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Allgemeinmedizin 22. Februar 2016

Diät könnte helfen

Kohlenhydrate mit einem niedrigen glykämischen Index senken die Harnsäurekonzentration.

Wer bei der Ernährung auf einen niedrigen glykämischen Index achtet, senkt damit das Risiko für einen erhöhten Harnsäurespiegel. Ob von dem Effekt, der bei relativ gesunden Erwachsenen gefunden wurde, auch Gichtpatienten profitieren, muss sich erst noch zeigen.

Dass sich der Harnsäurespiegel durch diätetische Maßnahmen beeinflussen lässt, ist nichts Neues. Allerdings hat man bislang noch nicht untersucht, welche Rolle der glykämische Index (GI) dabei spielt. Dieser ist ein Maß für die blutzuckersteigernde Wirkung eines kohlenhydrathaltigen Nahrungsmittels.

In einem Ableger der OmniCarb-Studie wurde der Effekt von vier verschiedenen Diäten auf den Harnsäurespiegel gemessen: kohlenhydratreich mit hohem GI (CG), kohlenhydratreich mit niedrigem GI (Cg), kohlenhydratarm mit hohem GI (cG) und kohlenhydratarm mit niedrigem GI (cg) ( Juraschek SP et al., Arthritis & Rheumatology; 12/2015 ). An der randomisierten Ernährungsstudie waren 163 gesunde, aber übergewichtige Personen mit einem mittleren Alter von 52,6 Jahren beteiligt. 56 Prozent von ihnen waren adipös; der mittlere Plasma-Harnsäurewert lag zu Studienbeginn bei 4,7 mg/dl.

Vier Diäten im Wechsel

Jeder der Teilnehmer unterzog sich nacheinander allen Diäten, wobei jede davon fünf Wochen durchgehalten werden musste. Vor jedem Wechsel erfolgte eine zweiwöchige „Auswaschphase“. Insgesamt wurde darauf geachtet, dass das Körpergewicht konstant blieb.

Wenn man die Veränderung innerhalb der jeweiligen Ernährungsphasen betrachtete, ergab sich Folgendes: Weder die CG- noch die cg-Diät veränderten den Harnsäurespiegel maßgeblich. Dagegen ließ sich dieser durch eine kohlenhydratreiche Diät mit niedrigem GI deutlich senken (–0,11 mg/dl). Umgekehrt führte eine kohlenhydratarme Diät mit hohem GI zu einem Anstieg des Harnsäurespiegels um 0,16 mg/dl. Der Effekt war unabhängig von eGFR-, Glukose-, Insulin-, Laktat- und Triglyzeridwerten.

Verglich man die verschiedenen Diäten miteinander, stach vor allem eine Strategie heraus: Die Reduktion des glykämischen Indexes bei gleichzeitiger Erhöhung der Kohlenhydrate; diese Kombination führte zu einer Absenkung des Harnsäurespiegels um 0,27 mg/dl. Wie die Autoren um Dr. Stephen Juraschek von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore betonen, kam es dabei vor allem auf die Absenkung des GIs an.

Ersetzte man die kohlenhydratreichen Nahrungsmittel durch kohlenhydratarme, brachte das nichts, wenn der GI vorher schon niedrig war. Bei hohem GI führte eine solche Strategie sogar zu einem Anstieg der Harnsäurekonzentration im Plasma (um 0,1 mg/dl). Die Low-Carb-Diät in der OmniCarb-Studie war gleichzeitig eine proteinangereicherte Diät. „Möglicherweise war für diesen Effekt in erster Linie das tierische Eiweiß verantwortlich“, spekulieren Juraschek und Kollegen.

Konnte man dagegen ein Nahrungsmittel mit hohem GI durch eines mit niedrigem GI ersetzen, sank der Harnsäurewert ab, und zwar um 0,24 mg/dl, wenn die Diät kohlenhydratarm war, und immer noch um 0,17 mg/dl bei kohlenhydratreicher Ernährung.

Durch welche Mechanismen dieser Effekt zustande komme, sei nach wie vor unklar, so Juraschek und sein Team. Die Studie habe jedenfalls gezeigt, woran es nicht liegen könne: Weder an einer Veränderung der Nierenfunktion noch an der Glukosehomöostase (Insulinsensitivität) noch an den Produkten der Glykolyse. Angesichts der nachweislich starken Korrelation zwischen Insulinresistenz und Hyperurikämie sei dies überraschend, so die Autoren.

Mit pharmakologischen Interventionen, z. B. Allopurinol, erreicht man eine Absenkung des Harnsäurespiegels von im Mittel zwischen 2 und 3 mg/dl. Angesichts der Nebenwirkungen sollte eine solche Therapie jedoch Patienten mit schwerer Gicht vorbehalten bleiben, schreiben Juraschek et al. Patienten mit leichten Gichtsymptomen und Hyperurikämie könnten von einer Ernährungsintervention mit niedrig glykämischen Nahrungsmitteln profitieren, wie etwa Hülsenfrüchte, Milchprodukte und bestimmte Obstsorten. Eine entsprechende Empfehlung ist jedoch verfrüht; hierfür wären prospektive Studien mit Gichtpatienten erforderlich.

springermedizin.de, Ärzte Woche 8/2016

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