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© Fonds Gesundes Österreich
Der Elternratgeber „Leporello“ wurde in allen Arztpraxen aufgelegt, wo Eltern und Großeltern zehn praxisnahe Tipps für den richtigen Umgang mit rauchenden Jugendlichen erhalten.
 
Allgemeinmedizin 18. Jänner 2016

Rauchen ist „uncool“

Eine Studie zeigt die klare Trendwende unter Schülern. Trotzdem bleibt viel zu tun.

„Leb dein Leben. Ohne Rauch. YOLO!“ Mit diesem Slogan startete die Tabakpräventionsinitiative für 10- bis 14-Jährige anlässlich des Weltnichtrauchertages letzten Jahres. Ziel war es, dass sich Kinder und Jugendliche in ihren Medien mit den Themen „Nichtrauchen“ und „Nikotinabhängigkeit“ spielerisch auseinandersetzen. Das Interesse an der Initiative aus dem Vorjahr war so groß, dass sie auch 2016 fortgesetzt wird.

Rauchen ist eines der größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken. Die Gesundheitsgefahren sind nachgewiesen. Im Jahr 1997 stellte das Bundesverfassungsgericht zudem fest, dass Rauchen auch bei nicht rauchenden Menschen, also bei Passivrauchern zu tödlichen Krankheiten und Gesundheitsgefahren führen kann. Weltweit sterben jährlich etwa 6 Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Darunter sind ungefähr eine halbe Million Passivraucher und über 150.000 Kinder. Im internationalen Vergleich hat Rauchen bei österreichischen Jugendlichen einen besonders hohen Stellenwert.1 In der Altersgruppe der 15-Jährigen belegt Österreich OECD- weit beim Tabakkonsum den unrühmlichen ersten Platz – und zwar unmittelbar vor Tschechien und Ungarn (OECD, 2013, „Health in a Glance“). Zu einem ähnlich unerfreulichen Ergebnis kam die HBSC-Studie 2012 (Health Behaviour in School-aged Children Study): Rund zehn Prozent der Schüler haben vor ihrem 15. Geburtstag regelmäßig zu rauchen begonnen.

Der Handlungsbedarf ist groß und so hat der Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) die Tabakpräventionsinitiative „Leb dein Leben. Ohne Rauch. YOLO!“ ins Leben gerufen, die partizipativ, unter Mitsprache von Kindern und Jugendlichen, letztes Jahr entwickelt wurde.

Keine klassische Kampagne

Das Ergebnis der Tabakpräventionsinitiative ist ein Maßnahmenpaket, das auf mehreren Ebenen ansetzt: direkt in den Schulen, in den sozialen Netzwerken, in denen sich die Jugendlichen bewegen, aber auch bei ihren Eltern und Großeltern. Für die Umsetzung waren deshalb die Kompetenzen mehrerer Partner im Gesundheitswesen gefragt, die mit ihrem Know-how mit ins Boot geholt wurden: Das Bildungsministerium, für die Maßnahmen an den Schulen, der Hauptverband der Sozialversicherungsträger, mit dem erfolgreichen Services des „Rauchfrei“ Telefons, und die ARGESuchtvorbeugung für eine nachhaltige Präventionsarbeit.

Auch die Österreichische Gesellschaft für Allgemeinmedizin unterstützte gemeinsam mit der österreichischen Apothekerkammer die Umsetzung der Eltern- und Großelternmaßnahmen. Österreichweit wurden alle Allgemeinmediziner mit Foldern bestückt (siehe Bild „Leporello“). „Übers Rauchen reden“ heißt die Broschüre, die Eltern und Großeltern zehn praxisnahe Tipps für den richtigen Umgang mit Jugendlichen zum Thema Rauchen gibt. Die Ärzteschaft ist hier als Multiplikator aktiv.

Das Interesse war schon am Ende des ersten Initiativenjahres sehr groß. So wurden die Unterrichtsmaterialien für Lehrer über 40.000 Mal im Internet heruntergeladen. An den „Schall ohne Rauch“-Events nahmen über 2.000 Kinder und Jugendliche teil, und in den sozialen Netzwerken waren knapp 25.000 aktiv. Insgesamt gelangten über 250.000 Elternratgeber in die Arztpraxen und Apotheken.

Positiver Trend erkennbar

Mittlerweile zeigt die HBSCStudie2 von 2014 eine klare Trendwende: Rauchen wird bei den Schülern erstmals unpopulär. So ist der Anteil der Raucher sowohl bei den Mädchen als auch bei den Burschen – mit durchschnittlich 15 Prozent – massiv gesunken. Besonders bei den Raucherinnen unter 13 Jahren ging dieser stark zurück und sank von 4,5 Prozent auf 2,1 Prozent. Der durchschnittliche Einstieg ins Rauchen erfolgt in Österreich allerdings noch immer sehr früh, und zwar im Alter von 13 Jahren.

Laut Eurobarometer 2012 ist das häufigste Motiv mit dem Rauchen zu beginnen die Tatsache, dass auch Freunde rauchen. Weitere wesentliche Beweggründe für die ersten Probierhandlungen sind, „cool sein“ und „dazugehören“– vor allem im Kontext von gemeinschaftlichen Aktivitäten wie „Weggehen“. Aber auch das Rauchen der Eltern gehört zu den Einstiegsmotiven des Tabakkonsums3 bei Kindern und Jugendlichen.

Es ist erwiesen, dass eine ablehnende Haltung der Eltern gegenüber dem Rauchen mit einer geringeren Neigung zum Rauchen einhergeht.4 Zentral dabei ist das Rauchverbot im elterlichen Haushalt. Jugendliche aus rauchfreien Elternhäusern haben unabhängig vom Rauchstatus der Eltern eine negativere Einstellung zum Rauchen und schätzen die gesellschaftliche Akzeptanz des Rauchens geringer ein. Dadurch fangen sie mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit, selbst zu rauchen an bzw. hören eher wieder damit auf.5

Ziele für 2016

Auch im Jahr 2016 wird die Tabakpräventionsinitiative fortgesetzt. Dabei soll ein besonderes Augenmerk auf Hauptschülern und Kindern aus einem sozioökonomisch schwachen Umfeld gesetzt werden. So ist zum Beispiel bekannt, dass der Anteil an jugendlichen Rauchern in diesen Gruppen noch bis zu 50 Prozent beträgt.

Quelle: Fonds Gesundes Österreich

Literatur:

1 Vgl. Deutsches Krebsforschungszentrum: www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/Tabakabhaengigkeit_und_ Tabakentwoehnung.html; Kröger CB, Piontek D (2011)

2 HBSC, Health Behavior in School-Aged Children dt. 2014

3 Heinzmaier B, jugendkultur.at_Institut für Jugendkulturforschung _Kommunikationskonzept für eine Tabakpräventionskampagne:1

4Vgl. Ditre JW, Corraggio JT, Herzog TA: Associations between parental smoking restrictions and adolescent smoking. Nicoti-ne Tob Res. 2008 Jun; 10(6):975–83. Raschke, P., Kalke, J. (2005): Haben Eltern Einfluss auf das Rauchverhalten ihrer Kinder? Empirische Befunde aus einer Schülerbefragung. In: Prävention 1 (2005), S. 18–21

5 Vgl. Deutsches Krebsforschungszentrum: Tabakrauchbelastung von Familien in Deutschland. Heidelberg 2010

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