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Anonym, billig und schnell - Versprechen, die beim Arzneimittel-Versand mit einem erhöhten Sicherheitsrisiko verunden sein können.
 
Allgemeinmedizin 18. August 2015

OTC-Medikamente im Versand

Die neue EU-Richtlinie soll für mehr Sicherheit sorgen, macht aber nicht alle glücklich.

Mit der Anfang des Sommers in Kraft getretenen Fernabsatzverordnung für Humanarzneispezialitäten folgt Österreich der Anforderung der EU, neue Vertriebswege für Medikamente für den Konsumenten möglichst sicher zu gestalten. Betroffen sind freilich nur rezeptfreie Produkte, für rezeptpflichtige Medikamente gilt weiterhin die persönliche Abholung in der Apotheke. Die Standesvertretung der Apotheker sieht die Öffnung des Arzneimittelversands kritisch. „Der persönliche Kontakt geht damit verloren – das ist die große Gefahr dabei“, unterstreicht Mag. Max Wellan, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer im Gespräch mit Apotheker Plus.

Auslöser für den Beschluss auf EU-Ebene waren zunehmende Sicherheitsprobleme durch internetbasierten Arzneimittelversandhandel, der in großem Ausmaß für den Handel mit gefälschten Medikamenten missbraucht wurde und wird. Der Umsatz mit solchen Fälschungen übersteigt weltweit, so Wellan, jenen des Rauschgifthandels. Ein einträgliches Geschäft also, das die Anonymität des Internets und der postalischen Zustellung ausnützt. Bisher allerdings war eine Zusendung von Medikamenten aus Österreich nicht möglich. Versendet wurde daher bisher aus Nachbarstaaten – auch wenn die Internetadresse mit dem .at-Kürzel eine österreichische Herkunft nahelegte. Um fragwürdigen Anbietern europaweit unsaubere Geschäfte zu erschweren, wurde nun ein offizielles Logo geschaffen, das berechtigte Apotheken – und nur diese dürfen Arzneimittel versenden – auf ihrer Internetseite erkennbar macht und zusätzlich mit der offiziellen Standesliste der Apotheken auf der Website des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) verlinkt ist. Allerdings ist die Unwissenheit in der Bevölkerung groß (siehe Interview mit Mag. Max Wellan).

Viele Regulierungen aber wenig Platz für Beratung

Die Fernabsatzverordnung listet sehr detailliert die Anforderungen für die Qualitätskontrolle, den Transport und die Lieferung, die pharmazeutische Qualitätssicherung und schließlich die Bestellung und pharmazeutische Beratung auf. Apotheken, die dieses Geschäftsfeld für sich erschließen möchten, müssen im Vorfeld zahlreiche formale und bürokratische Hürden nehmen. So muss für Transport und Lieferung ein Unternehmen ausgewählt werden, das über die erforderliche Sachkenntnis und Erfahrung verfügt – oder vom Apothekenteam selbst durchgeführt werden, der Kunde muss sich vor der ersten Bestellung mit seinen persönlichen Daten registrieren, nicht zuletzt, damit bei Bedarf vor der Abgabe des Medikaments eine Beratung angebot werden kann. Denn auch rezeptfreie Arzneimittel haben mitunter einen erhöhten Beratungsbedarf was Dosierung, Einnahmezeitpunkt und Wechselwirkungen betrifft – und der Patient unterschätzt diese Aspekte oft.

Die neue Möglichkeit des Versands bzw. der Zustellung von OTC-Präparaten ergriff unmittelbar nach Inkrafttreten der Verordnung unter einigen anderen das junge Unternehmen ApothekenLieferservice.at in Kooperation mit zunächst einer Wiener Apotheke. Für zwölf ausgewählte Indikationsgebiete wurden nun als zusätzliches Service spezielle Pakete mit rezeptfreien Medikamenten und Gesundheitsprodukten zusammengestellt, die innerhalb von zwei Stunden in Wien zugestellt werden, sieben Tage die Woche jeweils von 8.00 bis 24.00 Uhr. Individuelle Anforderungen werden spätestens am nächsten Werktag zugestellt. Bestellungen können rund um die Uhr im Webshop der Apotheke durchgeführt werden. Wie sich die Praxis bei Produkten mit erhöhtem Beratungsbedarf wie etwa der „Pille danach“ gestalten wird, sieht wahrscheinlich nicht nur die Standesvertretung kritisch.

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