zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 28. Oktober 2015

„open access“ im partnerschaftlichen Modell

Die zunehmende Akademisierung und die technischen Kommunikations- und Publikationsmöglichkeiten haben zu einer Flut von veröffentlichten Forschungsergebnissen geführt. Abgesehen davon, dass dies zu einer gewissen Unübersichtlichkeit führt, sind nicht alle Veröffentlichungen für alle frei zugänglich. Auch wenn die elektronischen Medien, Listungen in Datenbanken oder Archivierung in Plattformen ein leichteres Auffinden grundsätzlich wesentlich beschleunigen und erleichtern. „Volltextverfügbarkeit“ lautet die Forderung einer wachsenden Zahl von wissenschaftlich Tätigen oder auch nur Interessierten oder auch potentiellen Anwendern der Ergebnisse.

Ein Zwiespalt, der sich aus der vermeintlich freien vernetzten Welt ergibt: Wurden Forschungsarbeiten früher in Zeitschriften oder Büchern veröffentlicht, so war klar, dass man diese Druckwerke entweder kaufen musste oder sie sich – meist in Fachbibliotheken – ausleihen konnte. Auch hier mussten die Publikationen aber von irgendjemandem bezahlt werden, stehen hinter der Umsetzung des Manuskripts in eine veröffentlichte Form doch zahlreiche Beteiligte, die dafür sorgen, dass dies in einer standardisierten, geprüften Form geschieht. Daran hat sich mit der Tatsache von immer mehr in elektronischer Form veröffentlichten Manuskripten nicht allzu viel geändert. Anstelle des Setzers und der Lithographie sind IT-Spezialisten für Hard- und Software, technische Redakteure und organisatorische Stellen getreten, die dafür sorgen, dass der Betrieb läuft, der Artikel tatsächlich vernetzt wird und eine höchstmögliche Chance auf Öffentlichkeit erhält. Die solcherart Beschäftigten tun dies in vielen Fällen aus Begeisterung – aber auch, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und auch im Universitätsbetrieb sind jene Mitarbeiter, die die im Instituts-Eigenverlag herausgegebenen Zeitschriften mitbetreuen, wie etwa die traditionsreiche „Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes“, mit fixem Gehalt angestellt.

Die Tücken liegen in der Seriosität

Der freie Zugang – „open access“ – ist seit einiger Zeit das Schlüsselwort. Aber „open access“ kann Verschiedenes bedeuten. Es kann zum Beispiel bedeuten, dass Autoren für die Publikation ihrer Artikel bezahlen, damit die Nutzer freien Zugang haben. Das birgt allerdings selbst auch Tücken, denn nur jener Autor – eventuell mit der entsprechenden Institution/Organisation im Hintergrund – kann seine Ergebnisse derart frei verbreiten, der sich dies auch leisten kann. Bezahlte Veröffentlichungen haben in manchen Bereichen freilich auch einen gewissen Wildwuchs an Angeboten zur Folge gehabt, die nicht immer unbedingt seriös sind.

Kostenersparnis, die sich aus der reinen Online-Publikation ergeben, soll für andere Publikationen einen „open access“-Zugang ermöglichen, wofür kürzlich in einem Artikel der Tageszeitung „Der Standard“ die „Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft“ als Beispiel genannt wurde. Hier verkündete der Herausgeber der ÖZP, dass durch die geringeren Gesamtkosten in der Herstellung „anteilsmäßig mehr Geld für die Qualitätssicherung“ verwendet werde (1). Indes, über den absoluten Betrag sagt dies reichlich wenig aus, es könnte genauso gut auch eine Reduktion in diesem Bereich geben. Man weiß es nicht.

Professionalität sichert Qualität

Verlage, die nach wirtschaftlichen Kriterien geführt werden, nicht zuletzt um in ihren Abläufen eine hohe Qualität für Autoren, Kunden und Partner sicherstellen zu können, bemühen sich, in Kooperation und im Austausch mit den Akteuren des Wissenschaftsbetriebs für alle Seiten zufriedenstellende Lösungen zu finden. Diesen Weg geht auch Springer als einer der weltweit größten Wissenschaftsverlage. Für Österreich ist es nun im September gelungen, eine Vereinbarung mit dem Bibliothekskonsortium in Form eines neuen Lizenzmodells „Springer Compact“ zu treffen. Das bedeutet, dass die 34 wissenschaftlichen Einrichtungen, die Mitglieder dieses „Konsortiums“ in der „Kooperation E-Medien Österreich – KEMÖ“ sind – mit allen ihren Mitarbeitern – freien Zugriff auf die Springer-Zeitschriften haben: Lesend auf mehr als 2000 Titel, für die open access-Publikation auf mehr als 1600 Springer Hybrid-Zeitschriften.

Auch für Springer ist das Neuland, aber so viel ist sicher: Eine Partnerschaft mit gegenseitigem Respekt eröffnet spannende neue Möglichkeiten

meint Ihre

Verena Kienast

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben