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Allgemeinmedizin 19. Oktober 2015

Tinnitus und chronische Schmerzen

Gleicher Entstehungsweg über zentrales Regulator-System im Hirn

Strukturelle und funktionelle Veränderungen im gleichen Hirn-Schaltkreis können das Tor sowohl für Tinnitus als auch für chronische Schmerzen öffnen. Zu dieser Erkenntnis kommen Prof. Josef Rauschecker, Georgetown University, Washington D.C., und Prof. Markus Ploner vom PainLabMunich der TU München, auf der Grundlage eines neu identifizierten Regulator-Systems im Hirn, das den Forschern zufolge von den beiden Neurotransmittern Dopamin und Serotonin gesteuert werde.

Bei Patienten wurde in den vermuteten Gehirnregionen, zu denen der ventromediale präfrontale Kortex und der Nucleus accumbens, eine Kernstruktur im basalen Vorderhirn, zählen, ein signifikanter Verlust der grauen Substanz und eine beeinträchtigte Funktion der Schaltkreise im Gehirn beobachtet. Dabei gab es erhebliche Überschneidungen zwischen den neurologischen Veränderungen bei Tinnitus- und bei Schmerzpatienten. Alle diese Gehirnregionen seien auch wichtig für die Bewertung und die Regulierung von Sinneswahrnehmungen. „Diese Regionen agieren als zentrales Regulator-System, das den affektiven Wert der sensorischen Stimuli ermittelt und den Informationsfluss im Gehirn reguliert. Tinnitus und chronische Schmerzen entstehen, wenn dieses System beschädigt ist“, so Rauschecker.

Schäden an diesem System beeinflussen die Wahrnehmung sensorischer Signale, sodass entweder Tinnitus oder chronische Schmerzen entstehen können und in einer selbsterhaltenden Schleife andauern. Das bessere Verständnis für die Ursache der Krankheiten könnte jedenfalls zu einer standardisierten Erfassung der individuellen Risiken, Tinnitus oder chronische Schmerzen zu entwickeln, führen. Dadurch könnte sich ein Weg für präventive Maßnahmen und eine sehr frühzeitige Behandlung zum Beispiel mittels kognitiver Verhaltenstherapie, Physiotherapie und medikamentöser Therapie ergeben.

Quelle: Trends in Cognitive Sciences 2015; online 23. September

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