Lehr, am besten in Kooperation mit dem Arzt. Ebenso werden Serviceleistungen wie Arzneimittel-Bringdienste immer wichtiger. Schließlich könne sich die Apotheke durch eine entsprechende seniorengerechte Ausstattung auf die älter werdende Klientel einstellen.

„Ältere Menschen haben heute eine hohe Bereitschaft, Geld für ihre Gesundheit zu investieren“, so Lehr, „aber auch eine hohe Erwartungshaltung an Service und Qualität.“ Die Kaufkraft der älteren Menschen ist beträchtlich. Und Senioren, die noch fit sind - und es bleiben wollen- sind keine Ausnahmeerscheinung. So zeigte die Pflegestatistik des statistischen Bundesamtes in Deutschland, dass im Jahr 2013 noch 86 Prozent der 75-bis 84-Jährigen nicht pflegebedürftig waren und selbst bei den über 89-Jährigen waren es noch etwa 35 Prozent. Immerhin fast jeder Dritte der über 70-Jährigen sind online.

Für ein erfolgreiches Marketingkonzept rät Marketingexperte Hans-Georg Pompe, die klassischen 4 P (price, product, placement, place) durch ein Instrumentenbündel zu ergänzen, das er als 4 Service P:

• People: Personalmanagement/ Mitarbeitermotivation

• Process: das Wie der Kommunikation

• Physical evidence: Umfeldmanagement, Ambiente zum Wohlfühlen

• Participating customers: Kundenbeziehungsmanagement mit Antizipation der Bedürfnisse

Der ältere Mensch als Mitarbeiter

Nicht allein die Kunden altern, auch die Mitarbeiter inklusive Chefin und Chef. Der Blick richtet sich dabei einerseits darauf, junge Pharmazeuten für die Selbstständigkeit zu begeistern. Andererseits sollte der Arbeitsplatz Apotheke so gestaltet sein, dass er auch für ältere Mitarbeiter attraktiv bleibt, etwa durch entsprechendes gesundheitliches Betriebsmanagement mit ausreichend Licht, Ruhezonen, rückenfreundlicher Arbeitsplatzgestaltung oder innerbetrieblichen Bewegungsangeboten wie beispielsweise Yoga-Einheiten.

Denn mit ihrem Knowhow und der Erfahrung mit Kunden – die sie oft schon lange kennen – können ältere Mitarbeiter in Ergänzung zum frischen Wind, den junge Kollegen in ein Team bringen, Wesentliches zur Teamstabilität und zum Apothekenimage beitragen.

Springer-gup.de

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