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© zaretskaya / iStock / Thinkstock
 
Allgemeinmedizin 19. Oktober 2015

Polymedikation

Mehr Sicherheit durch Medikationsplan

Das steigende Lebensalter erhöht insgesamt auch den Arzneimittelverbrauch. So nimmt etwa jeder vierte Deutsche dauerhaft drei oder mehr Arzneimittel ein. Die damit verbundenen Risiken seien nur durch einen echten Medikationsplan zu reduzieren, stellt die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hinsichtlich des derzeit heiß diskutierten E-Health-Gesetzes bei unseren Nachbarn fest. Durch Auswirkungen der Polymedikation sterben, laut ABDA, deutlich mehr Menschen als im Straßenverkehr.

Eine Umfrage ergab, dass 88 Prozent der Befragten mit Polymedikation eine Stammapotheke haben. „Nur hier sind alle Medikamente eines Patienten bekannt, egal welcher Arzt sie verordnet hat, ob sie rezeptpflichtig sind oder aus der Selbstmedikation stammen. Dieses Potenzial muss viel stärker genutzt werden“, so ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. Im E-Health-Gesetz drohe dies gerade versäumt zu werden.

Die konsequente Erfassung und pharmazeutische Analyse der Gesamtmedikation des Patienten sowie darauf aufbauend ein mit dem Arzt konsentierter Medikationsplan können diese Risiken reduzieren. „Neun von zehn Medikationslisten, die alleine vom Arzt ausgestellt werden, stimmen nicht mit dem überein, was die Patienten tatsächlich einnehmen“, so Schmidt über die Ergebnisse einer Studie. Daher müsse man die Apotheken und ihr Wissen einbeziehen.

Das künftige E-Health-Gesetz räumt dem Patienten mit Polymedikation einen Rechtsanspruch auf eine Medikationsliste ein, bindet jedoch den Apotheker nicht konsequent ein. „Die Arzneimittelversorgung ist die gesetzliche Aufgabe der Apothekerschaft. Jeder Patient mit Polymedikation sollte außerdem selbst entscheiden dürfen, ob sein Arzt oder sein Apotheker einen individuellen Medikationsplan für ihn initiieren soll“, erklärt Schmidt. Inkonsequent sei auch, dass der Gesetzentwurf nur die Erstellung der Medikationsliste, nicht aber die pharmazeutische Prüfung der Gesamtmedikation auf Risiken beinhalte. „Erst dadurch wird aber die Liste zu einem echten Medikationsplan, der dem Patienten helfen kann, Gefahren zu reduzieren und Therapieerfolge zu verbessern.“

Quelle: abda

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