zur Navigation zum Inhalt
© drubig-photo / fotolia.com
 
Allgemeinmedizin 10. November 2015

Psychogener Husten ist out

Terminologie: Neue Begrifflichkeiten aus den USA.

Neue US-amerikanische Leitlinien empfehlen, die Termini psychogener und habitueller Husten nicht mehr zu verwenden und stattdessen von somatischer Hustenstörung und Tic-Husten zu sprechen.

Husten gehört zu den häufigen Symptomen, mit denen der Arzt in der Praxis konfrontiert ist. Dauert er länger als zwei Monate und wurde keine erklärende Ursache gefunden, so liegt ein Problem vor, das für den Patienten beängstigend und sozial belastend ist und für den Arzt eine diagnostische und therapeutische Crux darstellt. Das American College of Chest Physicians (CHEST) veröffentlichte zuletzt 2006 Husten-Leitlinien mit Empfehlungen zum Management des Symptoms Husten ohne erkennbare Ursache. Nun erschien es dem CHEST-Experten-Komitee an der Zeit, die in der Zwischenzeit gewonnene wissenschaftliche Erkenntnis neu zu evaluieren und zusammenzufassen.

Methoden & Ergebnisse

Ein Experten-Komitee sichtete die seit 2006 publizierte Original-Literatur inklusive systematischer Reviews anhand eines Screenings in MEDLINE, EMBASE und der Cochrane Register für kontrollierte Studien und systematische Reviews. Zusätzlich wurden auch die Vorstellungen und Vorlieben von Patienten berücksichtigt und die gewonnene Erkenntnis in einen klinischen Kontext gestellt. Eine abschließende Einigung wurde mithilfe des Delphi-Verfahrens erzielt.

Das Ergebnis der Anstrengungen nimmt sich ziemlich bescheiden aus. Man stellte fest, dass die wissenschaftlichen Daten zur Frage, wie man psychogenen oder habituellen Husten definieren oder diagnostizieren soll, von geringer Qualität sind. Die Anwesenheit oder Abwesenheit von nächtlichem Husten oder Husten mit bellendem Charakter sollte nicht mehr herangezogen werden, um psychogenen oder habituellen Husten zu diagnostizieren oder auszuschließen.

Bei Erwachsenen sollte das Vorhandensein von Depression und Angststörung nicht als diagnostisches Kriterium für einen psychogenen Husten verwendet werden, da sich diese Störungen erst einstellen können, wenn der Husten sich als nicht behandelbar herausstellt.

Neu im Programm: Tic-Husten

Bei Kindern und Erwachsenen mit chronischem, medizinisch nicht erklärbarem Husten sollte die Diagnose eines Tic-Hustens gestellt werden, wenn der Patient Hinweise auf weitere Tics zeigt, die sich unterdrücken lassen und durch Ablenkung und Suggestion gebessert werden können.

Bei Erwachsenen und Kindern mit chronischem Husten ohne medizinische Erklärung sollten in Zukunft die Begriffe habitueller Husten und psychogener Husten vermieden werden. Stattdessen empfiehlt das Komitee, den Terminus habitueller Husten durch Tic-Husten zu ersetzen. Statt von psychogenem Husten sollte man in Zukunft von einer somatischen Hustenstörung sprechen. Noch zurückhaltender ist das Experten-Panel bei den therapeutischen Empfehlungen. Hier konnte man sich nur bei den Kindern zu schwachen Empfehlungen durchringen, die so revolutionäre Dinge wie Hypnose, Beruhigung, Beratung und Überweisung an einen Psychotherapeuten beinhalten. Empfehlungen zur Behandlung Erwachsener wurden erst gar nicht gegeben.

 

Originalpublikation: Vertigan AE et al.; Chest. 2015;148(1):24-31

springermedizin.de, Ärzte Woche 46/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben