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Allgemeinmedizin 25. Jänner 2016

Wissen hilft gegen Unsicherheiten

Das Thema Impfen erhitzt immer wieder die Gemüter. Breit anerkannt ist die Schutzwirkung vieler Impfungen, Vorbehalte bestehen aus unterschiedlichsten Gründen. Verständnisvolle, kompetente Beratung hilft.

In Wellen wird über Pro und Contra von Impfungen diskutiert. Das hat verschiedene Gründe. Dazu gehören immer wieder gehäufte Masernfällen sowie hohe Zuwanderungsraten. Viele Flüchtlinge konnten in ihren Herkunftsländern die vorgesehenen Impfungen für sich oder ihre Kinder nicht abschließen. Außerdem sind Migranten häufig nicht oder nicht mehr im Besitz ihrer Impfdokumente, sodass bereits verabreichte Impfungen nicht dokumentiert sind. Mit Wissen auf dem neuesten Stand ist man für die Beratung gut gewappnet.

Die meisten Impfungen werden im Säuglings- und Kindesalter verabreicht (Grundimmunisierung). Diese sowie die öffentlich empfohlenen Impfungen für Jugendliche und Erwachsene werden als Standardimpfungen bezeichnet und im jährlich aktualisierten Impfplan veröffentlicht. Die wesentlichen Änderungen im Österreichischen Impfplan 2016, der in enger Zusammenarbeit zwischen dem Bundesministerium für Gesundheit und Expertinnen und Experten des Nationalen Impfgremiums erarbeitet wurde, betreffen Impfungen bei Kinderwunsch, neue Empfehlungen hinsichtlich Rotavirusimpfung bei Frühgeborenen, neue Regelungen für Gelbfieberimpfungen im internationalen Reiseverkehr, Impfempfehlungen für Personen ohne Impfdokumentation und mögliche Vorgehensweisen bei Impfstoffknappheit oder Alterslimitationen seitens der Produktzulassung. Der Impfplan 2016 ist kostenlos auf der Internetseite des Gesundheitsministeriums verfügbar: www.bmg.gv.at/home/Impfplan/

Da der Impfschutz nur für einen gewissen Zeitraum anhält, sind Auffrischimpfungen sehr wichtig. Als Indikationsimpfungen werden wiederum Impfungen aus besonderem Anlass (z. B. wegen einer Reise), bei bestimmten Grunderkrankungen (z. B. Asplenie) oder beruflicher Exposition (z. B. Personal im Gesundheitswesen) bezeichnet. Außerdem unterscheidet man zwischen aktiver Immunisierung (Aktivimpfung) und passiver Immunisierung (Serumgabe).

Bei der ersten Form bildet das Immunsystem des Impflings spezifische Antikörper gegen das Impfantigen, außerdem werden Gedächtniszellen produziert. Bei Kontakt mit dem Erreger können dann die komplexen Vorgänge, die zur Antikörperbildung notwendig sind, erneut ablaufen, und der Geimpfte ist geschützt. Gegebenenfalls muss der Impfschutz durch eine Wiederholungsimpfung nach einiger Zeit aufgefrischt werden (Booster-Impfung). Im Gegensatz dazu erhält der Impfling bei passiver Immunisierung Immunglobuline. Dies ist etwa notwendig, wenn es keine oder kaum Behandlungsoptionen gibt (z. B. Tollwut) oder der Impfstatus nicht bekannt ist bzw. keine Schutzimpfung stattgefunden hat (z. B. Tetanus).

In einigen wenigen Fällen werden aktive und passive Immunisierung kombiniert (Simultanprophylaxe). Dies ist beispielsweise der Fall bei einer Verletzung, bei der das Risiko einer Tetanusinfektion besteht, der Betroffene aber seinen Impfstatus nicht kennt. Dann erhält er sowohl eine Tetanus-Schutzimpfung als auch ein Tetanus-Serum. Dagegen bezeichnet der Begriff Simultanimpfung die Verwendung von Mehrfachimpfstoffen (z. B. hexavalente Impfstoffe), um die Zahl der Injektionen zu minimieren.

Beratung aktiv

Da es in Österreich keine Impfpflicht gibt, kann jeder selbst entscheiden, ob er sich oder seine Kinder impfen lassen möchte oder nicht. Doch nicht alle, die gegen eine Impfung Vorbehalte äußern, sind als „Impfgegner“ zu bezeichnen. Vielmehr sind gerade Eltern von sehr kleinen Kindern häufig durch unzureichende Informationen verunsichert. Hilfreiche Argumente für die Kundenberatung finden Apotheker sowohl auf den Seiten des Gesundheitsministeriums als auch auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts (http://bit.ly/1pA0PJi), das in Deutschland für die Impfempfehlungen zuständig ist, sowie beim Paul-Ehrlich-Institut, das die Impfstoffe zulässt (http://bit.ly/1wfdsn9). Besonders empfehlenswert sind die „Antworten des Robert Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts zu den 20 häufigsten Einwänden gegen das Impfen“.

Wichtige Fakten

Bei der Beratung zum Thema Impfungen gibt es einige Aspekte, die immer wieder in Gesprächen für Fragen und manchmal auch Verunsicherung bei den Kunden sorgen. Die wichtigsten Fakten sind daher hier aufgelistet.

Impfstatus. Die meisten Impfungen werden im Säuglingsalter, das heißt in der Regel bis zum Ende des 14. Lebensmonats verabreicht. Manchmal kann aber eine Impfung nicht zeitgerecht gegeben werden, z. B. wegen eines fieberhaften Infekts. Dies ist jedoch kein Grund zur Sorge, denn eine versäumte Impfung kann auch noch später nachgeholt werden. Die Überprüfung des Impfstatus ist daher in jedem Lebensalter sinnvoll.

Lückenlose Kühlkette. Lebend-impfstoffe (z. B. Mumps-Masern-Röteln-Impfstoff) müssen kontinuierlich kühl (zwischen 2 und 8 Grad Celsius) gelagert und transportiert werden, da ihre Wirksamkeit ansonsten beeinträchtigt werden kann. Wenn Kunden einen solchen Impfstoff auf Rezept abholen, beispielsweise weil er in der Arztpraxis nicht vorrätig war, wird das Präparat in einer Thermobox mit Kühlakku abgegeben. Kunden sollte daher nahegelegt werden, damit direkt zur Arztpraxis zurückzugehen und keine weiteren Erledigungen auf dem Weg dorthin vorzunehmen.

Adjuvanzien. Adjuvanzien (Wirkverstärker) in Impfstoffen führen nachweislich zu einer stärkeren Immunantwort. Bei den Wirkverstärkern handelt es sich beispielsweise um Aluminiumhydroxid, Emulsionen (z. B. auf Squalen-Basis) oder Virosomen. Der Zusatz von Adjuvanzien bietet den Vorteil, dass weniger Antigen pro Impfdosis benötigt wird. Die Ressourcen werden damit besser genutzt, was insbesondere für die Herstellung von Pandemie-Impfstoffen relevant ist. Bei adjuvantierten Impfstoffen können lokale Nebenwirkungen an der Injektionsstelle (Schmerz, Rötung, Schwellung) stärker ausgeprägt sein. Darauf sollten Kunden im Beratungsgespräch hingewiesen werden.

Reiseimpfungen. Wenn Kunden in der Apotheke über ihre Urlaubspläne berichten und Medikamente für die Reiseapotheke kaufen, sollte auch das Thema Impfungen angesprochen werden. Dies trifft ebenfalls auf Jugendliche oder junge Erwachsene zu, die einen Auslandsaufenthalt wegen eines Schüleraustauschs oder Praktikums planen. Erkrankungen wie Hepatitis A, Typhus, Cholera, japanische Enzephalitis oder Gelbfieber, mit denen wir uns hierzulande kaum beschäftigen müssen, werden dann zu einem wichtigen Beratungsthema. Bei Reisen innerhalb Österreichs und Deutschlands und einem möglichen Kontakt mit Zecken sollte, so nicht ohnedies schon den Empfehlungen entsprechend vorhanden, zu einer Impfung zum Schutz vor Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) geraten werden, wenn sich das Reiseziel in einer Risikoregion befindet.

Mögliche Nebenwirkungen. Wie bei allen Arzneimitteln kann es nach der Verabreichung von Impfungen auch zu unerwünschten Reaktionen kommen. Bei Totimpfstoffen ist dabei vor allem mit Lokalreaktionen (Schmerz, Rötung, Schwellung) an der Injektionsstelle zu rechnen, die meist innerhalb von 48 Stunden auftreten. Dagegen kann es bei Lebend-impfstoffen mehrere Tage dauern, bis eine unerwünschte Wirkung sichtbar wird. Sie ähnelt dann unter Umständen der Krankheit, gegen die geimpft wurde (z. B. Impfmasern).

Hühnereiweißallergie. Heute werden nur noch wenige Impfstoffe (z. B. Influenza-Impfstoff) mithilfe von bebrüteten Hühnereiern produziert. Für die Influenza-Impfung gibt es eine Alternative auf Zellkultur-Basis. Impfstoffe, bei denen die Viren auf Hühnerfibroblasten gezüchtet wurden (z. B. Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff) enthalten kaum nachweisbare Spuren von Hühnereiweiß ohne Allergiepotenzial. Ausnahme: Kinder, bei denen bereits geringste Mengen Hühnereiweiß zu einem anaphylaktischen Schock führen könnten. Für sie werden besondere Schutzmaßnahmen empfohlen.

Sonderfall Immunsuppression. Personen mit einer immunsuppressiven Behandlung (z. B. nach einer Transplantation), sollten die darauffolgenden Impfungen mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Springer-gup/red, Apotheker Plus 1/2016

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