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Allgemeinmedizin 15. Februar 2016

Kraftlackel-Wahn

Essstörungen bei jungen Männern nehmen zu.

Nur ein Viertel aller Betroffenen holt sich Hilfe. Das zeigen Zahlen einer Studie zur mentalen Gesundheit unter Schülern.

Rund 200.000 Menschen erkranken hierzulande mindestens einmal in ihrem Leben an einer Essstörung. Der Großteil der Betroffenen ist weiblich, doch neue Zahlen aus einer Befragung unter Österreichs Schülern zeigen einen erschreckenden Anstieg bei den Buben und Burschen. Fast 15 Prozent der männlichen Jugendlichen haben demnach ein Risiko, an einer Essstörung zu erkranken. Von Anorexie, Bulimie oder auch Binge Eating betroffen sind vor allem sehr junge Menschen, 90 bis 97 Prozent sind Mädchen bzw. junge Frauen. Doch die Gefahr, daran zu erkranken, hat in den vergangenen Jahren bei den männlichen Jugendlichen zugenommen. Mittlerweile liegt das Risiko für eine Essstörung bei Burschen bei 14,6 Prozent, das zeigten Ergebnisse der Studie „Mental Health in Austrian Teenagers (MHAT)“, bei der seit 2013 über 3.600 Schüler im Alter von zehn bis 18 Jahren zu ihrer psychischen Gesundheit befragt wurden. Die Zahl der betroffenen männlichen Jugendlichen lag bisher unter zehn Prozent.

Bei der Studie vom Ludwig Boltzmann Institut Health Promotion Research (LBI HPR) und der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien gaben 31,8 Prozent der Mädchen und 14,1 Prozent der Burschen an, Angst zu haben, beim Essen die Kontrolle zu verlieren. 6,1 Prozent der weiblichen und 5,1 der männlichen Befragten sagten, dass sie schon einmal erbrochen haben, wenn sie sich unangenehm voll fühlten. Ein hoher Prozentsatz der Befragten (28,2 Prozent der Mädchen und elf Prozent der Burschen) fühlten sich dick, obwohl andere sagen, dass sie schlank seien. Dass die Zahl der von Essstörungen betroffenen Burschen so im Steigen begriffen ist, führt Karin Waldherr, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Essstörungen (ÖGES), vor allem auf den stärker werdenden Druck der Gesellschaft zurück, erfolgreich und gut aussehend zu sein. „Viele Burschen sind mit ihrem Körper unzufrieden und wünschen sich, muskulöser zu sein“, sagte Waldherr.

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